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Säureangriff: Reflux ist nicht nur für die Speiseröhre gefährlich

Säureangriff - Reflux SpeiseröhreReflux ist nicht nur für die Speiseröhre gefährlich. Bei rund einem Viertel der Bevölkerung funktioniert der Schließmechanismus beim Übergang von der Speiseröhre zum Magen nicht. Magensaft kann zurückfließen und neben Sodbrennen eine Vielzahl von Beschwerden verursachen. Nicht nur in der Speiseröhre: Auch Husten, Heiserkeit, asthmaartige Probleme und sogar ein angegriffener Zahnschmelz können Folge dieses Säureangriffs sein.

Der krankhaft gesteigerte Rückfluss von Verdauungssäften in die Speiseröhre heißt in der Medizin gastroösophagale Reflux-Krankheit und kann weit über das hinausgehen, was der Volksmund als Sodbrennen bezeichnet. „Jeder Vierte bis Fünfte leidet darunter. Da hat sich eine echte Volkskrankheit manifestiert“, weiß Dr. Werner Duller, Leiter eines Husten- und Reflux-Labors am Linzer AKH.

Die Ursache für das übermäßige Zurückschwappen des Magensaftes liegt entweder darin, dass zu viel davon produziert wird, oder an einer Fehlfunktion des Ventils, das die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre vor dem aggressiven Mageninhalt schützen soll. Bei einem Zwerchfellbruch beispielsweise können Teile des Magens in den Brustraum hinaufgesogen werden, was den Säure-Rückfluss begünstigt. Das kann etwa durch Übergewicht ausgelöst werden. Dr. Werner Duller: „Jede Lungenerkrankung, bis hin zum Schnarchen mit Atempausen, kann zu einem gesteigerten Unterdruck im Brustraum und somit zu einer Sogwirkung auf den Mageninhalt führen.“ Verstärkt wird die Reflux-Gefahr durch fettreiches Essen, viel Alkohol, Tabakrauch, Kaffee und scharfe Gewürze. Sie lassen den Mageninhalt übersäuern und besonders aggressiv werden. Das machen übrigens auch manche Medikamente.

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„Heart Burn“

Ohne Entzündung in der Speiseröhre und meist auch ohne Sodbrennen verläuft die sogenannte NERD (Non Erosive Reflux Disease), bei der oft ein hoher Reflux bis in den Rachen- und Kehlkopfbereich auftritt. Bei der entzündliche Form GERD (Gastroesophageal Erosive Reflux Disease) können Sodbrennen, aber auch Schmerzen im Bereich des Magens oder Oberbauches, ja sogar hinter dem Brustbein auftreten. Die Schmerzen ähneln manchmal den Symptomen eines Herzinfarkts, was den englischen Ausdruck „Heart Burn“ für Sodbrennen erklärt. Beim teils anlagebedingten Barrett-Syndrom kommt es sogar zu einer Veränderung der Zellstruktur.
Die Säureattacken können aber auch außerhalb der Speiseröhre gehörigen Schaden anrichten. Dr. Werner Duller: „Ein Hauptproblem ist, dass oft gar nicht an eine Reflux-Erkrankung gedacht wird.“ Heiserkeit oder Räusperzwang haben ihre Ursachen häufig im Säure-Rückfluss. Auch bei manchem chronischen Husten kann erst im Reflux-Labor der Haupttäter gefunden werden. Lungenfacharzt und Reflux-Experte Duller: „Der Säurenebel kann sogar den Zahnschmelz angreifen beziehungsweise zu einer bronchialen Überempfindlichkeit führen und damit ähnliche Beschwerden wie bei Asthma auslösen.“

Bei Verdacht auf eine Reflux-Erkrankung ist die Diagnose durch eine Speiseröhren- und Magenspiegelung immer noch erstes Mittel der Wahl. Bei unauffälligem Befund können „versteckte“ Reflux-Krankheiten ebenfalls rasch erkannt werden – etwa mit der 24-Stunden-pH-Metrie. Dabei werden mit zwei Mess-Elektroden alle paar Sekunden die Säurewerte aufgezeichnet. Dr. Werner Duller: „Das zeigt schon ein gutes Bild des Refluxmuster. Die Säuredosis wird dabei ebenfalls punktgenau aufgezeichnet.“ Vielfältiger geht es bei der sogenannten Impetanzmessung zu, bei der es auch Informationen über feste, flüssige und gasförmige Stoffe gibt. Mit der Manometrie kann der Druck in der Speiseröhre und im Schließmuskel sowie das Schluckverhalten gemessen werden. Schließlich kann mit der Videokinematographie der Schluckvorgang bis in den Magen mit Hilfe eines Kontrastmittels in Echtzeit beobachtet werden. Stellt sich heraus, dass eine Reflux-Erkrankung vorliegt, sind – neben einer meist empfehlenswerten Änderung des Lebensstils – sogenannte Protonenpumpenhemmer das absolute Mittel der Wahl. Sie vermindern die Produktion von Magensäure und sind bei richtig dosiertem Gebrauch praktisch ohne Nebenwirkungen. Ihr Einsaetz kann leider nicht in allen Fällen helfen. Manchmal hilft nur ein operativer Eingriff, bei dem dem Magen zur Stabilisierung eine Art natürlicher Manschette verpasst wird. Werner Duller: „Die Möglichkeit einer Operation muss man jedenfalls sehr kritisch prüfen. Manchmal setzt trotzdem nach einiger Zeit wieder ein Rückfluss ein.“


Säureangriff - Reflux 

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Linke Seitenlage

Das alles könnte man sich in vielen Fällen mit kleinen Änderungen im Lebenswandel ersparen. Indem man etwa auf späte und üppige Mahlzeiten verzichtet – besonders wenn sie viel Zwiebel, Alkohol oder Schokolade enthalten. Ein für den Oberkörper erhöhtes Bett bringt entgegen den Erwartungen leider oft nur wenig. Dr. Werner Duller: „Besser wäre eine linke Seitenlage. Das kommt dem Knick der Speiseröhrenmündung in den Magen als natürlicher Barriere entgegen.“

Heinz Macher
Jänner 2010


Foto: mauritius, deSign of Life, privat

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Kommentar:

Kommentarbild von OA Dr. Werner Duller zum Printartikel „Gerade bei atypischen Beschwerden ist es manchmal nicht einfach, den Reflux als Hauptursache ausfindig zu machen. Neben den modernen Diagnosemethoden ist dabei das ärztliche Gespräch sehr wichtig.“
OA Dr. Werner Duller
Abteilung für Lungenkrankheiten am AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020