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COPD: Bald Todesursache Nr. 1?

COPD – bald Todesursache Nr. 1?COPD ist die Todesursache mit dem schnellsten Wachstum in den fortschrittlichen Wirtschaftsländern der Welt. Das Ausmaß ist inzwischen so enorm, dass die WHO davon ausgeht, dass sie bis zum 2020 bereits die dritthäufigste Todesursache in der entwickelten Welt sein wird - also schneller zunimmt als Lungenkrebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall.

Der Begriff COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) umfasst sowohl chronische Bronchitis als auch Lungenemphysem (Lungenzerstörung). Typische Symptome sind unter anderem Kurzatmigkeit, Husten, pfeifendes Atmen und verstärkter Auswurf. Die häufigste Beschwerde ist Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung. COPD ist eine fortschreitende Krankheit, deren Beginn bereits in die Jugendjahre zurückreicht, aber jenseits dem 40. Lebensjahr auffällt und messbar wird. Viele Betroffene erleben, wie ihre Kondition sich verschlechtert, während ihre Fähigkeit (und manchmal auch ihre Motivation) zur Verrichtung alltäglicher Aktivitäten zunehmend beeinträchtigt wird.

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Umweltbelastungen

„COPD wird durch unterschiedliche toxische Stoffe oder Stoffgemische verursacht“, sagt Primar Dr. Herwig Schinko, Vorstand der Abteilung für Lungenheilkunde am AKh Linz. Das Spektrum der krankmachenden Inhalate reicht vom Tabakrauch von Zigaretten, Zigarren und Tabakpfeifen durch Selbst- oder Fremdbelastung über andere Verbrennungsprodukte wie zum Beispiel von Diesel bei Buschauffeuren und Lokführern, Schweißschmauch, Lösungsmittel und Lacke, Aluminium- und Kadmiumaerosole, Holz- und Baumwollstäube, Quarz- und Kohlestaub bis hin zu Verkehrsemissionen und landwirtschaftlichen Schadstoffen.“ Wir begegnen der chronisch obstruktiven (= verengend, verschließend) Schadstofferkrankung nicht nur bei Aktiv- und Exrauchern, sondern auch bei Nichtrauchern.

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Rauchen als Hauptursache

Rauchen ist der größte Risikofaktor für COPD; rund 85 Prozent der betroffenen Patienten, sind oder waren Raucher. Auch der deutsche Schlagersänger Roland Kaiser war dem „blauen Dunst“ leidenschaftlich verfallen und erkrankte so stark an COPD, dass er Konzerte absagen musste. Letzter Ausweg war eine Lungentransplantation.

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Preis des wirtschaftlichen Aufschwungs

Schätzungen in Europa lassen darauf schließen, dass bis zu zehn Prozent der Bevölkerung an COPD leidet. Zurzeit ist COPD die fünfthäufigste Todesursache, wobei die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) noch weiter ansteigen wird. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Krankheit die Todesursache mit der schnellsten Steigerungsrate in den fortschrittlichen Wirtschaftsländern der Welt.

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Schwellenländer

Aber auch Schwellenländer wie China sind zunehmend durch die unzureichenden Luftqualitätsmaßnahmen und steigenden Zigarettenkonsum betroffen.

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Rapide Ausbreitung

Es wird davon ausgegangen, dass COPD bis 2020 schon an dritter Stelle der Todesursachen stehen wird. Den Vorhersagen zufolge wird sie sich somit schneller ausbreiten als alle anderen Lungenkrankheiten, einschließlich Asthma und Lungenkrebs.

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Krebserkrankungen

„Was bei dieser Diskussion häufig übersehen wird, ist, dass der Zigarettenkonsum nicht nur COPD verursacht, sondern auch - wenn schon nicht als Hauptursache wie für Lungenkrebs -, so doch auch als relevante Zweitursache für Herzinfarkte, Schlaganfall, Bluthochdruck, ja selbst Diabetes mellitus verantwortlich ist“, betont Primar Schinko. Es besteht demnach nicht nur ein COPD-Zigaretten-Link, sondern auch eine Assoziation von Rauchen und Krebserkrankungen (neben Lungen-, auch Lippen, Zungen-, Kehlkopf-Karzinom und andere Krebsformen) sowie Herz-Gefäß-Kreislauferkrankungen neben anderen wie Thromboembolien oder Lungenentzündungen.

