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Zeckenbiss: Gefährlicher roter Fleck

FG 2_08_Gefährlicher roter FleckDie Lyme-Borreliose als medizinisches Chamäleon. Wenn sich nach dem Biss oder eigentlich Stich einer Zecke ein größer werdender roter Fleck bildet, sollte sich das ein Arzt genauer ansehen. Es besteht der Verdacht auf Lyme-Borreliose.


Anders als bei FSME gibt es dagegen keine Impfung. Dafür wirken Antibiotika sehr gut — vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig eingesetzt. Zecken benötigen Blutmahlzeiten, um sich entwickeln zu können. Das ist das Pech des Menschen. Denn vor allem der bis zu vier Millimeter große Holzbock kann neben den FSME-Viren auch die Erreger der Lyme-Borreliose übertragen. Ausgelöst wird die Krankheit von Spirochäten, schraubenförmigen Bakterien, die im Darm der Schildzecken wohnen.


In Mitteleuropa sind etwas mehr als 20 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Jedoch nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt an Borreliose. Univ.-Prof. Dr. Gerold Stanek, Leiter der Abteilung Infektionsimmunologie des klinischen Instituts für Hygiene und medizinische Mikrobiologie an der Universität Wien: „Wir haben festgestellt, dass die Übertragungswahrscheinlichkeit nach 24 Stunden am höchsten ist. In Einzelfällen waren allerdings bereits sechs Stunden Saugzeit genug, um eine Borrelien-Infektion auszulösen.“

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Chronische Entzündungen

Hat eine Infektion stattgefunden, so kann sich eine Krankheit mit einer verwirrenden Vielfalt an recht unterschiedlichen Symptomen ausbilden. Verlässlichstes Indiz für die Krankheit ist ein wachsender runder Fleck, Erythema migrans, der sich etwa eine Woche nach dem Zeckenstich zeigt. Professor Gerold Stanek: „Bei rund 60 Prozent der Infizierten bleibt der rote Fleck die einzige Manifestation der Krankheit. In diesem Stadium lässt sich die Lyme-Borreliose mit Antibiotika sehr gut behandeln.“

Auch ohne Behandlung kann der rote Fleck wieder abheilen. Das muss aber keinesfalls bedeuten, dass der Körper nun die Borrelien in den Griff bekommen hat. Wochen, manchmal erst Monate nach Beginn der Infektion kann es durch die Ausbreitung der Bakterien im Körper zu einer Reihe anderer Beschwerden kommen – etwa zur so genannten Neuroborreliose. Symptome sind unter anderem starke Schmerzen im Bereich von Brust und Bauch. Es kommt dabei auch sehr häufig zu Lähmungserscheinungen im Gesicht oder seltener auch in anderen Körperregionen.


In seltenen Fällen wird das Herz angegriffen. Werden sie von Antibiotika nicht daran gehindert, können die Borrelien neben dem Nervensystem auch verschiedene große Gelenke befallen, meistens das Knie. Diese so genannte Lyme-Arthritis kann chronisch werden. Die vielseitigen Krankheitserreger können aber auch Borrelien-Lymphozome – das sind schmerzlose bläulich-rote Knoten – und andere Veränderungen der Haut hervorrufen. Die chronische Hautkrankheit Acrodermatitis chronica atrophicans breitet sich unbehandelt über Jahre aus, wobei sich die Haut allmählich verdünnt, verfärbt und brüchig wird.

All das lässt sich mit einer rechtzeitig eingeleiteten Antibiotika-Therapie verhindern. Noch besser ist es, schon das Risiko einer Infektion zu minimieren. Professor Stanek: „Zecken fallen nicht von den Bäumen, sondern warten im Gras oder Gebüsch darauf, abgestreift zu werden. Daher ist eine genaue Inspektion der Haut nach jedem Ausflug ins Grüne zu empfehlen.“ Besonders bei Kindern sollte man auch den Bereich des Kopfes nicht vergessen. Wird eine Zecke gefunden, soll sie mit einer Pinzette gerade herausgezogen werden. Experte Gerold Stanek: „Weder die Behandlung mit Kleber oder Öl noch ein Herausdrehen der Zecke sind notwendig.“ 


Heinz Macher

Juni 2008


Foto: Bilderbox, privat


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Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Gerold Stanek zum Printartikel „Bei der Diagnose von Lyme-Borreliose ist der klinische Befund das wichtigste Instrument. Laborwerte allein sind mit Vorsicht zu genießen, weil das Vorhandensein von Antikörpern nichts darüber aussagt, ob es einen aktuellen Befall mit Borrelien gibt.“
Univ.-Prof. Dr. Gerold Stanek
Klinisches Institut für Hygiene u.med. Mikrobiologie, Medizinische Universität Wien 

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015