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Scheidenpilz: Unangenehme Sache

Scheidenpilz: Unangenehme SacheDrei von vier Frauen leiden einmal unter einem Scheidenpilz. Er ist an sich harmlos, führt nicht zu Unfruchtbarkeit, ist keine Geschlechtskrankheit, ist gut zu behandeln, aber unangenehm: Ein Scheidenpilz juckt fast alle Frauen einmal in ihrem Leben.

Die Candidose, wie die Pilzerkrankung medizinisch genannt wird, entsteht gern in „Feuchtgebieten“ des menschlichen Körpers – also etwa im Mundraum, im Darm und auch in der Scheide.

„In der Scheide sorgen Milchsäurebakterien für einen sauren pH-Wert. Diese so genannten Lactobazillen bieten einen natürlichen Schutz vor Infektionen“, erklärt Dr. Franz Roithmeier, Gynäkologe am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Wird das Milieu gestört und nehmen krankmachende Keime überhand, können Pilzinfektionen entstehen.

Wer aber sind nun die „Störer“? Dazu der Experte: „Die Klassiker sind Antibiotika. Sie töten nicht nur böse Bakterien, sondern auch gute wie eben die Lactobazillen. Auch Stress und starke sexuelle Aktivität können die Scheidenflora stören.“ Zu den weiteren Auslösern des Scheidenpilzes zählen Hormone. Frauen, die einen hohen Östrogenspiegel haben – zum Beispiel während der Schwangerschaft – oder eine Pille mit hohem Östrogenanteil nehmen, müssen sich oft mit der Erkrankung herumschlagen. Franz Roithmeier: „Östrogen steigert den Glykogengehalt in der Scheidenzelle, Pilze haben dann ein tolles Nahrungsangebot.“

„Drei Viertel aller Frauen haben im Lauf ihres Lebens einmal einen Scheidenpilz, 45 Prozent mehr als zweimal“, sagt der Frauenarzt. „Das Alter spielt dabei keine Rolle.“ Zu den Symptomen zählen Juckreiz in der Scheide oder auf den Schamlippen, weißer bröckeliger Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr. Dr. Roithmeier: „Mit der richtigen Therapie ist man den Scheidenpilz in durchschnittlich drei Tagen wieder los. Lässt man ihn unbehandelt, hat das zwar keine Folgen, aber man quält sich selber.“ Ausgeheilt wird der Pilz mit lokalen Zäpfchen oder Cremen. Tritt er wiederholt auf oder ist er sehr hartnäckig, werden auch Tabletten verschrieben. Eine Therapie des Partners ist nur bei wiederholten Infektionen notwendig oder wenn er selbst auch Symptome aufweist. Rund fünf Prozent der Frauen leiden unter ständig wiederkehrendem Scheidenpilz. Sie erhalten über einen längeren Zeitraum Medikamente, damit der Teufelskreis durchbrochen und die Pilzinfektion vertrieben wird.

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Hygiene hilft

Ausdrücklich warnen möchte der Gynäkologe vor Hausmitteln wie in Joghurt getränkten Tampons: „Tampons trocknen die Scheide aus. Zudem sind Bakterienstämme aus Joghurt nicht dieselben Lactobazillen, wie sie in der Scheide natürlich vorkommen.“ Auch Knoblauch oder Teebaumöl eignen sich nicht zur Behandlung – sie können Allergien und massive Hautreizungen verursachen.
Nicht nur während der Zeit der Infektion, sondern generell sollten Frauen einige Hygienemaßnahmen beachten. Handtücher, Bettwäsche, Waschlappen und Unterwäsche sollten immer bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Vermieden werden sollten synthetische Slips und Intimdeos. Und da sich Keime sehr gern in feuchten, warmen Milieus vermehren und damit eine Pilzinfektion auslösen, sollten in Saunen, Schwimmbädern und Solarien immer Badetücher untergelegt und nasse Bikinis oder Badeanzüge sofort gewechselt werden. Gar keinen Sinn machen Scheidenspülungen, um dem Pilz den Garaus zu machen oder um „hygienisch rein“ zu sein. „Jede Scheidenspülung wäscht die guten Lactobazillen weg. Damit wird aber erst recht der Weg für eine Pilzinfektion frei gemacht“, warnt Dr. Roithmeier.

Cornelia Schobesberger

Oktober 2012

Foto:Bilderbox, privat

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Kommentar

Scheidenpilz: Unangenehme Sache„Viele Antipilzmittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sollten sich mit Selbsttherapie die Beschwerden innerhalb von drei Tagen nicht bessern, muss jedenfalls die Frauenarztpraxis aufgesucht werden.“
OA Dr. Franz Roithmeier
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020