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Nebenhöhlenentzündung: Problem der „Langnasen“

Problem der LangnasenOft führen enge Verhältnisse zu Nebenhöhlenentzündungen. Meist fängt es mit einem banalen Schnupfen an. Entwickelt sich daraus eine Nasenneben-höhlenentzündung, kann es ohne Behandlung zu gefährlichen Folgewirkungen kommen. Betroffen sind vor allem Menschen mit anatomisch engen Verhältnissen im Nasenraum. Wildes Schnäuzen ist für sie Gift.

Die Nasennebenhöhlen liegen neben, hinter und über der Nase und sind Hohlräume im Gesichtsknochen, die vor allem der Gewichtsreduktion des Schädels dienen. Stirnhöhle, Kieferhöhle, Keilbeinhöhle und Siebbeinzellen sind alle mit dem Nasengang verbunden und wie er mit Schleimhaut ausgekleidet. Normalerweise sind diese Hohlräume steril. Ein ausgeklügeltes System sorgt unter anderem mit Hilfe von Flimmerzellen für die sogenannte Clearance, also die Säuberung. Eindringende Fremdkörper – und damit auch Krankheitserreger – werden wie auf einem Förderband wieder in den Nasengang oder in den Rachen befördert.

Die Probleme beginnen, wenn die Öffnungen zum Nasengang, die sogenannten Ostien, durch eine angeschwollene Schleimhaut verlegt werden. Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl von der Wiener Universitätsklinik für Hals-, Nasen, und Ohrenkrankheiten: „Eigentlich ist das Entstehen einer Entzündung in den Nasennebenhöhlen schon eine Komplikation.“ Durch den Verschluss wird das empfindliche Clearance-System gestört und das in den Nasennebenhöhlen gebildete Sekret kann nicht mehr abfließen. Der Schleimrückstau verdickt sich und verklebt die Flimmerhärchen, wodurch die Selbstreinigungskraft zusätzlich herabgesetzt wird. Nun können sich Krankheitserreger rasch vermehren. Auch das Bindegewebe unter der Schleimhaut entzündet sich, wodurch die Verbindung zur Nase weiter geschlossen wird. Ein teuflischer Kreislauf ist in Gang gesetzt. Spätestens jetzt ist ärztliche Hilfe dringend nötig. Kopf- und Gesichtsschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit sowie ein unangenehmes Druckgefühl, das sich beim Vorneüberbeugen verstärkt, sind gängige Symptome, die einen ohnehin zum Arzt treiben.

Die Nasennebenhöhlenentzündung ist ein klassisches Einsatzgebiet für Antibiotika. Professor Grasl: „Die Schleimhaut schafft vieles, aber nicht alles. Wenn bereits dicker, grüner Eiter fließt, gibt es zum Breitbandantibiotikum eigentlich keine Alternative.“ Unbehandelt kann die Entzündung durch die dünnen Knochenwände durchbrechen. Die Augen können dann beispielsweise genauso angegriffen werden wie die Gehirnhaut.

Zur Therapie einer Sinusitis gehören auch Nasentropfen oder Ephedrin-Einlagen, die die Schwellung abklingen lassen und den Abfluss wieder in Gang bringen sollen. Wird die Entzündung nicht von Schnupfenviren, sondern durch eine allergische Reaktion ausgelöst, müssen natürlich auch Antihistaminika eingesetzt werden. Sogenannte Sekretolytika helfen, den Schleim zu verflüssigen und zu lösen. Die Patienten können das unterstützen, indem sie viel trinken und für eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen – allerdings nicht mit den von Medizinern sehr kritisch beurteilten Befeuchtungsapparaten.

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Wärme schadet

Wärme, etwa in Form einer Infrarotlampe, ist nicht zu empfehlen. Univ.-Prof. Grasl: „In der akuten Phase heizt Wärme die Entzündung zusätzlich an. Wenn der Patient kein Fieber hat, wäre es besser, an die frische Luft zu gehen.“ Neben Wärme ist auch heftiges Schnäuzen Gift für die Nasennebenhöhlen. Matthäus Grasl: „Dabei wird ein unphysiologisch hoher Druck erzeugt, der das Eindringen von Krankheitserregern in die Nasennebenhöhlen begünstigt.“ In anderen Kulturkreisen, etwa in vielen Regionen Asiens, ist das kein Problem. Dort gilt Schnäuzen ohnehin als extrem unfein.

Asiaten und Afrikaner sind auch anatomisch im Vorteil. Ihre Nasen sind kürzer, breiter und bieten weniger anatomische Hindernisse. So ist es auch kein Wunder, dass die Sinusitis vor allem eine Krankheit der „Langnasen“ ist. Wer immer wieder an einer Nebenhöhlenentzündung leidet, sollte die Gründe dafür von Spezialisten abklären lassen. In vielen Fällen schafft erst ein operativer Eingriff endgültig Abhilfe.

Heinz Macher

Jänner 2009

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl zum Printartikel „Schnäuzen, vor allem wenn beide Nasenlöcher gleichzeitig zugehalten werden, schafft unphysiologische Druckverhältnisse. Dadurch können Krankheitserreger in die Nasennebenhöhlen gepresst werden.“
Univ.-Prof. Dr. Matthäus Grasl
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020