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Akromegalie: Riesenwuchs

Akromegalie: RiesenwuchsDie Extremitäten sind vergrößert und die Gesichtszüge meist stark ausgeprägt – typische Symptome einer Akromegalie. Die Erkrankung ist in den meisten Fällen auf einen gutartigen Tumor in der Hirnanhangsdrüse zurückzuführen und kann im Kindesalter zum Riesenwuchs führen, wie Dr. Michael Gabriel vom AKH Linz erklärt.

Die Akromegalie wird durch eine unkontrollierte Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH), das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird, hervorgerufen. „In den meisten Fällen liegt ein gutartiger Tumor im Vorderlappen der Hypophyse vor“, erklärt Mag. Dr. Michael Gabriel, Vorstand der Abteilung Nuklearmedizin und Endokrinologie am Allgemeinen Krankenhaus Linz, die Ursache der Überproduktion. Entsteht der Tumor bereits im Kindesalter, führt dies vor Abschluss des Längenwachstums zum Riesenwuchs. Dieser wird auch als Gigantismus bezeichnet. Betroffene können Körperlängen von über zwei Metern erreichen, wobei die Körperproportionen aber weitgehend erhalten bleiben.

Symptome im Erwachsenenalter: Vergrößerte Akren

Typisch für die Akromegalie im Erwachsenenalter ist die Vergrößerung der Akren (griechisch: akron = Spitze). Damit werden die äußeren Körperteile wie Finger, Zehen, Nase, Ohren oder Kinn bezeichnet. Viele Menschen mit Akromegalie haben verbreiterte Hände und Füße. Zudem sind die Gesichtszüge oft stark ausgeprägt: Betroffene haben dicke Lippen, eine breite Nase oder einen vergrößerten Unterkiefer und manchmal auch tiefe Falten um den Mund und auf der Stirn sowie eine verdickte Gesichtshaut. „Es kann auch vorkommen, dass die Zunge vergrößert ist, was zu einer kloßigen Sprache führen kann. Auch die inneren Organe können sich überproportional vergrößern“, so der Mediziner.

Die Erkrankung kann sich aber auch durch weitere Symptome bemerkbar machen: So leiden einige der Patienten unter einer geringen körperlichen Belastungsfähigkeit sowie unter Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche. Betroffene können aber auch zu einer vermehrten Schweißbildung neigen und ein häufiges Kribbeln der Hände verspüren.

Schleichende Veränderung des Körpers

Zudem können Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Durchblutungsstörungen des Herzens und des Gehirns sowie Gelenkbeschwerden auftreten. Da der Krankheitsverlauf schleichend ist und sich der Körper nur langsam verändert, dauert es meist einige Jahre, bis die Veränderungen auffallen und die Akromegalie vom Arzt diagnostiziert wird.

Therapie: Tumor operativ entfernen

Die Behandlung zielt darauf ab, den Überschuss des Wachstumshormons zu normalisieren. „Dies kann operativ durch die Entfernung des Tumors durch die Nase und Teile der Nasennebenhöhlen, über den so genannten transsphenoidalen Zugang, erreicht werden“, weiß der Facharzt für Nuklearmedizin. Neben der Operation steht auch eine medikamentöse Therapie zur Verfügung. Dr. Michael Gabriel: „Insbesondere, wenn nach einer Operation noch hormonproduzierendes Gewebe vorhanden ist, ist eine medikamentöse Langzeittherapie erforderlich.“ So genannte Somatostatin-Analoga hemmen die unkontrollierte Ausschüttung des Wachstumshormons. Führen diese Behandlungsmaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine Strahlentherapie notwendig sein. Ziel dabei ist, die Tumorzellen durch gezielte Bestrahlung zu vernichten. Besonders wichtig ist die frühzeitige Diagnose und Therapie, da unbehandelt die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich eingeschränkt ist.

MMag. Birgit Koxeder

Mai 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020