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Harnwegsinfektion

Harnwegsinfekt - Kind sitzt am WCEin leichter Schmerz im Unterbauch. Ein Ziehen im Bereich der Harnröhre. Harndrang, obwohl man doch eigentlich gerade auf der Toilette war. Und brennende Schmerzen beim Urinieren — dies sind die unangenehmen Anzeichen einer Harnwegsinfektion.

Häufigste Infektion bei Frauen

Eine Harnwegsinfektion bzw. Blasenentzündung ist keine Seltenheit. 50 Prozent aller Frauen leiden einmal im Leben an dieser Infektion – das sind in Österreich rund 2,2 Millionen Patientinnen. Bei 30 Prozent der Betroffenen kommt es innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach dem ersten Auftreten zu einem erneuten Infekt.

Harndrang und Schmerzen

Die Symptome sind häufiger Harndrang mit Entleerung kleiner Mengen sowie Schmerzen und Brennen beim Urinieren, Unterbauchschmerzen – besonders häufig bei Kindern – sowie erschwertes Wasserlassen bei Männern. Manchmal kann der Harndrang nicht mehr kontrolliert werden und es folgt ein unabsichtlicher Harnabgang. Ist dem Harn auch Blut beigemengt, kann es zu einer rötlichen Färbung kommen.

Ursachen

In den meisten Fällen handelt es sich um eine bakterielle Infektion. Der verursachende Keim ist in 80bis 90 Prozent der Fälle Escherichia coli (E. coli), ein Keim dessen natürlicher Lebensraum der Darmtrakt des Menschen ist. Bei Frauen ist die anatomische Nähe zur Genital-Anal-Region ein begünstigender Faktor für eine Infektion. Die weibliche Harnröhre ist kürzer als beim Mann und die Bakterien können leichter und schneller in die Harnblase aufsteigen. Auch sexuelle Aktivität sowie Schwangerschaft und Geburt können eine Infektion erleichtern.

Bei Männern ist eine Verengung der Harnröhre häufig die Ursache. Bei Kindern stehen Fehlbildungen der Harnorgane im Vordergrund, oft handelt es sich aber auch um ungenügende Hygiene – vor allem bei Mädchen durch falsches Putzen „von hinten nach vorn“.

Bei Verdacht zum Hausarzt

Wendet man sich mit den oben genannten Symptomen an seinen Hausarzt, so wird dieser neben einer körperlichen Untersuchung noch eine Urinuntersuchung durchführen. Mittels eines Teststreifens kann eine Erkrankung festgestellt werden. Bei der körperlichen Untersuchung ist es unter anderem wichtig, eine Nierenbeckenentzündung auszuschließen. Dabei handelt es sich um ein schwerwiegendes Krankheitsbild mit Fieber, Erbrechen und schlechtem Allgemeinbefinden.

Männer und Kinder zum Facharzt

Stellt der Arzt nun die Diagnose einer Blasenentzündung, kann bei Frauen beim ersten Auftreten der Krankheit auf eine weiterführende Untersuchung verzichtet werden. Bei Männern und Kindern ist jedoch immer eine Überweisung zu einem Facharzt für Urologie notwendig. Dieser kann dann mittels Ultraschall Verengungen beziehungsweise Fehlbildungen im Harntrakt erkennen und die entsprechende Therapie einleiten.

Antibiotika nur bei Beschwerden

Manchmal sind Bakterien im Harn ein Zufallsbefund, das heißt, dass die Patientinnen keinerlei Beschwerden haben. In diesem Fall reicht eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von drei Litern „Blasentee“ aus der Apotheke sowie warme Kleidung. Eine antibiotische Therapie ist nicht nötig. Bei Beschwerden und positivem Harnstreifentest sollte allerdings eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden. Je nach Stärke der Beschwerden können auch krampflösende Schmerzmittel helfen. Auch pflanzliche Heilmittel wie zum Beispiel Goldrutenkraut oder Birkenblätter zeigen oft eine gute Wirkung, doch sollten auch diese nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Die Infektion kann wiederkommen

Wird eine akute Blasenentzündung nicht ausreichend behandelt, kann es nach kurzer Zeit zu einer erneuten Infektion kommen. Ebenso wenn eine Verengung oder Fehlbildung der Harnwege als Ursache der ersten Infektion festgestellt wird. Es können auch so genannte resistente Keime vorliegen und ein herkömmliches Antibiotikum wirkt nicht mehr. Im schlimmsten Fall kann sich eine chronische Infektion einstellen. Dann sind ständig Erreger im Harn nachweisbar. In diesen Fällen ist eine eingehende Untersuchung der Harnwege durch den Facharzt sowie eine genaue Bestimmung der Erreger notwendig.

Vorbeugende Maßnahmen

Gerade bei immer wieder auftretenden Blasenentzündungen sind vorbeugende Maßnahmen mindestens so wichtig wie die konsequente Behandlung. Dazu gehören die gründliche Reinigung nach dem Stuhlgang, Urinieren vor und nach dem Geschlechtsverkehr, ausreichende Trinkmengen und warme Kleidung. „Bei erhöhter Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen sollte man Kälte, Stress und Schlafmangel vermeiden und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten“, ergänzt Prim. Univ.-Doz. Dr. Claus Riedl, Vorstand der Abteilung für Urologie am Landesklinikum Thermenregion Baden.


Dr. Ulli Stegbuchner

November 2006


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020