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Die „Zornesfalte“ wird einfach weggespritzt

Die Zornesfalte wird einfach weggespritzt„Botox“ wird in vielen Bereichen der Medizin zur Therapie verschiedenster Krankheiten eingesetzt. In der plastischen Chirurgie ist es lediglich ein „Nebenprodukt“, das zu glatter Haut verhilft.

Gleichgültig ob im Alter von 30, 50 oder 70 Jahren: Viele Frauen wollen ohne „Zornes“- oder Stirnfalten durchs Leben gehen. Daher führt für viele der Weg zum Arzt: „Die sogenannte Zornesfalte störte mich auf jedem Urlaubsfoto und in der täglichen Arbeit, weil mich viele für böse hielten. Also wollte ich Botox versuchen. Für mich hat es sich gelohnt, auch wenn mich doch viele in meinem Umfeld für ein bisschen verrückt halten“, sagt beispielsweise Melanie aus Linz.

„Die Mimik eines Menschen ist sehr wichtig. Sie ist dazu da, sich auszudrücken und sich mitzuteilen. Sie dient der Kommunikation und ist auch nonverbaler Ausdruck von Gefühlen“, sagt dazu der plastische Chirurg Matthias Koller aus Puchenau. Wie viele seiner Kollegen wird auch er von immer jüngeren Patientinnen im Alter von ab etwa 30 Jahren aufgesucht: „Wenn aber ein Mensch einen zornigen Gesichtsausdruck hat, obwohl er eigentlich fröhlich ist, kann das für den Betroffenen sehr störend sein, weil er oft falsch verstanden wird.“

In der Behandlung ist klar: Es darf auf keinen Fall zu einem stereotypen, maskenhaften Gesicht durch die Behandlung kommen. „Weniger ist oft mehr, nicht jeder reagiert gleich und deshalb sollte immer mit einer niedrigen Dosis begonnen werden. Es ist weit besser, sich heranzutasten und nach ein paar Wochen etwas nachzugeben, als zu Beginn zu viel zu machen“, sagt Koller.

Die Wirkung von Botox tritt nach etwa fünf Tagen ein und hält dann etwa vier Monate bis ein halbes Jahr an. „Danach kann wieder eine Behandlung erfolgen, eine Wiederholung hat keine negativen Auswirkungen“, sagt Koller.

Grundsätzlich behandelt der Arzt mit Botox nicht die Falte, sondern die Muskulatur, die durch Bewegung die Haut in Falten legt. Botox entspannt die Muskulatur und reduziert die Entstehung von Falten. Mit einer feinen Injektionsnadel wird das Medikament gespritzt. „Es tut eigentlich überhaupt nicht weh“, sagt Melanie.

Einsatz nicht um jeden Preis

„In der Schwangerschaft, während der Stillzeit und bei bestimmten Muskelerkrankungen ist medizinisch eine Anwendung von Botox ausgeschlossen“, sagt Koller. Ebenso wird das Medikament vom verantwortungsvollen Arzt nicht eingesetzt, wenn der Wunsch des Patienten für den Fachmann nicht begründet ist.

Behandlungskosten:

Die Kosten für eine Behandlung mit Botox sind von der zu behandelnden Region und von der injizierten Menge des Medikamentes abhängig. Eine Behandlung der so genannten Zornesfalte im Bereich der Nasenwurzel kostet bei Ärzten in Österreich meist ab 200 Euro, eine faltenfreie Stirn schlägt sich ab 300 Euro zu Buche, „Krähenfüße“ um die Augenwinkel sind bereits ab 150 Euro zu beheben. Der Paketpreis für das komplette Gesicht beginnt bei den meisten Ärzten in Österreich ab 400 Euro.

Botulinumtoxin:

Botulinumtoxin (Handelsname zum Beispiel Botox) ist ein Sammelbegriff für mehrere sehr ähnliche Proteine, die als Gift speziell auf Nervenzellen beziehungsweise auf Nervengewebe einwirken. Die Wirkung der Eiweißstoffe beruht auf der Hemmung der Signalübertragung von Nervenzellen. Dies wurde im Februar 1815 vom Arzt Justinus Kerner das erste Mal wissenschaftlich beschrieben. Kerner erkannte 1820 den Wirkungsmechanismus und überlegte bereits eine Therapie mit geringen Dosen.

Nicht nur ein Mittel zur Schönheit

Botox glättet nicht nur Falten – Mediziner setzen seit rund 20 Jahren das lähmende Toxin auch gegen diverse Krankheiten ein. Die erste Publikation über die Anwendung des Medikamentes erschien 1990 im „Journal of Dermatology and Surgical Oncology“ (Journal für Hautheilkunde und chirurgische Krebstherapie) von Jean Carruthers, Professorin für Augenheilkunde der Universität Vancouver, Kanada. Sie wandte Botox beim „Strabismus“ (Schielen) an.

Auch in der Neurologie wird Botox eingesetzt: In jüngster Vergangenheit erweiterte sich das Indikations- und Anwendungsgebiet auf zervikale Dystonien (Schiefhals); Blepharospasmen („unwillkürliches Augenzukneifen“); Spasmus facialis (Lid- und Mundzuckungen); Meige-Syndrom (unwillkürliche Gesichtsmuskelbewegungen); aktionsabhängige Dystonien (wie beispielsweise Schreibkrämpfe, Tennisarm); Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen); sowie Spastik der oberen und unteren Extremitäten. Diese Behandlungen (bis auf das übermäßige Schwitzen) werden von Fachärzten für Neurologie durchgeführt. Seit Ende 2012 ist Botox in Österreich auch zur Behandlung von Migräne zugelassen.

OÖN Zeitungsrolle_150px
Gerhard Lukesch
Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten
7. August 2013



Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020