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Gutartige Prostatavergrößerung: Ein häufiges Männerleiden

Gutartige ProstatavergrößerungDie Prostata (Vorsteherdrüse) liegt unterhalb der Harnblase rund um den oberen Teil der Harnröhre und wiegt beim gesunden Erwachsenen etwa 20 Gramm. Sie besteht aus zahlreichen Drüsen, gefäßreichem Bindegewebe und Muskelfasern. Ab dem 40. Lebensjahr beginnen sich vor allem die Zellen des Bindegewebeanteils der Prostata zu vermehren. Dies führt zu einem zunehmenden Druck auf die Harnröhre und dadurch zu einer Beeinträchtigung beim Urinieren.

Häufigste Erkrankung beim älteren Mann

90 Prozent der Männer über 80 Jahre leiden an einer so genannten Prostatahyperplasie, einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Oft sind die Patienten beschwerdefrei und die Erkrankung bleibt unbemerkt. Die Tatsache, dass sich die Symptome oft sehr langsam entwickeln, führt dazu, dass viele Betroffene die Beschwerden lange ignorieren beziehungsweise gar nicht bemerken. Oftmals glauben sie, dass sie nur einen Teil des natürlichen Alterungsprozesses darstellen.

Symptome kommen langsam

urch die zunehmende Größe der Prostata wird die Harnröhre eingeengt. Dies führt zunächst zu einem häufigen Harndrang. Die Patienten müssen dazu auch nachts öfters aufstehen. Häufig ist der Beginn der Blasenentleerung erschwert, der Harnstrahl ist schwach und es kommt zum Nachträufeln. Bei fortschreitender Vergrößerung kann die Blase nicht mehr vollständig entleert werden. Der verbleibende Restharn begünstigt das Entstehen von Entzündungen der Blase und der Prostata. In weiterer Folge kann eine so genannte Überlaufblase entstehen. Dabei kommt es zu ungewolltem Harnabgang, der Restharn in der Blase kann bis zu einem Liter oder mehr betragen. Der Harnrückstau reicht manchmal bis in die Nieren und kann diese schädigen. Bei etwa einem Viertel der Patienten tritt ein akuter Harnverhalt auf und die Blase kann nicht mehr entleert werden. Durch weitere Harnproduktion der Niere wird die Blase nach und nach überdehnt. Es ist wichtig zu wissen, dass kein eindeutiger Bezug zwischen der Größe der Prostata und dem Auftreten und Ausmaß der Beschwerden vorliegt. Man kann nur sagen, dass eine fortschreitende Vergrößerung der Prostata zu einer kontinuierlichen Abnahme des Harnstrahls führt. Doch der Zeitpunkt und Leidensdruck ist bei jedem Patienten individuell verschieden.

Bei häufigem Harndrang zum Arzt

Beobachtet man eine Verschlechterung beziehungsweise eine Veränderung beim Harnlassen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dabei ist einerseits die Beschreibung der Symptome wichtig, andererseits aber auch Angaben darüber, wie sehr man in seinen Lebensgewohnheiten eingeschränkt ist. Manche Patienten fühlen sich schon durch das vermehrte nächtliche Aufstehen massiv in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, während andere die zunehmende Verschlechterung des Harnflusses kaum wahrnehmen. Beim Arzt werden neben der körperlichen Untersuchung zur Abschätzung der Größe und Härte der Prostata auch noch eine Blutuntersuchung, eine Urinuntersuchung und ein Ultraschall der Nieren durchgeführt. Weitere Untersuchungen sind nur in speziellen Fällen notwendig.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Ob und wann eine Therapie nötig wird, ist vor allem vom Stadium der Erkrankung und den Beschwerden abhängig. Anfangs genügt oft die regelmäßige ärztliche Kontrolle, vor allem solange kein ausgeprägter Leidensdruck besteht. Jährliche Blutkontrollen mit Bestimmung des PSA-Werts (Prostata spezifisches Antigen) dienen der Früherkennung eines Prostatakarzinoms. Ansonsten unterscheidet man zwischen der medikamentösen und operativen Therapie.

