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Landkarten- und Faltenzunge

Landkarten- und FaltenzungeHinter den Begriffen „Landkarten- und Faltenzunge“ verbergen sich an sich harmlose Veränderungen der Zungenoberfläche. Während Betroffene der „lingua geographica“ rote, belagfreie Herde auf der Zunge haben, die einer Landkarte gleichen, kann bei der „lingua plicata“ eine Längsfurche auf der Zunge beobachtet werden. Wie es dazu kommt, ist bei beiden Erscheinungen noch nicht geklärt, verrät Dr. Daisy Kopera von der Medizinischen Universität Graz.

Die Landkartenzunge, auch als „lingua geographica“ bezeichnet, ist eine nicht schmerzhafte Veränderung der Zunge. Genau genommen handelt es sich um „eine harmlose Abschilferung des Zungenepithels mit ungeklärter Ursache“, wie Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera, Fachärztin für Dermatologie an der Medizinischen Universität Graz, erklärt. Dem Aussehen nach gleicht die Zunge einer Landkarte, deren Muster sich kurioserweise alle paar Tage verändert. Verantwortlich für dieses Erscheinungsbild ist eine Umgestaltung der Zungenschleimhaut: An den betroffenen Stellen gehen die so genannten filiformen Papillen verloren, was man auch als Abschilferung bezeichnet. Die dadurch entstehenden hellroten Flecken sind meist von einem weißlich gelben Rand umgeben. Es handelt sich dabei um eine Zone mit normalem Zungenepithel. Häufig sind Kinder und Jugendliche von einer Landkartenzunge betroffen.

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Symptom: Geschmackssteigerung

„Die Größe der Herde variiert, sie erreichen aber meist maximal einen Zentimeter Ausdehnung“, so Kopera. Die meisten Betroffenen haben nicht mehr als fünf Herde, wobei diese ständig Form und Größe verändern können. Sie können aber auch zusammenfließen oder gänzlich verschwinden. Durch diese Eigenschaften spricht man auch von „Wanderplaques“. Die Größenveränderungen geschehen meistens innerhalb von einigen Tagen.
Da bei einer Landkartenzunge die Geschmacksknospen auf der Zunge freigelegt werden, kann es zu einer Steigerung der sensorischen Geschmacksqualitäten kommen. Dies wiederum macht die Zunge besonders empfindlich gegenüber sauren oder stark gewürzten Speisen. Viele Betroffene leiden dann unter einem Brennen der Zunge. Gemeinsam mit den sichtbaren Veränderungen der Zunge suchen viele deshalb einen Arzt auf.

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Ursachen unbekannt

Warum jemand eine „lingua geographica“ bekommt, weiß man bisher noch nicht. Man vermutet, dass Betroffene eine genetisch bedingte Neigung dafür haben, da auch ein familiär gehäuftes Auftreten bei einigen Patienten beobachtet werden konnte.
Kopera: „Da die Landkartenzunge völlig harmlos ist, ist eine Therapie in den meisten Fällen nicht notwendig.“ Wichtig ist, dass Betroffene stark gewürzte oder scharfe Speisen meiden. Darüber hinaus kann Salbei-Eibischtee oder eine handelsübliche, sanfte Mundlösung für lindernde Spülungen des Mundes verwendet werden. Bei regelmäßiger Anwendung können sich die Veränderungen auf der Zunge bessern. „In manchen Fällen hat auch die tägliche Gabe von Vitamin C zur Besserung der Symptome geführt“, ergänzt die Ärztin. Eine völlige Abheilung lässt sich jedoch nur selten erzielen. Gelegentlich verschwindet eine Landkartenzunge spontan von selbst wieder.

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Gehäuftes Auftreten mit Faltenzunge

Die Landkartenzunge tritt manchmal gemeinsam mit einer so genannten Faltenzunge („lingua plicata“) auf. Dabei handelt es sich um eine Längsfurche, die entlang der Mitte der Zungenoberfläche verläuft. Von dieser Längsfurche aus können Querfurchen zur Seite abzweigen. Ähnlich wie bei der Landkartenzunge bereitet auch die Faltenzunge in der Regel kaum Beschwerden. Deshalb ist häufig auch keine Therapie notwendig. „Die Ursache ist ebenfalls noch nicht geklärt. Man beobachtet jedoch ein gehäuftes Auftreten bei Rauchern“, so die Dermatologin.

MMag. Birgit Koxeder

Dezember 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015