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Eierstockzysten: Häufig harmlos

Eierstockzysten: Häufig harmlosEs gibt nicht die eine Eierstockzyste, sondern eine Vielzahl verschiedener Formen. Die beruhigende Nachricht: Die meisten von ihnen sind harmlos.

Der Eierstock ist durch seine Funktion ständig strukturellen Wechseln unterworfen und verfügt über verschiedene Zellarten“, sagt Univ.-Prof. Dr. Jörg Keckstein, Primarius der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Villach. Das begünstige die Entstehung von Zysten und Wucherungen.

Der Arzt unterscheidet zwischen funktionellen Zysten und Neubildungen. Funktionelle Zysten, wie zum Beispiel die Follikelzyste, entstehen durch die ganz normale Funktion des Eierstocks und sind ungefährlich. Alle Frauen im gebärfähigen Alter können betroffen sein. Jeden Monat reift eine Eizelle in einem Follikel heran, der beim Eisprung zerplatzt. Bleibt der Eisprung aus, platzt auch der Follikel nicht. Wenn er weiter Flüssigkeit produziert, entwickelt er sich zu einer Follikelzyste.

Keine Symptome

„Follikelzysten entstehen häufig“, sagt Professor Keckstein. In den meisten Fällen lösen sie sich von selbst wieder auf. So können sich solche Zysten entwickeln, ohne jemals bemerkt zu werden. Denn Symptome gibt es keine. Die kleinen Bläschen spürt und sieht man nicht. Erst ab einer gewissen Größe sind sie auf dem Ultraschallbild erkennbar. Sie fallen meist durch Zufall bei einer Routineuntersuchung auf. Die Therapie heißt in diesem Fall: beobachten und abwarten. Jörg Keckstein: „Mit einer Hormonbehandlung kann man die Bildung der funktionalen Zysten zwar beeinflussen und deren Entstehung verhindern, sie jedoch nicht gänzlich beseitigen.“ Ähnliches gilt für Gelbkörperzysten: Sie können während des Menstruationszyklus oder während der Schwangerschaft entstehen und sich wieder zurückbilden.

Aber auch Neubildungen auf den Eierstöcken sind meist harmlos, verschwinden allerdings nicht von selbst. Kleinere Zysten werden mittels Knopflochchirurgie entfernt, bei größeren Exemplaren entscheidet sich der Chirurg jedoch für den Bauchschnitt. „Daher wartet man nicht, bis sie riesengroß sind“, sagt Professor Keckstein.

Gutartige Wucherung

Eine große Zyste kann sich bei körperlicher Aktivität auch um die eigene Achse drehen. Durch diese Stieldrehung blockiert sie die zuführenden Blutgefäße des Eierstockes, der dadurch absterben kann. Die Zellwucherungen fallen ebenfalls in den seltensten Fällen auf. Symptome kommen erst, wenn die Zyste schon sehr groß ist und auf andere Organe drückt oder wenn die Eierstöcke verwachsen sind und durch die geringe Beweglichkeit Druck erzeugen. Aber nicht nur Probleme im Unterbauch, auch Kreuzschmerzen, Verdauungsstörungen oder Probleme beim Harnlassen sowie unregelmäßige Blutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auf eine Zyste hinweisen. Eine Form der gutartigen Wucherung ist das sogenannte Teratom, eine Flüssigkeitsansammlung mit Haaren, Talg und anderen Gewebeteilen. „Es ist quasi ein verkappter Zwilling“, sagt Dr. Jörg Keckstein. Unangenehm, aber nicht lebensbedrohend ist die sogenannte Schokoladenzyste. Ihren freundlichen Namen verdankt sie der schokoladenartigen Verfärbung ihres Inhaltes, der aus Blut besteht. Sie wird auch Endometriosezyste genannt, weil sie durch die Versprengung von Gebärmutterschleimhaut in die Eierstöcke entsteht. Durch die Aufdehnung verändert sich das gesunde Gewebe, der Eierstock kann dadurch zerstört werden. Um festzustellen, ob es sich um eine gutartige Wucherung oder um ein Krebsgeschwür handelt, braucht man Laborwerte. „Ich lasse in einem solchen Fall die Blutsenkung und zwei verschiedene Tumormarker ermitteln“, erklärt Professor Keckstein. Ein unauffälliger Laborbefund sei zwar kein hundertprozentiger Beleg für die Gutartigkeit, aber die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch. Bei einem auffälligen Laborbefund sollte sofort operiert werden, empfiehlt der Arzt. Denn die Fünf-JahreÜberlebensrate bei einem bösartigen Eierstocktumor beträgt im ersten Stadium 76 Prozent, in späteren Stadien sinkt sie unter zehn Prozent. Der Eierstockkrebs steht an der sechsten Stelle der Häufigkeit bei den Tumoren der Frau. Rund 15 von 100.000 Frauen sind davon betroffen – die meisten sind über 60 Jahre alt. Bekannte Risikofaktoren sind Unfruchtbarkeit oder Kinderlosigkeit sowie ein frühes Eintreten der Menstruation beziehungsweise ein später Beginn des Wechsels. Früherkennung Gefährliche Zysten kommen glücklicherweise selten vor. Ein großes Problem ist ihre Früherkennung. Denn anders als beim Gebärmutterhalskrebs, der durch einen Abstrich festgestellt werden kann, gibt es hier keine Tests. Damit man die Zyste auf dem Ultraschallbild erkennen kann, muss sie schon eine gewisse Größe erreicht haben. Daher empfiehlt der Experte eine regelmäßige Kontrolle einmal im Jahr.

Monika Unegg

Juli 2011

Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Eierstockzysten: Häufig harmlos Kommentarfoto„Eierstockzysten können nur durch Ultraschalluntersuchungen entdeckt werden. Die meisten Formen sind gutartig. Bei bösartigen Zysten sind die Heilungschancen nur bei Früherkennung sehr groß.“
Univ.-Prof. Dr. Jörg Keckstein
Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Villach

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020