DRUCKEN

Lipome: „Verklumptes“ Fettgewebe

Lipome: „Verklumptes“ FettgewebeSie sind gutartig und ungefährlich, dennoch rufen Lipome oft beängstigende Gefühle hervor, weil Betroffene nicht wissen, was dahinter steckt. Warum die meist gutartigen Weichteiltumoren entstehen und wie man sie behandelt, erklärt Dr. Werner Saxinger vom Klinikum Wels-Grieskirchen.

„Verklumpt das Fettgewebe ähnlich wie bei einer Eierspeise an manchen Stellen, entstehen Lipome. Es handelt sich dabei um gutartige Tumoren des Fettgewebes“, sagt Prim. Dr. Werner Saxinger, MSc, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen. Warum Lipome entstehen, ist derzeit noch weitgehend ungeklärt. „Es gibt verschiedene Theorien darüber, warum das Fettgewebe Knötchen bildet. Man vermutet, dass genetische Komponenten eine Rolle spielen“, ergänzt der Mediziner. Die Höhe der Blutfette hat übrigens nichts mit der Entstehung von Lipomen zu tun. „Lipome verschwinden auch bei normalen Blutfetten nicht“, so Saxinger.

Erbsen- bis tellergroßer gutartiger Tumor

Bei Lipomen handelt es sich um Fettgewebe, das sich subkutan, also im Unterhautfettgewebe, abzeichnet und von außen sichtbar ist. In seltenen Fällen treten die Weilteiltumoren auch in Organen oder im Fettgewebe von Muskeln auf. Saxinger: „Meistens haben Lipome eine Größe von wenigen Zentimetern. Sie können allerdings auch 20 bis 30 Zentimeter groß werden.“ Besonders oft findet man sie am Rücken, in der Kopf-Hals-Region oder im Bereich des Bauches sowie an den Extremitäten. „Man schätzt, dass zirka zwei bis drei von 100 Personen unter Lipomen leiden. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen“, sagt der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Beschwerden treten selten auf

In den meisten Fällen verursachen die Weichteiltumoren keine Beschwerden. Sie können jedoch auf benachbarte Strukturen – wie etwa Nerven – drücken und dadurch Schmerzen oder Funktionsstörungen zur Folge haben. Lipome sind meist rundlich und weich und lassen sich gut mit den Fingern verschieben. Zudem wachsen sie langsam. Wenn sie viel Bindegewebe enthalten, können sie sich auch hart anfühlen. Generell unterscheidet man verschiedene Formen der Lipome. Dazu zählen etwa Angiolipome (sie enthalten neben Fettzellen auch Blutgefäße) oder Myolipome (sie bestehen aus Fett- und glattem Muskelgewebe). Nur in seltenen Fällen entarten die Fettzellen und die Lipome werden bösartig. Man spricht dann von einem Liposarkom. „Typisch dafür ist, dass Liposarkome sehr schnell wachsen“, erklärt der Mediziner.

Mit Biopsie zur Diagnose

Lipome können sowohl einzeln (solitär) als auch vermehrt auftreten. Sind besonders viele Weichteiltumoren vorhanden, spricht man von einer Lipomatose. Egal, wie häufig sie auftreten, die Diagnose lässt sich meist rasch mittels bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung stellen. Zur Klärung, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt, ist eine Biopsie notwendig. Dabei wird Gewebe aus dem Weichteiltumor entnommen und histologisch untersucht.

Operation oder Fettabsaugung

Weil es sich in den meisten Fällen um gutartige Tumoren handelt, werden sie nur dann chirurgisch entfernt, wenn sie ästhetisch stören oder Funktionsstörungen zur Folge haben. Der Eingriff ist einfach, weil sich die Tumoren in den meisten Fällen direkt unter der Haut befinden und klar abgegrenzt sind. „Bei kleinen Lipomen ist die Operation meist unter örtlicher Betäubung möglich. Was zurück bleibt, ist allerdings eine Narbe. Zudem ist die Rezidivrate groß. Wenn man die Neigung dazu hat, können Lipome immer wieder auftreten“, erklärt Saxinger.

Daneben gibt es noch eine weitere Therapiemöglichkeit: die Fettabsaugung (Liposuktion). „Dabei werden Teile des Lipoms entfernt, indem man das Fettgewebe mit einer Kanüle absaugt. Eine vollständige Entfernung ist durch eine Operation allerdings wahrscheinlicher“, sagt der Facharzt. Ein alternatives, von manchen Ärzten verwendetes Verfahren ist die sogenannte Lipolyse. Bei der auch als „Fett-weg-Spritze“ bekannten Behandlung wird eine Lösung injiziert, wodurch die Fettzellen platzen.

MMag. Birgit Koxeder

Oktober 2012

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020