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Gynäkomastie: „Männerbusen“

Gynäkomastie: „Männerbusen“Wenn die Brustdrüse beim Mann vergrößert ist, spricht man in der medizinischen Fachsprache von einer Gynäkomastie. Was es damit auf sich hat und wie man den „Männerbusen“, unter dem knapp ein Drittel der Männer leidet, behandelt, erklärt Dr. Florian Wimpissinger.

Das Wort „Gynäkomastie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „weiblich aussehende bzw. frauenähnliche Brust“. Dr. Florian Wimpissinger von der urologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien erklärt, was das bedeutet: „Bei der sogenannten ‚echten‘ Gynäkomastie ist tatsächlich das Drüsengewebe der Brust beim Mann vergrößert, während es sich bei der ‚unechten‘ Gynäkomastie, die auch als Pseudogynäkomastie bezeichnet wird, um eine Vermehrung des Fettgewebes der Brust handelt. Sie tritt häufig bei Übergewicht auf.“ Bei vielen Betroffenen liegt allerdings eine Mischform vor.

30 Prozent der Erwachsenen betroffen

Der „Männerbusen“ kann ein- oder beidseitig auftreten und kommt dem Alter entsprechend unterschiedlich häufig vor. „Bei Neugeborenen und in der Pubertät sind zirka 40 bis 70 Prozent der Jungen betroffen. Im Erwachsenenalter liegt die Häufigkeit etwa um die 30 Prozent“, so der Facharzt für Urologie. Neben der optisch vergrößerten Brust können Betroffene auch unter einem Spannungsgefühl oder einer Berührungsempfindlichkeit leiden bzw. Schmerzen haben. Ein Arztbesuch ist in jedem Fall notwendig.

Ursache meist unbekannt

Warum es zur Vergrößerung des Drüsen- oder zur Vermehrung des Fettgewebes kommt, ist in den meisten Fällen nicht erklärbar. Bei einigen Betroffenen können die Ursachen jedoch ausgemacht werden: „Da das Brustgewebe hormonell reguliert wird, liegt der Gynäkomastie in der Regel auch eine hormonelle Ursache zugrunde. Bei Neugeborenen liegt die Ursache in Geschlechtshormonen der Mutter, die noch im Blutkreislauf des Säuglings zirkulieren. In der Pubertät handelt es sich meist um einen Überschuss an Östradiol, welches ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ist“, so der Mediziner. Aber auch die Einnahme von östrogenhaltigen Medikamenten oder anabolen Steroiden können die Brust zum Wachsen bringen. Ein häufiger Risikofaktor ist, wie erwähnt, Übergewicht. Je höher der Körperfettanteil, umso höher der Östradiolspiegel, der das Drüsengewebe zum Wachsen bringt.

Wenn das Aussehen schmerzt

Die Erkrankung verursacht weniger körperliche als psychische Probleme: Die männliche Brust ist Symbol für Stärke und Kraft. Gleicht sie dem Aussehen nach einer weiblichen, kann dies natürlich einen starken Leidensdruck verursachen. Viele Männer setzt daher die ästhetische Beeinträchtigung bei einer Gynäkomastie stark zu. Umso wichtiger ist es, die Ursachen der vergrößerten Brust zu identifizieren und zu beseitigen – wenn möglich. „Da eine solche – kausale – Therapie in vielen Fällen nicht möglich ist, bleibt letztlich nur eine operative Korrektur“, sagt Wimpissinger.

Plastische Chirurgie gegen Gynäkomastie

Der Eingriff dient dazu, das überschüssige Fett- und Brustgewebe – in einigen Fällen auch ein Zuviel an Haut – zu entfernen. Das Ziel dabei ist eine flachere, männliche Brust mit besseren Konturen. Die Operation birgt neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Wundheilungsstörungen oder Blutungen auch die Gefahr einer verminderten Sensibilität der Brust oder der Brustwarze. Meist verschwinden diese Symptome aber nach einiger Zeit nach dem Eingriff. Kann sich nun die Brust nach einer Operation erneut vergrößern? „Die Rezidivrate ist extrem gering“, antwortet der Urologe.

Alternative Behandlung: Fettabsaugung

Besteht die vergrößerte Brust zum Großteil aus Fettgewebe, kann alternativ auch eine Fettabsaugung – eine sogenannte Liposuktion – durchgeführt werden. Dabei werden über mehrere kleine Einstiche Saugkanülen in die Brust eingeführt und das Fett abgesaugt. Im Anschluss an die Behandlung ist das Tragen eines Kompressionshemdes für einige Wochen notwendig. Auch können eine leichte Schwellung und Blauverfärbungen der Haut auftreten.

MMag. Birgit Koxeder
November 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020