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Schlafkrankheit: Tropisches Urlaubsmitbringsel

SchlafkrankheitUrlaubszeit – Infektionszeit? Wer eine Reise tut, kann viel erzählen. Manchmal leider auch von Krankheiten, die man sich im Urlaubsland geholt hat – wie beispielsweise die Schlafkrankheit, fachlich als Trypanosomiasis bezeichnet.

Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die nur im tropischen Afrika auftritt. Kennzeichen sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie im späteren Stadium Persönlichkeitsveränderungen, Koordinationsstörungen und Krampfanfälle. Wird die Infektion nicht behandelt, kann die Schlafkrankheit tödlich verlaufen.

Überträger

Alles geht von einer kleinen Fliege aus. Es handelt sich dabei um die Tsetse-Fliege, die Träger eines einzelligen Parasiten mit dem Namen Trypanosoma brucei ist, der die Schlafkrankheit auslöst. Die Krankheit kommt nur in Afrika vor. Den Namen hat die Fliege von ihrem Gesang beziehungsweise dem Summen des Flugapparates, mit dem sie sich verständigt.

Formen, Symptome und Behandlung

Es gibt die westafrikanische und die ostafrikanische Form der Schlafkrankheit. Sie unterscheiden sich bezüglich der Dauer der Erkrankung und der Art der Tsetse-Fliegen. Die ostafrikanische Form kann bereits beim Übergang zum zweiten Stadium tödlich verlaufen.
Durch den Stich der Tsetse-Fliege gelangen die Parasiten in die Haut des Menschen, die sich an der Einstichstelle durch eine Entzündung bemerkbar machen. Im ersten Stadium der Erkrankung schmerzt die betroffene Hautstelle und ist gerötet. Die Entzündung wird auch als Trypanosomenschanker bezeichnet. Je nach Form zeigen Infizierte nach einigen Tagen oder wenigen Wochen Symptome wie Fieberschübe, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwellungen der Lymphknoten. Diese Beschwerden sind kennzeichnend für das zweite Stadium der Erkrankung, bei dem die Erreger mittlerweile über das Lymphsystem in den Blutkreislauf gelangt sind. Im dritten Stadium erreicht die Infektion das zentrale Nervensystem, wo sie eine Entzündung des Gehirns und Rückenmarks hervorruft. Beschwerden wie Konzentrations- und Koordinationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Schlafstörungen oder Krampfanfälle machen sich bemerkbar. „Viele Betroffene liegen apathisch herum, wodurch die Krankheit ihren Namen hat“, erklärt Dr. Helmut Kratochvil vom Institut für Evolutionsbiologie der Universität Wien. Unbehandelt ist die Krankheit tödlich.
Die Behandlung erfolgt mittels Chemotherapie. Je nach Stadium der Erkrankung kommen unterschiedliche Mittel – Suramin, Pentamidin oder Melarsoprol – mit teils schweren Nebenwirkungen zum Einsatz. „Die Letalität im zweiten Stadium beträgt zehn Prozent, da hier bereits häufig irreparable Schäden vorliegen“, so der Evolutionsbiologe.

Österreichischer Beitrag zur Bekämpfung

Während man in den 1950er und 1960er Jahren davon ausging, dass die Erkrankung weitgehend ausgerottet ist, zeigten sich in den vergangenen Jahren immer mehr Fälle der Schlafkrankheit. Zur Eindämmung der Krankheit stehen mehrere Methoden zur Verfügung: Einerseits versucht man die Tsetse-Fliegen mit Lichtfallen einzufangen, andererseits kann man ihnen chemisch mit Insektenschutzmitteln zu Leibe rücken.
Einen ökologischen Weg geht man in Österreich: Die Forscher des IAEA (International Atomic Energy Agency) im Forschungszentrum Seibersdorf sterilisieren die männlichen Larven der Fliege mit radioaktiver Strahlung. Da der Gesang der Männchen etwas über deren Reproduktionsfitness („Das sind alle Eigenschaften, die den Männchen mehr Erfolg bei den Weibchen bringen wie Ausdauer beim Gesang, Schnelligkeit oder Potenz“, erklärt Kratochvil) aussagt, hat der Evolutionsbiologe ein akustisches Testverfahren entwickelt, um die Qualität der sterilen Männchen zu prüfen. Denn nur sterile Männchen werden als Puppen in die betroffenen Gebiete geschickt und anschließend im Freiland verteilt. Dort lassen sich die Weibchen mit den unfruchtbaren Männchen ein, wodurch ihre Vermehrung verhindert wird. „In Sansibar konnte dadurch die Schlafkrankheit bereits ausgerottet werden“, so Kratochvil. Das Verfahren ist allerdings sehr kostspielig und aufwändig. Ein klarer Vorteil ist die große Umweltverträglichkeit.

Wichtigster Schutz: Nicht in betroffene Länder reisen

„Die wichtigste Schutzmaßnahme ist, gar nicht in betroffene Länder zu reisen“, warnt Dr. Helmut Kratochvil. Eine Ansteckung lässt sich am besten verhindern, indem man Stiche der Tsetse-Fliege vermeidet: „Auf keinen Fall sollte man sich blau oder schwarz oder eine Kombination davon anziehen. Aus bisher noch ungeklärter Ursache werden die Fliegen von blauen Farben mit schwarzem Kontrast angezogen“, so der Wissenschafter.
Macht man dennoch Urlaub in entsprechenden afrikanischen Gebieten, sollte man lange Kleidung tragen. Beim Schlafen auf Moskitonetze nicht vergessen. Mittel gegen Insektenstiche, so genannte Repellents, sind ebenfalls empfehlenswert. „Sobald man einen Stich bemerkt, er ist durchaus schmerzhaft, soll man die Fliegen sofort abklatschen“, rät der Evolutionsbiologe. Treten nach einigen Tagen bis Wochen Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf, müssen Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen.

MMag. Birgit Koxeder

September 2010

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020