DRUCKEN

Demenz-Erkrankte: Hilfe für Angehörige

Demenz-Erkrankte-Hilfe für AngehörigeSie finden sich in der eigenen Wohnung nicht mehr zurecht oder vergessen, dass sie Hunger haben. Häufig werden Demenz-Erkrankte auch aggressiv oder misstrauisch. Der Umgang mit ihnen ist für pflegende Angehörige nicht immer leicht. Mag. Monika Wild vom Österreichischen Roten Kreuz erklärt, wie man Demenz-Erkrankte am besten pflegt.

Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Krankheiten, die durch degenerative Veränderungen des Gehirns zu einem Verlust der geistigen Fähigkeit führen. Die Beschwerden reichen von kognitiven Störungen, insbesondere des Denkens, der Urteilsfähigkeit oder Orientierung. Darüber hinaus können Veränderungen der Persönlichkeit auftreten. Demente Personen können aber auch psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen haben. Die Krankheit hat Auswirkungen auf das berufliche und private Leben der Betroffenen und viele können den Aufgaben im Alltag nicht mehr nachkommen. Die Folge ist ein Verlust der Selbstständigkeit; Betroffene werden pflegebedürftig.

Zwischen Schock und Verunsicherung

Die Diagnose Demenz ruft meist unterschiedliche Gefühle hervor: „Für die meisten ist es ein Schock und Gefühle der Verunsicherung und Hilflosigkeit tauchen auf. Bei Betroffenen kommt es daneben auch zu Angst und Frustration. Sie müssen erleben, wie ihnen zahlreiche Fähigkeiten langsam entgleiten und sie immer weniger Kontrolle über ihr Leben haben. Ihre Identität scheint sich langsam aufzulösen. Zusätzlich zu diesen frustrierenden Erfahrungen beginnt allmählich sogar die vertraute Umgebung fremd zu werden, was die Ängste noch vergrößert“, erklärt Mag. Monika Wild, Leiterin des Bereiches Gesundheits- und Soziale Dienste beim Österreichischen Roten Kreuz.

Umgang mit Demenz-Erkranken

Nach der Diagnose ist es für Angehörige besonders wichtig, sich so früh wie möglich über die Krankheit zu informieren. Denn insbesondere die psychischen Veränderungen eines erkrankten Angehörigen wirken mitunter für Familienmitglieder beunruhigend. „Je weniger das soziale Umfeld über die Demenz Bescheid weiß, desto eher kommt es zu Vorurteilen: Den Kranken wird unterstellt, sie würden sich aus Bösartigkeit und Sturheit so irritierend verhalten. Und weil viele nicht wissen, woher diese Veränderungen kommen und was es damit auf sich hat, kommt es zu Reaktionen, die die Situation noch verschlimmern wie Zurechtweisen, Korrigieren und Ignorieren“, so Wild.

Angehörige als Pflegepersonen

Der größte Teil der Demenz-Erkrankten wird von den Angehörigen daheim versorgt. Die Pflege stellt oftmals eine große psychische und physische Belastung dar, zumal sie häufig auch mehrere Jahre dauert. Im fortgeschrittenen Stadium kann es durchaus vorkommen, dass Demenz-Erkrankte 24 Stunden am Tag betreut werden müssen. Pflegende Angehörige sollten deshalb rechtzeitig selbst Hilfe in Anspruch nehmen: „Angehörige brauchen nicht nur fachliche Beratung, sondern auch emotionale Unterstützung und eine regelmäßige Entlastung. Werden die eigenen Bedürfnisse langfristig ignoriert, riskiert man, selbst krank zu werden“, bestätigt Wild. Als hilfreich erweisen sich regelmäßige Treffen mit Gleichgesinnten, stundenweise Besuchsdienste oder die Inanspruchnahme einer Hauskrankenpflege.

Ratschläge für Angehörige

Damit die Pflege der Demenz-Erkrankten so reibungslos wie möglich verläuft, gibt die Expertin einige Tipps.

  • Zu den größten Herausforderungen der Angehörigenpflege gehören „irritierende“ Verhaltensänderungen. Die Grundregel lautet: Man kann die kranke Person nicht ändern, denn für die Verhaltensweisen ist eine Gehirnerkrankung verantwortlich. Für den Umgang mit Betroffenen braucht es viel Einfühlungsvermögen und Wissen. Ein wichtiger Punkt ist, die Dinge nicht persönlich zu nehmen und Sinn für Humor zu behalten.
  • Bei ungerechtfertigten Anschuldigungen oder starkem Misstrauen sollte man daher nicht streiten, sondern sich als Angehöriger vor Augen halten, dass das, was der Erkrankte erlebt, für ihn real ist.
  • Eine positive Stimmung und ein respektvoller Umgang miteinander verbessern die Kommunikationsbasis. Zudem sollte man Erkrankte immer mit dem Namen ansprechen und einfache Fragen stellen. „Wenn Angehörige auf eine Antwort oder Reaktion warten, sollen sie geduldig sein. Wenn die Person gerade innerlich um eine Antwort kämpft, kann man auch Wörter vorschlagen. Oft steckt die Antwort aber auch in nonverbalen Signalen“, so Wild.
  • Erkrankten sollte man so oft wie möglich Zuneigung zeigen und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.
  • Demente Menschen leben oft in der Vergangenheit. Einen Versuch, die Person zu überzeugen, dass diese „Erinnerungen“ falsch sind, sollte man vermeiden.
  • Wenn die Person beginnt, sich aufzuregen, das Thema oder die Umgebung wechseln. Dabei ist wichtig, mit den Betroffenen immer in einer gefühlsmäßigen Verbindung zu bleiben und wenn sie etwa aggressiv sind, mit verständnisvollen Sätzen wie „Es tut mir leid, dass dich das aufregt. Möchtest du lieber etwas essen?“ reagieren.


MMag. Birgit Koxeder

August 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020