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Plomben: In aller Munde

PlombenPlomben – Amalgam, Gold, Keramik oder Kunststoff. Der Zahnschmelz ist das härteste Körpergewebe. Er widersteht enormen mechanischen Belastungen, ist aber nicht allen Angriffen gewachsen. Säuren und Bakterien setzen ihm zu, weichen ihn auf und zerstören ihn. Um das Fortschreiten der Karies zu stoppen und den Zahn zu erhalten, muss die Schadstelle so früh wie möglich „plombiert werden.

Die hochwertigste Zahnfüllung besteht aus Gold in Form einer edlen Goldlegierung. Sie ist biologisch gut verträglich, auch für hohen Kaudruck im Backenzahnbereich und größere Schadstellen geeignet, passgenau und dauerhaft. Goldinlays halten nicht selten 30 Jahre lang, berichtet Dr. Rudolf Matheis MSc, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde aus Linz. Für die Goldfüllungen werden in der zahnärztlichen Praxis zunächst nur die Schadstellen am Zahn vorbereitet und die Abdrücke beziehungsweise ein Gebissmodell hergestellt. Erst in einer zweiten Sitzung werden die im Zahnlabor gegossenen Goldinlays mit einem speziellen Klebstoff in den Zahn einzementiert. Anschließend können sie noch präzise in das Zahnprofil poliert werden, so dass zwischen Zahn und Füllung praktisch keinerlei Fuge bleibt.

Weil Goldinlays einen eher großen Querschnitt brauchen, muss für die Vorbereitung der Zahnlücke mehr gesundes Zahnmaterial weggeschliffen werden als bei anderen Füllmaterialien. Gold ist ein guter Temperaturleiter, weshalb anfangs eine erhöhte Empfindlichkeit des Zahnes auftreten kann. Für den vorderen Zahnbereich sind Füllungen aus dem auffälligen Edelmetall weniger geeignet – auch aus kosmetischen Gründen sind Goldinlays insgesamt eher weniger gefragt als noch vor einigen Jahren.

3-D-Verfahren

Auch Keramikfüllungen werden in mehreren aufwändigen Arbeitsschritten gefertigt. Porzellanfüllungen sind schon seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt. Heute bestehen Keramikinlays immer öfter aus Zirkonoxid, das in Blöcken gebrannt und dann in einem computergesteuerten 3-D-Verfahren in Form gefräst wird. Der keramische Werkstoff ist mindestens so hart wie der Zahn selbst und gleicht seinem natürlichen Erscheinungsbild. Somit sind Keramikinlays im Front- und Seitenzahnbereich optimal. Bei sorgfältiger Pflege halten sie 15 Jahre und länger. Sie sind auch dann optimal, wenn wenig Zahnsubstanz verblieben ist – die verklebte Keramikfüllung gibt dem Zahn quasi von innen eine zusätzliche Stütze. Weil sie unter absolut trockenen Bedingungen eingesetzt werden müssen, sind Keramikfüllungen nicht geeignet, wenn die Zahnlücke unter das Zahnfleisch reicht. Das Einzementieren der Keramikfülle ist viel komplizierter als bei Gold. Der Zahn wird mit Phosphorsäure angeätzt, bevor die Füllung mit Kunststoffzement eingeklebt und mit UV-Licht gehärtet wird.

Menschen, die zum Zähneknirschen neigen, müssen auf Keramikfüllungen verzichten, weil durch die Druckbelastung das Inlay brechen kann.

Säure-Ätz-Technik

Zahnfüllungen aus Kunststoff bestehen aus Kunststoffharzen und Komposit-Materialien mit Glaskeramik- und Quarzpartikeln. Diese Kunststoff-Füllungen halten bis zu fünf Jahre – je nach Größe und Zahnhygiene. Sie sind im Frontzahnbereich und zur Sanierung von Zahnhälsen ideal, weil die Kunststofffarbe der natürlichen Zahnfarbe sehr gut angeglichen werden kann. Kunststoffplomben werden unmittelbar nach dem Bohren in einer einzigen Sitzung schichtweise direkt in den Zahn gefüllt – ebenfalls mit einer Säure-Ätz-Technik, die für den festen Sitz im Zahn sorgt. Zuletzt wird die Füllung poliert und dem Gegenbiss angepasst. Ihr Nachteil ist, dass sie mit der Zeit schrumpft und sich ein Randspalt bildet. Kunststofffüllungen können auch öfter eine Schädigung des Zahnnervs verursachen als andere Plombenwerkstoffe.

