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Pfeiffersches Drüsenfieber: Kusskrankheit

Pfeiffersches Drüsenfieber_KusskrankheitOftmals können Namen verwirrend sein und einen falschen Eindruck vermitteln. So versteckt sich hinter der exotisch anmutenden Bezeichnung „Pfeiffersches Drüsenfieber“ keine unheimliche Tropenerkrankung, sondern eine relativ häufige auftretende Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.

Das Epstein-Barr-Virus und damit der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers wird hauptsächlich durch den Speichel übertragen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Michael Kleines von der Sektion für Virologie, Mikrobiologie und Sozialmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck. Zwar kann man die Krankheit in jedem Alter bekommen, aber gerade durch die Ansteckung mittels Tröpfchenübertragung können die beiden Gipfel der Neuinfektionen erklärt werden: erstens im Kleinkindalter, wenn der Eltern-Kind-Kontakt besonders eng ist. Und zweitens zur Zeit der Adoleszenz, wenn die Liebe der Verbreitung des Epstein-Barr-Virus Vorschub leistet – weshalb auch die Bezeichnung „Kissing Disease“ für das Pfeiffersche Drüsenfieber in das medizinische Vokabular Einzug gehalten hat.

„Aufgrund dieses Übertragungsweges ist eine Vorbeugung gegen die Infektion praktisch nicht möglich“, sagt Dr. Kleines und gibt damit auch den Hauptgrund an, weshalb konsequenterweise 90 bis 95 Prozent aller über 25-Jährigen die Infektion bereits durchgemacht haben. Klassische Anzeichen für eine Infektion sind: grippeähnliche Symptome, geschwollene Lymphknoten, Halsschmerzen, verschleimte Mandeln, Fieberschübe, Müdigkeit und ein allgemeines Unwohlsein.

Selten, aber doch kann es zu einem rötlichen Hautausschlag am ganzen Körper und bei Kindern zu erheblichen Bauchschmerzen kommen, was eine direkte Folge des Anschwellens von Leber und Milz sein kann. Weniger oft treten als Komplikationen des Pfeifferschen Drüsenfiebers Lungenentzündung, Gehirn- beziehungsweise Hirnhautentzündung oder Gelenksentzündung auf. In Europa signifikant weniger als etwa in Schwarzafrika oder Südostasien sind auch die Tumorerkrankungen, zu welchen das Epstein-Barr-Virus ebenfalls beitragen kann.

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Antikörper-Nachweis

„Die Infektion kann durch eine simple Blutuntersuchung nachgewiesen werden“, so Dr. Kleines. „Dabei werden Antikörper nachgewiesen, welche der Körper zur Abwehr des Epstein-Barr-Virus ausgebildet hat.“ Diese Antikörper sind altersabhängig und teilweise im Kleinkindalter nicht nachzuweisen, weshalb im Zweifelsfall ein Blutausstrich gemacht wird, bei dem unter dem Mikroskop ungewöhnliche Formen von weißen Blutkörperchen nachgewiesen werden, die typisch für eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus sind.

Trotz der enormen Häufigkeit von Neuinfektionen und des Auftretens des Pfeifferschen Drüsenfiebers gibt es keine gezielt gegen das Epstein-Barr-Virus wirkenden Medikamente: „Der Körper muss die Infektion selbst in den Griff bekommen. Man kann nur versuchen, medikamentös die Symptome zu lindern.“ Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass der Erreger lebenslang im Körper des Patienten verbleibt und immer wieder aktiv werden kann, was allerdings bei Menschen mit einem intakten Immunsystem fast nie mit einer symptomatischen Erkrankung verbunden ist. „Der Körper kann das Virus selbst wieder unter Kontrolle bringen.“

Martin Kolosz

Mai 2012

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Kommentarbild_Pfeiffersches Drüsenfieber_Dr. Kleines„Eine Vorbeugung gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber ist praktisch nicht möglich. Bei einem intakten Immunsystem bringt der Körper das Virus selbst wieder unter Kontrolle.“
Priv.-Doz. Dr. Michael Kleines
Sektion für Virologie, Mikrobiologie und Sozialmedizin, Universität Innsbruck

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020