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Hexenschuss: Stechender Schmerz im Kreuz

Hexenschuss: Stechender Schmerz im KreuzDer Schmerz setzt völlig unerwartet ein. Oft reicht eine ruckartige Bewegung, um einen Hexenschuss zu verursachen. Betroffene spüren einen kurzen Stich, der dann in starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule übergeht. Welche Ursachen ein Hexenschuss hat und wie man ihm am besten vorbeugt, erklärt Dr. Nikolaus Böhler vom Allgemeinen Krankenhaus Linz.

Was umgangssprachlich als „Hexenschuss“ bezeichnet wird, ist laut Universitätsprofessor Dr. Nikolaus Böhler, Vorstand der orthopädischen Abteilung am Allgemeinen Krankenhaus Linz, ein „plötzlich einschießender Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule, der häufig zu einer Fehlhaltung der Wirbelsäule und einer beträchtlichen Verspannung führt. Teilweise können diese Schmerzen auch ins Bein hinunter ausstrahlen.“ Der medizinische Fachausdruck lautet „Lumbago“. Strahlen die Schmerzen ins Bein aus, spricht man von einer Lumboischialgie.

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Kälte verstärkt Beschwerden

Der Hexenschuss beginnt meist mit einem plötzlichen Stich, der von starken Schmerzen begleitet ist. Die Schmerzen treten bei Bewegungen, beim Lagewechsel aus dem Liegen zum Sitzen sowie beim Husten oder Niesen auf. „Kälte verstärkt diese Beschwerden, Wärme lindert sie. Eine Ausstrahlung über die Gesäßregion in die hintere Oberschenkel-, Knie- und Unterschenkelregion ist ebenfalls in ausgeprägten Fällen möglich“, so der Mediziner.

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Ursachen: Überlastungen oder Abnützungen

Ein Hexenschuss kann verschiedene Ursachen haben. Bei jüngeren Erwachsenen sind es oft ruckartige Überlastungen, die beim Sport oder beim Heben von schweren Gegenständen auftreten können. Dr. Nikolaus Böhler: „Dabei kann ein Bandscheibenvorfall ausgelöst werden oder aber die kleinen Wirbelgelenke verhaken sich und drücken auf die Nervenwurzel. Bei älteren Erwachsenen besteht zumeist ein Vorschaden mit arthrotisch bedingten Knochenzacken, die sehr leicht derartige Nervenkompressionen und anschließende Verspannungen auslösen.“ Altersbedingte Verschleißerscheinungen können also zur Bildung von Knochenvorsprüngen führen, die wiederum die Nerven im Bereich der Wirbelsäule zusammendrücken und dadurch Schmerzen verursachen.

Seltener können auch angeborene Krankheiten wie Wirbelfehlbildungen, entzündliche Erkrankungen wie eine Spondylitis (Wirbelentzündung) sowie Tumore zu ähnlichen Symptomen führen. „Nicht zu vergessen sind ausstrahlende Schmerzen bei Nieren- oder Eierstockerkrankungen“, fügt Böhler hinzu.

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Maßnahmen zur Schmerzlinderung

Der Arzt kann muskelentspannende Medikamente bzw. Antirheumatika verschreiben. Hilfreich erweisen sich häufig auch Wärmeanwendungen in Form eines heißen Bades oder einer Wärmflasche bzw. eine lokale Salbentherapie. „Bei gehäuftem Auftreten sollte die Bauch- und Rückenmuskulatur durch eine kräftige Bandage bzw. durch ein Mieder unterstützt werden“, weiß der Orthopäde.

In den meisten Fällen ist ein Hexenschuss völlig harmlos und die Symptome verschwinden nach einigen Tagen von selbst wieder. Halten die Schmerzen länger an und treten Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

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Mit Bewegung vorbeugen

Langfristig sollte man auf ausreichende Bewegung achten: „Ganz entscheidend ist eine Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur, da die Wirbelsäule ein muskuläres Stützkorsett benötigt. Dazu sind tägliche Übungen im Sinne eines kurzen Trainingsprogramms anzuraten.“ Kräftigungsübungen stärken die Rückenmuskulatur, entlasten die Wirbelsäule und können deshalb einem Hexenschuss vorbeugen. Sinnvoll ist, neben regelmäßigem Sport wie Radfahren oder Schwimmen auch die Alltagsaktivität zu steigern. Also öfter die Treppe statt den Lift zu nehmen und das Auto stehen zu lassen, um zu Fuß zur Arbeit zu gehen.

MMag. Birgit Koxeder
Februar 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015