Der Klassiker unter den Füllungen ist allerdings Amalgam. Seit fast 200 Jahren ist die metallisch glänzende Legierung massenhaft im Einsatz – und seither in Diskussion. Amalgam besteht zur Hälfte aus Quecksilber, der Rest sind Silber, Zink und Kupfer sowie andere Spurenelemente. Amalgam hält der Kaubelastung an den Backenzähnen spielend stand, ist leicht zu bearbeiten, hält mehr als zehn Jahre und wirkt sogar keimtötend. Eine optimale Langzeitlösung sei Amalgam trotzdem nicht, meint Dr. Matheis. Bereits im Mund vorhandene Metallfüllungen reagieren mit neuen Amalgamplomben. Galvanische Ströme können Quecksilber aus den Plomben freisetzen. Der Zahnmediziner entwarnt: Zwar können dann erhöhte Quecksilberwerte im Blut nachgewiesen werden, diese befinden sich aber immer unter einer gesundheitsschädlichen Dosis. Die höchste Belastung mit dem Schwermetall entsteht durch Verdampfung beim Legen und Entfernen von Amalgamfüllungen. Immer wieder hat es Berichte über Schädigungen bei Zahnärzten und ihrem Helferpersonal – seltener auch bei Patienten – gegeben und zu kontroversen Diskussionen um das quecksilberhaltige Material geführt. Bei Patienten kann es auch zu Allergien gegen Amalgam kommen. Das sei allerdings ein seltenes Phänomen, beruhigt Dr. Matheis. Wenn eine Amalgam-Überempfindlichkeit aufgetreten ist, sei ein Austausch der Füllungen gegen Gold oder Keramik ratsam. Während Amalgamfüllungen bei uns noch immer erste Wahl bei der Standardsanierung kariöser Zähne sind, wurde der Werkstoff in Skandinavien bereits aus den Zahnarztpraxen verbannt. Das empfiehlt Zahnmediziner Dr. Matheis vorsichtshalber für Schwangere, Kinder und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Kariesprophylaxe

Dem Problem kann man sich auch anders entziehen. Sorgfältiges Zähneputzen ist und bleibt die wichtigste Vorbeugung gegen Zahnfäule. Eine Impfung gegen Karies bleibt trotz intensiver Forschung wohl noch lange Zukunftsmusik. Genmanipulierte „gute“ Bakterien, die auf die Zahnflächen aufgebracht werden und die Karieserreger von dort verdrängen, oder eine Aktivimpfung, die das Immunsystem zur Antikörperbildung gegen Kariesbakterien anregt – zwei mögliche Wege, die eines Tages zum Ziel einer lebenslangen Kariesprophylaxe führen könnten, damit es nach dem Zahnarztbesuch immer öfter heißt: Er hat gar nicht gebohrt.

Ewige Karies

PlombenBereits vor 100.000 Jahren hat der Mensch an Zahnfäule gelitten. Mit ihm hat sich auch der Karieserreger, das Bakterium Streptococcus mutans, weltweit verbreitet. Schon in der Antike versuchte man, durch Ausschaben und Füllungen die Zahnfäule zu bekämpfen. Von ersten Goldfüllungen wurde im 15. Jahrhundert berichtet. Amalgam ist in wechselnden Mischungen seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch.

Das Karies-Bakterium Streptococcus mutans braucht zur Vermehrung Zucker. Die Erreger scheiden Stoffwechselprodukte aus, die sich mit anderen Mikroorganismen, Enzymen und Zellen als Zahnbelag an die Zähne haften. In diese Plaques lagern sich Mineralsalze aus dem Speichel ein und bilden Zahnstein – eine weitere Brutstätte für Bakterien. Der Zahnschmelz wird nicht mehr aus dem Speichel remineralisiert. Braune oder weiße Flecken sind frühe Karieszeichen. Schlechte Mundhygiene, zuckerhaltige Getränke und solche, die Zitronen- oder Phosphorsäure enthalten, Mundtrockenheit, Zahnfehlstellungen und Zähneputzen unmittelbar nach dem Genuss säurehaltiger Speisen – all das nagt am Zahn.

Klaus Stecher
Jänner 2013


Foto: Bilderbox, © Dieter Schütz / pixelio.de, privat


Kommentar

Plomben„Kinder kommen ohne Karieskeime zur Welt – der Erreger wird meist über die Eltern übertragen. Wenn diese ihre Zähne gut pflegen, ist auch das Kariesrisiko für die Kinder geringer. Ein gesundes Milchgebiss ist ein wichtiger Platzhalter für die gesunde Zahn- und Kieferentwicklung.“
Dr. Rudolf Matheis MSc
Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020