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Herz-Thorax-Gefäßchirurgie: Hilfe für die Aorta

stent_schematischDas AKh Linz ist das einzige Linzer Krankenhaus mit einer Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgie und spezialisiert auf die Behandlung von Aorten-Erkrankungen. 

Vor allem Erkrankungen im Bereich der Brustraum-Aorta werden im Großraum Linz und dem angrenzenden Niederösterreich fast ausschließlich von den AKh-Spezialisten der Abteilung für Chirurgie I behandelt. Neben etwa 450 Operationen im Aortenbereich haben die Herz-Thorax-Gefäßchirurgen Hand in Hand mit dem Radiologenteam seit 1999 mittlerweile 120 "Aortenstents" gesetzt.

Die Aorta (Hauptschlagader) ist ein Strang mit rund zweieinhalb Zentimetern Durchmesser und führt vom Herzen weg über den Aortenbogen in den Brust- und Bauchraum. Vom Aortenbogen führen Abzweigungen ins Gehirn und in beide Arme. Vom Bauchraum aus versorgen Nebenstränge die wichtigen Organe. Dann teilt sich die Hauptschlagader zur Versorgung der Beine.


Zufallsbefund Aortenriss und Aneurysma - Patienten in akuter Lebensgefahr

Im Bereich der Hauptschlagader können sich Ausbuchtungen, die so genannten Aneurysmen bilden. Sie entstehen meist aufgrund von Degenerationen, zum Beispiel durch Gefäßverkalkung. Aortenaneurysmen sind oft symptomlos und werden nur zufällig — etwa beim Lungenröntgen oder bei Ultraschall- und CT-Untersuchungen — im Rahmen von anderen Problemen entdeckt. Die Patienten befinden sich in akuter Lebensgefahr und bemerken es nicht.

Aortenrisse sind entweder unfallbedingt oder die Folge einer Bindegewebsschwäche - teils angeboren, teils unbekannter Ursache - kombiniert mit hohem Blutdruck. Werden sie nicht rechtzeitig versorgt, verblutet der Patient in der Regel innerhalb von drei, maximal vier Tagen. Bei einem kompletten Durchriss beziehungsweise einem Riss in unmittelbarer Nähe des Herzens zählt jede Minute.

'Stent' kontra Operation

Um Ausbuchtungen und Risse der Hauptschlagader zu beheben, gab es früher nur die Möglichkeit der Operation. Diese ist mit hohem Risiko und einer großen Belastung für die Patienten verbunden. In den vergangenen sieben bis zehn Jahren hat aber auch in der Behandlung von Aorten-Erkrankungen die minimal-invasive Chirurgie Einzug gehalten.

Ist die Ausbuchtung im Durchmesser dicker als fünf Zentimeter, ist eine Behandlung unumgänglich. Dabei wird die Hauptschlagader im Bereich der Lende von den Gefäßchirurgen durch einen kleinen Schnitt freigelegt. Von dort wird unter ständiger Röntgenkontrolle ein Stent in der Hauptschlagader nach oben bis zur Ausbuchtung geschoben. Am Bildschirm verfolgt der Radiologe den Weg des Stents, um ihn dann punktgenau platzieren zu können. Der Stent besteht übrigens aus einem enorm feinen Drahtgittergeflecht und wird für jeden Patienten maßgefertigt. Vor allem Unfallopfer profitieren von dieser schonenden neuen Methode.

Im Bauchbereich wurden die offenen Operationen an der Aorta bereits zu 50 Prozent von Stents abgelöst. Durch die vielen Abzweigungen zur Versorgung der Organe ist der Einsatz aber nicht an allen Stellen möglich. Im herznahen Bereich dominieren nach wie vor die chirurgischen Eingriffe. Im übrigen Teil der Brust-Aorta hat der rund 5.500 Euro teure Stent der Chirurgie bereits den Rang abgelaufen.

Vorteile für die Patienten

Minimal-invasiv gesetzte Stents bieten den Patienten viele Vorteile. Es ist kein großer Bauchschnitt notwendig, auch der Brustkorb muss nicht eröffnet werden. Der Eingriff kann ohne Blutverlust unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Statt eines längeren Aufenthaltes auf der Intensivstation können die Patienten rasch mobilisiert und bereits nach einigen Tagen nach Hause geschickt werden. Daher ist diese Behandlungsmethode für ältere Menschen besonders gut geeignet.

Ein weiteres, großes Plus: Das AKh Linz hat ein eigenes Lager mit Aortenstents, sodass im Akutfall immer der für den Patienten passende zur Hand ist. Über ein derartiges Lager verfügen übrigens nur noch drei weitere österreichische Zentren für Herz-Thorax-Gefäßchirurgie.

Mag. Michael Schumm

April 2006


Foto: AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020