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Hepatitis B und C, die stillen Killer

Hepatitis B und C, die stillen KillerHepatitis-B und C werden auch als die stillen Killer bezeichnet, denn die Erkrankung kann nach vielen Jahren beschwerdefrei zur Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Auch in Österreich ist diese Erkrankung auf dem Vormarsch. Rund 130.000 Menschen dürften betroffen sein. Eine rechtzeitige Diagnose ist deshalb lebenswichtig.

Die Leber ist das wichtigste Organ für den Abbau stoffwechseleigener und stoffwechselfremder Substanzen. Alle in den Körper aufgenommenen Nahrungsbestandteile durchlaufen die Leber und werden in körpereigene Stoffe umgebaut. Daneben nimmt sie zentrale Aufgaben im Rahmen der Aufnahme und Verwertung von Nahrungsbestandteilen ein, sorgt für die Bereitstellung lebenswichtiger Eiweißstoffe und greift regulierend in das Immunsystem und in die Hormone ein. Sie produziert und speichert lebenswichtige Glukose. Diese muss immer - auch ohne Nahrungsaufnahme – vorhanden sein, um das glukoseabhängige Hirn, die Erythrozyten und die Nebennierenrinde zu versorgen.

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Wichtige Schaltstelle

Obwohl nur etwa 1500 bis 2000 Gramm schwer, wird die Leber von 28 Prozent des Blutflusses durchströmt und verbraucht etwa 20 Prozent des gesamten Körpersauerstoffes. Die Leber ist also eine ganz wichtige Schaltstelle in unserem Körper und ohne sie könnten wir keine Stunde leben.

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Vom Guten zu viel

„Oft erkrankt unsere Leber und wir wissen nichts davon“, sagt der Internist und Hepatologe Dr. Rainer Hubmann. „Die Zahl der Menschen, die übergewichtig sind, steigt und damit jene, die an einer Fettleber leiden. Sie entsteht durch falsche Ernährung, zu fettes Essen, zu viel Alkohol, aber auch durch Störungen des Stoffwechsels im Rahmen einer Diabetes oder durch Übergewicht.“

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Häufigste Viruserkrankung weltweit

Die Infektionskrankheiten Hepatitis B und C zählen zu den häufigsten Viruserkrankungen weltweit. Insgesamt gibt es fünf verschiedene virale Hepa-Infektionen: von A bis E. An einer chronischen Virushepatitis leidet weltweit bereits jeder zwölfte Mensch.

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Betroffene in Österreich

In Österreich sind laut Hepatitishilfe Österreich 42.000 Menschen Hepatitis-B- und 80.000 Hepatitis-C-Träger (0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung). Als Folge der steigenden Hepatitis-C-Infektionen ist auch in Österreich die Verbreitung des Leberkarzinoms keine Seltenheit mehr. In der westlichen Welt stellt die chronische Viruserkrankung Hepatitis C und die damit assoziierte Leberzirrhose die meiste Ursache für eine Transplantation dar.

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Infizierung übers Blut

Die Ansteckung mit Hepatitis C erfolgt über infiziertes Blut. Das Risiko, über sexuellen Kontakt an ihr zu erkranken ist, im Gegensatz zur Hepatitis B, eher gering. Dies ist aber auch von den jeweiligen Sexualpraktiken abhängig. Bei nahezu einem Drittel der Hepatitis-C-Patienten kann die Ursache nicht herausgefunden werden.

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Glück im Unglück

Hepatitis-C wird meist per Zufall entdeckt, etwa im Rahmen einer Blutspende. Glück im Unglück habe jene, die nach einer Inkubationszeit von zwei Wochen bis sechs Monate eine akute Hepatitis C entwickeln. Dr. Hubmann: „Wenn die Hepatitis C in einem frühen Stadium entdeckt wird, kommt es in 90 Prozent der Fälle zur Ausheilung.“

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Chronischer Verlauf

Bei 85 Prozent der Hepatitis-C-Infizierten nimmt die Krankheit einen chronischen Verlauf, bei dem die HC-Viren weiter im Blut und in der Leber nachweisbar bleiben. 25 Prozent der Betroffenen haben damit keinerlei Problem, sie können aber andere Menschen über Blutkontakt anstecken.

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Risiko-Gruppen Hepatitis C

  • Drogenkranke, die ihr Suchtmittel spritzen.
  • Organ-Empfänger
  • Unsterile Piercings und Tätowierungen
  • Medizinische Berufsgruppen, die mit infektiösem Blut oder Blutprodukten in Kontakt kommen.
  • Neugeborene von infizierten Müttern.
  • Patienten, die vor 1992 Blutprodukte erhalten haben, z. B. bei einer Bluttransfusion oder einer Dialyse. Mittlerweile ist dieser Ansteckungsweg durch Tests weitgehend ausgeschlossen.


Auch die Abgabe von sterilen Spritzen an Drogenkranke ist eine Hepatitis-C-Prävention.

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Symptome

Anzeichen der Hepatitis C können im ersten Stadium unter anderem sein: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, eine Aversion gegen bestimmte Lebensmittel, Muskel- und Gelenksschmerzen. Etwa 30 Prozent der Patienten zeigen in der nächsten Krankheitsphase weitere Symptome wie Gelbfärbung der Haut, Juckreiz und Schmerzen im Oberbauch.

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Hepatitis B

Durch die stetige Zuwanderung aus den osteuropäischen Ländern und Südostasien hat auch die chronische Viruserkrankung Hepatitis B in Mitteleuropa zugenommen. In Österreich werden seit 1998 alle Neugeborenen gegen Hepatitis B geimpft, Neuinfektionen sind bei Kindern praktisch ausgeschlossen. „Bei konsequenter Durchimpfung aller Menschen könnte die Hepatitis B wie die Pocken weltweit ausgerottet werden“, betont Hubmann. Hepatitis B ist hundert Mal ansteckender als HIV. Die Übertragung läuft über den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel, Urin, Sperma, Blut.

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Therapiefortschritt

„In den letzten Jahren hat es etliche Verbesserungen in der Behandlung bei chronischer Hepatitis B gegeben. Heutzutage stehen eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, mit denen wir die Vermehrung des Virus effektiv hemmen und damit das Fortschreiten der Lebererkrankung Einhalt gebieten können“, so Dr. Hubmann.
Je länger aber eine Lebererkrankung unentdeckt bleibt, desto größer ist das Risiko an einer Folgeerkrankung wie Leberzirrhose oder Leberkrebs zu erkranken. Auch eine milde Erhöhung der Leberwerte, die früher gerne auf Alkoholkonsum oder schlechte Ernährung zurückgeführt wurden, kann auch eine Virushepatitis zugrunde liegen.

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Risikogruppen

  • Menschen mit häufigem Partnerwechsel und ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
  • Reisende in Länder mit hohem Durchseuchungsgrad der Bevölkerung. Gefahrenregionen sind etwa Südostasien, afrikanische Länder südlich der Sahara, Amazonas-Region.
  • Drogenkranke, die sich Suchtgifte spritzen.
  • Personen in medizinischen Berufen, die häufig mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Berührung kommen.
  • Neugeborene, deren Mutter mit Hepatitis B infiziert ist


Die Anzeichen sind ähnlich wie bei der Hepatitis C, auch die chronische Leberentzündung und daraus resultierende Folgekrankheiten wie Leberzirrhose und Leberkrebs sind möglich.

Elisabeth Dietz-Buchner

Februar 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020