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Latexallergie: Krank durch Schutz

Latexallergie – Krank durch SchutzViele Berufstätige sind bei ihrer Arbeit auf geschützte Hände angewiesen. Die Zahl der Stoffe, die allergische Reaktionen hervorrufen steigt ständig, seien es Putz-, Desinfektionsmittel oder ähnliches. Besonders medizinisches Personal, Friseure und Reinigungskräfte sind davon betroffen. Was aber wenn gerade dieser Schutz die Haut der Hände krank macht, wenn gerade Schutzhandschuhe zu allergischen Reaktionen führen? Vermeidung des allergenen Stoffes ist die einzige Lösung.

Dass Einweg-Handschuhe aus Latex (Naturkautschuk) zu allergischen Reaktionen führen können, ist schon länger bekannt. Auslöser sind die Proteine im Kautschuk, der aus dem milchigen Saft des Kautschukbaums gewonnen wird. Besonders betroffen sind Angehörige der medizinischen Berufe. „In vielen Produkten mit denen wir alle täglich in Kontakt kommen lauert für Latex-Allergiker die Gefahr einer allergischen Reaktion unterschiedlicher Intensität bis hin zu einem schweren asthmatischen Anfalls“, stellt Dr. Johannes Neuhofer, Hautarzt in Linz fest.

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Symptome

Eine Latexallergie kann vielfältige Symptome zeigen: Das reicht von Bläschenbildung über Juckreiz bis zu nässenden Hautstellen an den Kontaktstellen zwischen dem Allergen und der Haut – besonders zwischen den Fingern. Werden gepuderte Latex-Handschuhe verwendet, die nicht atmungsaktiv sind, kann es zu Hautentzündungen kommen, die allerdings nicht allergisch bedingt sind. Allerdings wird eine große Zahl von allergieauslösenden Partikeln von gepuderten Latex-Handschuhen freigesetzt. Der Puder verbreitet sich in der Raumluft und sensibilisiert die Atemwege. Bei neuerlichem Kontakt mit dem Allergen treten dann allergisch-entzündliche Reaktionen der Schleimhäute auf: Juckreiz, Ausschläge, Schnupfen und Asthma können die Folge sein.
Auch Kreuzallergien sind nicht selten. Dabei erkennt der Körper allergieauslösende Stoffe auch in anderen Substanzen und löst Symptome wie bei der ursprünglichen Allergie aus. Bei Latex-Allergikern richten sich Kreuzallergien vor allem gegen (sub)tropische Früchte wie Bananen und Avocados.

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Latex im Alltag

In vielen Produkten des täglichen Lebens ist Latex enthalten. Sie stellen für Allergiker eine Gefahrenquelle dar. Dazu gehören unter anderem:

  • Haushaltshandschuhe
  • Pflaster, elastische Binden, Kondome
  • Gummiringe, Radiergummi etc.
  • Handwerkskleber
  • Badekappen, Badeschuhe, Schwimmbrillen
  • Teppichunterlagen, Turnmatten
  • Auto- und Fahrradreifen
  • medizinische Geräte wie etwa Beatmungsmasken, Sprizten, Katheter
  • Luftballons, Squashbälle
  • sogar Kaugummi

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Maßnahmen für Allergiker

Gegen eine Latexallergie hilft derzeit nur die Vermeidung der allergenen Materialien. Mittlerweile gibt es schon latexfreie Gummihandschuhe – sowohl sterile als auch nicht sterile. Eine Immuntherapie steht bisher noch nicht zur Verfügung.

  • Gering belastete Patienten werden sich in der Regel durch Vermeidung des Latex-Kontakts schützen können, bei Bedarf sind Antihistaminika angezeigt. Eine Verschlechterung der Allergie bei weiterer Latex-Exposition kann allerdings nicht ausgeschlossen werden.
  • Stark sensible Menschen können jedoch auch trotz eingenommener Medikamente in eine Umgebung, in der Latex-Produkte in Umlauf sind, erhebliche allergische Probleme erleiden. Einzige Abhilfe bringt in diesen Fällen, die berufliche Exposition zu beenden oder so gering wie möglich zu halten – zum Beispiel selbst latexfreie und ungepuderte Handschuhe zu verwenden und Kollegen zu bitten, ebensolche Produkte zu verwenden.
  • Auf keinen Fall sollten Latex-Allergiker unvorbereitet Kliniken und Arztpraxen aufsuchen. Auf die Allergie sollte das Personal der ärztlichen Einrichtungen wiederholt hingewiesen werden. Auch Zahnärzte sind auf eine vorliegende Latex-Allergie hinzuweisen.
  • In manchen Fällen wird es notwendig sein, den Beruf oder den Arbeitsplatz zu wechseln.
  • Ein Allergiepass ist jedenfalls hilfreich (besonders bei bewusstlosen Patienten nach z. B. Unfällen)
  • Hochgradig sensible Patienten profitieren davon, sich selbst ein latexfreies Notfallset für Unfälle anzuschaffen. Derzeit verfügen Notärzte noch nicht über eine latexfreie Ausrüstung.


An Medikamenten für Allergiker kommen Antihistaminika, Kortinson-Präparate, abschwellende Nasentropen und ähnliche Produkte zum Einsatz.

Mag. Christian Boukal
Dezember 2012


Foto: WIKIPEDIA, Magnus Manske

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020