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Das Lymphödem: Krankes Lymphsystem

Das LymphödemNeben den Blutgefäßen gibt es ein weiteres wichtiges Gefäßsystem in unserem Körper: Das Lymphsystem. Seine Aufgabe besteht im Abtransport überflüssiger Gewebsflüssigkeit und Eiweißablagerungen. Eine chronische Erkrankung des Lymphgefäßsystems wird als Lymphödem bezeichnet.

Bei einem Lymphödem kann die Gewebsflüssigkeit nicht mehr regelrecht abtransportiert werden und es kommt zu einer Schwellung des betroffenen Körperteils. Ursache kann eine angeborene Fehlbildung der Lymphgefäße sein, öfter tritt die Erkrankung jedoch als Folge einer Operation, Bestrahlung oder Infektion auf. Lymphödeme sind grundsätzlich nicht schmerzhaft, doch in fortgeschrittenen Fällen kann durchaus ein Spannungsgefühl auftreten. Die Schwellung kann überall am Körper auftreten, die Beine sind jedoch am häufigsten betroffen. Klinisch lassen sich drei Stadien unterscheiden: Im ersten Stadium besteht eine weiche, eindrückbare Schwellung, die durch Hochlagern der betroffenen Extremität spontan rückgängig ist. Im zweiten Stadium ist die Schwellung derb und lässt sich durch Hochlagerung nicht mehr beeinflussen. Als drittes Stadium bezeichnet man eine harte, druckresistente Beinschwellung mit einer Verhärtung der Haut. Die extremste Form wird als Elephantiasis bezeichnet. Unbehandelt schreitet die Erkrankung immer weiter fort und durch die zunehmende Anschwellung der Beine wird die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

Keine Heilung aber Stabilisierung möglich

Mit einer Therapie sollte immer möglichst frühzeitig begonnen werden, da dann die besten Erfolge erzielt werden können. Eine vollständige Heilung kann leider nie erreicht werden, aber bei konsequenter Behandlung kann fast immer ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung vermieden werden. Die Behandlungsmethode der Wahl ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie. Sie besteht aus einer manuellen Lymphdrainage - einer speziellen Massageform, die den Abtransport der Lymphflüssigkeit anregt -, einer Bandagierung der Beine und dem zusätzlichen Tragen von Kompressionsstrümpfen. „Während manuelle Lymphdrainage und Bandagen zur Besserung unerlässlich sind, dienen Kompressionsstrümpfe der Erhaltung des Erreichten und können die Bandagen somit nicht ersetzen“, betont Dr. Paul Sietzen, Dermatologe in Salzburg. Die Therapie besteht aus einer intensiven ambulant oder stationär durchgeführten Behandlung und einer Erhaltungstherapie, die der Patient selbstständig vornimmt. Im Moment stellen weder Medikamente noch Operationen eine Alternative zur genannten physikalischen Therapie dar.

Wichtige Begleitmaßnahmen

Spezielle Bewegungsübungen können die Schwellung positiv beeinflussen und sollten am besten täglich durchgeführt werden. Weitere wichtige Maßnahmen sind die regelmäßige Begutachtung der Haut und eine sorgfältige Pflege zum Schutz vor Infektionen. Darüber hinaus sollten Verletzungen möglichst vermieden werden. Von Besuchen in der Sauna oder Thermalbädern sollte ebenfalls Abstand genommen werden, da die Wärme die Schwellung ungünstig beeinflusst. Sport mit moderater Belastung ist sehr empfehlenswert, Überanstrengung sollte jedoch vermieden werden. Wann immer es möglich ist, empfiehlt es sich, den betroffenen Körperteil hochzulagern.

Beeinträchtigtes Lebensgefühl

Die Behandlung sollte von einem Facharzt geleitet und überwacht werden. Die verschiedensten medizinischen Bereiche befassen sich mit dieser Erkrankung: Physiotherapeuten, physikalische Mediziner, Hautärzte, Orthopäden, Neurologen und Internisten - alle können zur optimalen Diagnostik und Behandlung des Patienten beitragen. Neben der körperlichen Beeinträchtigung besteht für die meisten Betroffenen auch eine starke psychische Belastung, daher ist es auch durchaus gerechtfertigt, psychotherapeutischen Beistand in Anspruch zu nehmen.


Dr. Ulli Stegbuchner

April 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020