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Zu spät erkannt

Tatsächlich wird COPD aber auch Asthma von Patienten- wie Arztseite, in etwa der Hälfte der Fälle nicht früh erkannt oder auch nicht konsequent genug angegangen und entsprechend untertherapiert. Dabei spielen Wissen, Verständnis, diagnostische Verfahren und Therapietreue (wie konsequent der Patient die Behandlung einhält) eine Rolle.

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Atemnot später als bei Asthma

Primar Schinko: „Die Unterscheidung zwischen Asthma und COPD ist oft nicht beim ersten Arztbesuch möglich. Der Verlauf und das Ansprechen auf die Therapie tragen zur Differenzierung bei. Atemnot tritt bei COPD deutlich später auf als bei Asthma. Erst wenn die Atemkapazität unter 70 bis 80 Prozent der Norm abfällt, merken Raucher eine Beeinträchtigung ihrer Leistung – und das ist meist nach dem 40. Lebensjahr.“

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Patienten ignorieren Beschwerden

Auch Patienten ignorieren die ersten Beschwerden und gehen oft viel zu spät zum Haus- oder Facharzt. Husten wird als banaler Raucherhusten abgetan, obwohl er eine Beeinträchtigung der Klärfunktion der Bronchien signalisiert. Weniger Luft wird vereinfachend dem Alltag zugeschrieben. Tatsächlich ist COPD eine Art beschleunigte Lungenalterung. Frei nach dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, schieben Raucher die Ursachen-Erforschung für ihre Beschwerden auf die lange Bank, denn in letzter Konsequenz hieße es, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Verdrängungsmechanismen haben aber böse Folgen. 

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Doppelt „gestraft“

Es gibt schon klinische, alterstypische wie funktionelle Unterschiede zwischen den beiden Atemwegserkrankungen Asthma und COPD. Aber in rund einem Drittel ist eine exakte Unterscheidung nicht möglich, oder es trifft bei einem rauchenden Asthmatiker beides zu, nämlich ein rauchender Asthmatiker. „Zigarettenkonsum schränkt aber das Therapie-Ansprechen von Asthma ein“, warnt Primar. Schinko.

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Extreme seelische Belastung

COPD-Patienten eine Alleinschuld zu attestieren, ist weder dienlich noch opportun, denn die größte Last der COPD trägt der Kranke selbst. Die Krankheit beeinträchtigt die Lebensqualität enorm. Müdigkeit, häufig noch verschlimmert durch Schlafstörungen, und Atemnot können nicht nur die körperlichen Aktivitäten des Patienten stark einschränken, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Rolle des Betroffenen beeinflussen. Die auftretenden Symptome können sich auch auf emotionaler Ebene auswirken - Patienten mit ausgeprägter COPD fühlen sich oft ängstlich, hoffnungslos und depressiv.

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Prävention

Noch gibt es keine kausale Therapie der COPD, daher sind eine vorausschauende Lebensführung und ein gesunder Lebensstil die einzig wirksame Maße zur Verhinderung einer COPD – d.h. eigentliches Ziel ist eine Schadstoffminimierung. Persönlich, unmittelbar und am wirksamsten zu verwirklichen ist: kein Beginn einer Raucherkarriere. Belastungen durch berufliche Schadstoffe kann man durch Arbeitsplatzmaßnahmen, Individualschutz und bedachtes Verhalten minimieren. Gewiss fördern kann man umgekehrt eine schadstoff-bedingte COPD, wenn man als Schweißer oder Lackierer den Arbeitsschutz ignoriert und in den Arbeitspausen und privat auch noch raucht.

Elisabeth Dietz-Buchner

Februar 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020