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Nagelpilz

NagelpilzHinter dem kompliziert klingenden Begriff Onychomykose versteckt sich eine häufige und langwierige Erkrankung: der Nagelpilz. Ein Pilzbefall der Nägel ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern kann auch Schmerzen bereiten. Nur eine konsequente Therapie beim Fachmann führt zur Heilung.

Häufigste Nagelerkrankung

Pilzinfektionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Nägel. In 80 Prozent der Fälle sind die Fußnägel befallen. Prinzipiell kann es jeden treffen, allerdings gibt es einige Menschen, die dafür anfälliger sind als andere. Eingeschränkte Durchblutung der Füße durch eine Gefäßerkrankung, Stoffwechselerkrankungen wie die Zuckerkrankheit und herabgesetzte Schmerzempfindlichkeit der Füße aufgrund einer Nervenschädigung stellen Risikofaktoren dar. Aber auch Fußfehlstellungen, das Tragen von zu engen Schuhen und wiederholte Verletzungen der Zehennägel – beispielsweise bei Sportlern – begünstigen die Erkrankung. Eine bereits vorhandene Pilzinfektion der Haut kann auf den Nagel übergreifen. Patienten mit beeinträchtigtem Immunsystem, zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, bei einer HIV Infektion oder durch regelmäßige Einnahme von Kortison sind ebenfalls vermehrt gefährdet. Durch Verletzungen bei der Maniküre, häufigen Wasser- oder Laugenkontakt und starken mechanischen Belastungen können auch die Fingernägel betroffen sein. Manchmal findet sich auch im Vorfeld eine eitrige Entzündung im Bereich des Nagelfalzes.

Nicht nur ein kosmetisches Problem

Bei einem Pilzbefall verändert sich der Nagel in typischer Weise: Er wird dicker und verfärbt sich gelblich, teilweise erscheint die Nagelplatte auch bröckelig. Anfangs handelt es sich für die meisten Patienten um ein kosmetisches Problem, da die Nägel unschön aussehen. Allerdings können später auch Beschwerden auftreten, wenn zum Beispiel der verdickte Nagel gegen den Schuh drückt und Schmerzen beim Gehen verursacht. Der Arzt unterscheidet verschiede Formen der Erkrankung, je nachdem welcher Teil des Nagels befallen ist. Ausschlaggebend für die Therapie ist jedoch vor allem der auslösende Erreger.

Bei Verdacht zum Arzt

70 bis 90 Prozent der Infektionen werden durch so genannte Dermatophyten, das sind Fadenpilze, die oberflächlich Haut, Haare und Nägel befallen, ausgelöst. Weitere mögliche Erreger sind Schimmelpilze und Hefen, wobei letztere vor allem bei Infektionen der Fingernägel eine wichtige Rolle spielen. Bei einer Hefepilzinfektion ist der Nagel durch eine zusätzlich bestehende Infektion mit Farbstoff bildenden Bakterien oft grün-schwärzlich verfärbt. Ein Pilznachweis ist wichtig, um die richtige Therapie einzuleiten, da es einige andere Erkrankungen der Nägel gibt, die ähnlich aussehen können: Angeborene Nagelbildungsstörungen, Schuppenflechte der Nägel, seltener bakterielle Infektionen oder Nagelbetttumore. Patienten, die schon eine Eigentherapie mit Cremen, Salben oder Nagellacken durchgeführt haben müssen das dem behandelnden Arzt unbedingt mitteilen. In diesem Fall sollte mit der Probenentnahme zwei bis gewartet werden, um falsch negative Ergebnisse auszuschließen.

