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Nagelbettentzündung: Winzige Verletzungen

Nagelbettentzündung: Winzige VerletzungenWer eine schmerzhafte Nagelbettentzündung vermeiden will, sollte auch – und seien es noch so kleine – Verletzungen an Finger- und Zehennägeln vermeiden. Schon ein winziger Riss in der Nagelhaut reicht aus, damit Keime eindringen und eine Infektion auslösen können.

Die Nagelplatte wird von einer Hautfalte, dem sogenannten Nagelfalz, begrenzt. „Das Nagelhäutchen dichtet den Raum zwischen dem Nagelfalz und der Nagelplatte ab. Entzündungen in diesem Bereich werden als Nagelbettentzündungen bezeichnet“, erklärt Dr. Christine Scheurecker, Oberärztin an der Abteilung für Dermatologie am AKh Linz. Verletzungen im Bereich des Nagelbetts können sehr leicht entstehen. Es reicht, sich bei der Maniküre zu schneiden, die Nagelhaut mit einem Kuli zurückzuschieben, sich einen Rosendorn bei der Gartenarbeit einzuziehen, die Fingernägel abzubeißen oder an der Nagelhaut zu „kletzeln“. „Auch eingewachsene Nägel können den Nagelfalz verletzen“, so die Dermatologin. Die häufige Durchfeuchtung der Haut und die Anwendung von Chemikalien wie etwa im Friseur- oder Reinigungsberuf schädigen die Hautbarriere und können somit Eintrittspforten für Keime, zumeist Staphylokokken und Candida, schaffen.

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Paronychie

Aufgrund dieser kleinen Verletzungen können Keime durch die nun nicht mehr so dichte Hautbarriere in den Finger oder Zeh kommen und eine Nagelbettentzündung, medizinisch Paronychie, herbeiführen.

Wie aber weiß man, ob man eine Nagelbettentzündung hat? Dr. Christine Scheurecker: „An der betroffenen Stelle tritt zunächst eine Rötung auf. In der akuten Phase schwillt die Stelle an, beginnt richtiggehend zu klopfen und kann sehr schmerzhaft sein.“ Einen Arzt sollte man bereits bei Vorliegen einer Rötung aufsuchen. „Allerhöchste Zeit ist es, wenn man pochende Schmerzen verspürt und man eventuell sogar Fieber bekommt.“ Ignoriert man sämtliche Anzeichen, kann das böse Folgen haben: „Durch eine chronische Entzündung kann es zu einer Wachstumsstörung der Nägel kommen. Das heißt, sie wachsen langsamer, sind nicht mehr glatt und können sich verformen. Im schlimmsten Fall kann die Entzündung Rotlauf und eine Eiterung der Knochen verursachen“, warnt die Hautärztin.

Geheilt wird die akute Paronychie mit Antibiotika, antiseptischen Salbenverbänden sowie antiseptischen Finger- oder Fußbädern. Ist die Schwellung stark ausgeprägt und die Haut im Nagelbettbereich gespannt, muss eventuell sogar eine Inzision, also ein Einschnitt, durch den Arzt erfolgen, damit der darunter angesammelte Eiter abfließen kann. Besonders aufpassen müssen Diabetiker. „Sie sind prinzipiell anfälliger für Wundinfekte und für spezielle Keime“, erklärt Dr. Scheurecker. „Diabetiker haben oft Sensibilitätsstörungen und somit eine geringere Schmerzempfindlichkeit. Oft gehen sie sozusagen wie auf Watte und spüren daher nicht, dass sie sich verletzt haben, der Nagel einwächst oder sich eine lokale Entzündung ankündigt. Auch leiden Diabetiker häufig zusätzlich an Durchblutungsstörungen, sodass die Wunden noch schlechter heilen.“ Die Medizinerin rät daher Diabetikern unbedingt, sich täglich die Füße anzusehen – notfalls mit einem Spiegel – und eine Fußpflegerin mit einer Zusatzausbildung für die Versorgung diabetischer Füße aufzusuchen. Kann einer Nagelbettentzündung vorgebeugt werden? „Natürlich. Eingewachsene Nägel können operativ saniert werden. Zudem sollte die Nagelhaut immer intakt sein, Hautveränderungen wie Warzen am Nagelfalz sollten immer behandelt werden und Mani- sowie Pediküre sollten immer vorsichtig durchgeführt werden. „Bei Arbeiten mit Verletzungsrisiko empfiehlt sich das Tragen von Schutzhandschuhen“, empfiehlt die Oberärztin. Und – auch wenn es oft schwerfällt – das Kauen und Beißen an den Fingernägeln und Nagelfalzen sollte man auch sein lassen.

Cornelia Schobesberger

Februar 2012

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Kommentarbild Nagelbettentzündung: Dr. Scheurecker„Eine Nagelbettentzündung kann sehr schmerzhaft verlaufen. Unbehandelt kann sich die Infektion ausbreiten. Betroffene sollten daher bei den ersten Anzeichen einen Arzt aufsuchen.“
Dr. Christine Scheurecker
Oberärztin an der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am AKh Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020