Pflanzliche Präparate sind sehr beliebt

Die so genannte Phytotherapie ist zur Behandlung der Symptome besonders beliebt. Es gibt zahlreiche pflanzliche Präparate am Markt. Die häufigsten Inhaltsstoffe sind Brennnessel- und Pinienwurzeln, Roggenpollen, Kürbiskerne, die Früchte der amerikanischen Sägezahnpalme und die Rinde vom afrikanischen Pflaumenbaum. Es gibt jedoch nur wenige Studien, die die Wirksamkeit dieser Medikamente beweisen.

Medikamente können helfen

Neben den bereits erwähnten Präparaten gibt es im Wesentlichen zwei weitere Medikamentengruppen zur Behandlung der Prostatavergrößerung. Die so genannten Alpha 1-Rezeptoren-Blocker entspannen die Muskulatur im Bereich der Prostata und dem unteren Teil der Blase. Dadurch wird die Harnröhre erweitert und der Urin kann wieder besser abfließen. Als unerwünschte Nebenwirkung kann ein Blutdruckabfall auftreten. Damit verbunden kommt es oft zu Schwindel und vermehrter Müdigkeit.

Die zweite Möglichkeit sind die so genannten 5-alpha-Reduktasehemmer. Diese Medikamentengruppe greift in den hormonellen Regelkreis ein – die Umwandlung von Testosteron in seine biologisch aktive Form – und verhindert so ein weiteres Wachstum der Prostata. Der große Nachteil hierbei liegt in der langen Einnahmedauer von sechs Monaten bis die maximale Wirkung eintritt. Weitere unerwünschte Nebenwirkungen können ein Nachlassen der Libido und Potenz sein (ungefähr zehn Prozent).

Zahlreiche operative Verfahren möglich

Wenn mit Medikamenten keine Besserung mehr erzielt werden kann, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Das am häufigsten angewandte Verfahren ist die TURP, die transurethrale Elektroresektion der Prostata. Dabei wird in Narkose das Gewebe der Prostata mit einer Elektroschlinge durch die Harnröhre entfernt. Der Eingriff ist nur wenig belastend und der Krankenhausaufenthalt beträgt nur wenige Tage. Als unerwünschte Folge kommt es sehr häufig zu einer „trockenen Ejakulation“, das bedeutet, beim Samenerguss wird der Samen rückwärts in die Blase entleert. In fünf bis zehn Prozent der Fälle kann Narbenbildung in der Harnröhre zu einer erneuten Behinderung des Harnabflusses führen.

Bei einer TUIP (transurethrale Inzision der Prostata) wird lediglich eine Spaltung des Blasenausganges durchgeführt. Als Vorteil gegenüber dem vorher genannten Verfahren gilt die Erhaltung der normalen Ejakulation. Daher bietet sich dieser Eingriff bei sehr jungen Patienten an, wenn die Prostatavergrößerung nicht zu massiv ist. Es kommt jedoch auch häufiger zum Nachwachsen des Gewebes.

Die transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT) eignet sich ebenfalls für jüngere Patienten (Erhaltung der Ejakulation) sowie für Risikopatienten, da der Eingriff ohne Narkose durchgeführt wird. Das Prostatagewebe wird dabei über einen Dauerkatheter mit Mikrowellen erhitzt und somit zerstört. Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden und stellt eine Alternative zur medikamentösen Behandlung dar.

„Laserverfahren bieten gegenüber der herkömmlichen TURP nur den Vorteil, dass der Blutverlust bei der Operation erheblich geringer ist“, sagt Prim. Univ. Prof. Dr. Nikolaus Schmeller, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie und Andrologie Salzburg. Langzeitergebnisse fehlen in den meisten Fällen. „Andere Methoden wie die Aufspreizung der Harnröhre mittels Ballonkatheter oder Stents (Kunststoff- oder Metallgitter) sind nicht effektiv und werden heute nicht mehr angewandt“, so Schmeller.

Die offene Operation, bei der die vergrößerten Anteile der Prostata durch einen Zugang durch die Bauchdecke entfernt werden, ist bei der gutartigen Prostatavergrößerung nur selten notwendig.


Dr. Stegbuchner Ulli

Oktober 2007


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020