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Morbus Parkinson

Morbus parkinson1Leonardo da Vinci, Papst Johannes Paul II, und Jassir Arafat litten darunter. Diese Erkrankung des zentralen Nervensystems wurde erstmals 1817 vom englischen Arzt James Parkinson genau beschrieben. Rund 30.000 Parkinson-Kranke leben in Österreich.

Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 60. und 70. Lebensjahr. Morbus Parkinson kann aber auch schon viel früher auftreten. Häufigste Form mit rund 75 Prozent ist das idiopathische Parkinson-Syndrom, dessen eigentliche Ursache völlig unklar ist. Als familiäre Form werden genetisch bedingte Parkinson-Erkrankungen bezeichnet, erklärt Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner, Leiter der Abteilung für Neurologie an der Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz.


Als sekundäre Formen von Morbus Parkinson gelten jene, wo Verletzungen, Entzündungen, Giftstoffe, Infektionen, Medikamente oder Stoffwechselstörungen Wegbereiter der Parkinson-Erkrankung sein dürften. Insektizide, Schwermetalle, bestimmte Antidepressiva und wiederholte traumatische Einflüsse — siehe die Boxlegende Muhammad Ali — werden unter anderem verdächtigt. Beim symptomatischen atypischen Parkinson-Syndrom gesellen sich zu den klassischen Symptomen noch so genannte Parkinson-Syndrom-Plus-Syndrome als Folge einer weiteren neurodegenerativen Erkrankung dazu. Blasenentleerungsstörungen, enorme Blutdruckschwankungen mit vorwiegend niedrigen Blutdruckwerten und verminderte Gedächtnisleistung zählen zu diesem Krankheitsbild. Studien zufolge erkranken bis zu 50 Prozent der Parkinson-Patienten auch an einer Demenz.

Die Kardinalsymptome

Eine Verlangsamung der Bewegungen – die so genannte Akinese – mit trippelndem Gang, Steifheit bis hin zur Unbeweglichkeit und bei Bewegung abnehmendes Zittern – der so genannte Tremor –, das sind die auffälligsten Krankheitszeichen. Sie können isoliert, aber auch gemeinsam auftreten. Dazu sind unter anderem auch Haltungsinstabilität, verstärkter Speichelfluss, Schwitzen, Schlafstörungen, Verstopfung, Depressionen, Sprechprobleme oder ein maskenhaftes Gesicht zu beobachten. Die Asymmetrie der Symptome, etwa das Zittern nur einer Hand, ist ein starker Hinweis auf Morbus Parkinson.

Schlüsselstelle der Krankheit ist die Substantia nigra, wo die dopaminbildenden Zellen allmählich zugrunde gehen und ein Dopaminmangel entsteht. Beim gesunden Menschen wirken bewegungshemmende und -aktivierende Botenstoffe in einem fein abgestimmten Gleichgewicht zusammen. Ist dieses gestört, entstehen die für Morbus Parkinson typischen Bewegungsmuster. Die Erkrankung verläuft jahrelang stumm. Erst wenn in der Substantia nigra 60 bis 70 Prozent der dopaminbildenden Zellen zerstört sind, treten klinische Symptome auf. Neuropathologische Befunde zeigen aber auch frühe Veränderungen in anderen Hirnarealen.

Heilung gibt es noch nicht

Stärkster Trumpf im Kampf gegen Parkinson sind derzeit L-Dopa-Präparate, oft gemeinsam mit einem COMT-Hemmer verabreicht. So gelingt es, die Dopamin-Konzentration im Gehirn wieder zu erhöhen. Weiters sind Dopamin-Agonisten verfügbar, die die Dopaminfreisetzung simulieren. Sie helfen bei jüngeren Patienten, eine L-Dopa-Medikation samt ihrer ungünstigen Langzeitfolgen um Jahre hinauszuschieben. Neu ist die Einbringung flüssiger Dopa-Substanz direkt in den Darm für einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel. Ziel ist, Selbstständigkeit und Lebensqualität des Patienten möglichst lange zu erhalten und eine Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern. Die Therapie obliegt dem erfahrenen Neurologen, so Professor Aichner. Ein gut eingestellter Parkinson-Patient ist zunächst scheinbar symptomfrei. Die medikamentöse Behandlung bleibt aber nur wenige Jahre problemlos. Allmählich lässt die Wirkung der Medikamente nach, erhebliche Nebenwirkungen treten auf. Dann sind die Therapiemöglichkeiten nur mehr sehr limitiert vorhanden.

 

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Tiefenhirnstimulation - nicht für jeden

Der Hirnschrittmacher, der über Elektroden direkt im Gehirn überaktive Bewegungsimpulse unterdrückt, ist nur für wenige der medikamentös austherapierten Patienten geeignet. Sie müssen jünger als 70 sein, ohne psychiatrische oder sonstige Begleiterkrankungen. Der Eingriff wird in Österreich nur in wenigen Zentren durchgeführt.

Dritte Säule Bewegungstherapie

Physiotherapie, Sprach-, Schluck-, Musiktherapie, Heilgymnastik, Ergotherapie — immer geht es darum, die Feinmotorik für Alltagsfähigkeiten zu trainieren. Diese Rehabilitation muss dauernde Begleitmaßnahme sein. Experimente mit dem Einpflanzen embryonaler Zellen in das Gehirn blieben unbefriedigend und auch die Erwartungen an die Stammzellentherapie sind eher zurückhaltend, so Franz Aicher. Höchste aktuelle Forschungsziele sind die Frühdiagnostik und die Entwicklung zellschützender Medikamente, die den verhängnisvollen Zelluntergang verhindern könnten. Parkinson-Selbsthilfegruppen sind in ganz Österreich aktiv und starker Rückhalt für Patienten und Angehörige. Denn die meisten Parkinsonkranken sind Kämpfer, die sich ihrem Schicksal nicht geschlagen geben.


Klaus Stecher

Juni 2007


Fotos: Bilderbox, deSign of Life, privat


Kommentar:

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner zum Printartikel „Die Parkinson-Patienten brauchen Informationen über Erkrankung, Therapiechancen und Prognose. Darauf können sie ihre Lebensplanung bauen, zumal sie mit zunehmender Beeinträchtigung rechnen müssen. Die in der Vergangenheit immer wieder erreichten Fortschritte in der Parkinsonbehandlung sollten auch für die Zukunft ermutigen.“
Univ.-Prof. Dr. Franz Aichner
Leiter der Abteilung für Neurologie, Wagner-Jauregg-KH, Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020