Nur eine konsequente Therapie ist erfolgreich

Der Nagelpilz ist eine der am schwersten zu behandelnden Pilzerkrankungen. Eine rein äußerliche Therapie führt selten zu einer vollständigen Abheilung und ist nur dann sinnvoll, wenn weniger als 50 Prozent des Nagels befallen und die Nagelmatrix intakt ist. Es gibt verschiedene pilzabtötende Nagellacke, die auf die Nägel aufgetragen werden. Dabei ist es wichtig, auch die seitlichen Nagelteile sorgfältig zu bestreichen, da sich der Wirkstoff senkrecht durch den Nagel ausbreitet. In den allermeisten Fällen muss jedoch eine systemische Therapie begonnen werden. Das bedeutet, dass der Patient Medikamente einnehmen muss. Welche Behandlungsform die geeignete ist, entscheidet der Facharzt. Es ist aber in jedem Fall sehr wichtig, sich exakt an die Anordnung zu halten, da ansonsten die Heilungsrate schlecht ist und die Gefahr einer erneuten Pilzbesiedelung besteht. Gegen Pilze wirksame Medikamente haben auch unerwünschte Wirkungen. Vor allem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zu beachten und es ist unbedingt erforderlich, diese dem behandelnden Arzt mitzuteilen, da beispielsweise eine Erhöhung der Leberwerte oder Veränderungen im Blutbild, die eine erhöhte Blutungsneigung bedeuten, auftreten können.

Erneute Infektion vermeiden

Um eine erneute Infektion zu vermeiden, sollte während der Behandlung ein eigenes Handtuch für die betroffenen Stellen benutzt und täglich gewechselt werden. Waschlappen, Handtücher und Strümpfe müssen bei 60 Grad gewaschen werden, um die Pilze abzutöten. Um die Familienangehörigen nicht anzustecken, dürfen Handtücher auf keinen Fall mit anderen Familienmitgliedern gemeinsam verwendet werden. Tägliche Kontrolle der Nägel und Verzicht auf kosmetischen Nagellack sind erforderlich. Für die Maniküre eignen sich Wegwerffeilen aus Papier oder desinfizierte Metallfeilen.

Vorbeugende Maßnahmen

Ob eine erhöhte Gefahr besteht, sich im Schwimmbad oder Fitnessstudio anzustecken, wird von Experten unterschiedlich bewertet. Pilze bevorzugen eine feuchte Umgebung, allerdings ist das Ansteckungsrisiko bei nicht vorgeschädigter Haut vernachlässigbar. Trotzdem ist es sinnvoll, an solchen Orten nicht barfuß zu gehen und die Füße im Anschluss gut zu reinigen.

Zusätzlich helfen zahlreiche Verhaltensregeln, die Gefahr einer Pilzinfektion zu minimieren. Dazu gehören: Das sorgfältige Abtrocknen der Zehen und Zehenzwischenräume, ein regelmäßiger Wechsel der Socken und das Tragen luftdurchlässiger Schuhe. Luft und Sonne sind gut für die Füße, daher empfiehlt es sich bei geeigneter Witterung so oft wie möglich barfuß zu gehen.


Dr. Ulli Stegbuchner

Februar 2008


Foto: Bilderbox


Kommentar:

„Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen einer Nagelinfektion mit Pilzen ist ein unbehandelter Fußpilz wobei auch umgekehrt ein unbehandelter Nagelpilz zu einem Fußpilz führen kann. Man schätzt die Häufigkeit des Fußpilzes in der Durchschnittsbevölkerung auf ungefähr zehn Prozent. Eine Pilzinfektion der Füße — klassisch zwischen der dritten und vierten sowie vierte und fünftem Zehe — läuft oft vom Patienten jahrelang unbemerkt ab. Die Haut ist weißlich verdickt, die Haut hängt in kleinen Fetzen herab und es treten Risse auf. Charakterstisch an der übrigen Haut ist eine weißliche Zeichnung der Hautlinien sowie eine diskrete Schuppung. Die Patienten bemerken die Infektion meist erst, wenn entweder tiefe, schmerzhafte Einrisse oder starker Juckreiz auftreten.Die Behandlung eines Hautpilzes ist einfach und eine Therapie mit Pilzsalben für cirka zwei bis vier Wochen ist meist ausreichend. Ist der Fußpilz allerdings einmal auf den Nagel übergesprungen, so ist, wie oben geschildert, eine lange Therapie die Folge. Deshalb sollte die scheinbare Trivialerkrankung Fußpilz immer rechtzeitig behandelt werden, bevor überhaupt eine Infektion des Zehennagels stattgefunden hat.“

Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl,

Universitätsklinik für Dermatologie Wien


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020