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Regelmäßige Schmerzen: Menstruationsbeschwerden

Regelmäßige Schmerzen - MenstruationsbeschwerdenViele Frauen können ein Lied davon singen: Einmal pro Monat leiden sie vor und während der Menstruation unter mehr oder weniger starken Unterleibsschmerzen, die in der Fachsprache als Dysmenorrhoe bezeichnet werden. Abhilfe bieten oft eine Wärmflasche oder pflanzliche Tees, in schlimmen Fällen helfen auch Medikamente. Bei einigen Betroffenen ist es damit jedoch nicht getan, denn bei fünf bis zehn Prozent der Frauen ist die Ursache eine andere: Sie haben Endometriose.

„Die Menstruation, kurz Menses oder Blutung genannt, ist nicht primär eine Blutung, sondern das Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut, idealerweise alle 28 Tage. Falls diese Blutung wirklich regelmäßig alle vier Wochen stattfindet, kann der betreuende Facharzt mit großer Sicherheit annehmen, dass die Geschlechtshormone zumindest keine große Abweichungen aufweisen.“, erklärt Primar Dr. Gernot Tews, ärztlicher Leiter der Frauen- und Kinderklinik in Linz.

Primäre Dysmenorrhoe

Bei Menstruationsbeschwerden lassen sich zwei verschiedene Arten unterscheiden: Die primäre und die sekundäre Dysmenorrhoe. Unter erstgenannten versteht man Schmerzen bei der Periode, die seit dem Einsetzen der ersten Regelblutung (Menarche) anfangen und hauptsächlich während der Adoleszenz, also bei sehr jungen Frauen und vor der ersten Schwangerschaft, auftreten. „Die erste Blutung beginnt üblicherweise frühestens mit elf Jahren, spätestens mit 16“, so Tews. Auf die Frage, warum es zu primären Menstruationsbeschwerden kommt, erklärt der Mediziner: „Meist ist es die Unfähigkeit der noch unterentwickelten Gebärmuttermuskulatur, die Schleimhaut abzustoßen.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Hilfreich zur Behandlung der primären Dysmenorrhoe erweisen sich sportliche Betätigung bzw. Bewegungsübungen zur Muskelentspannung, Wärmebehandlungen in Form von Entspannungsbädern oder einer Wärmeflasche, Zufuhr von Magnesium beziehungsweise Verminderung des Konsums von Kaffee, schwarzem Tee oder Cola sowie Übungen zur Entspannung und Stressbewältigung an. Bei immer wiederkehrenden Schmerzen werden auch Medikamente wie in Form der Anti-Baby-Pille eingesetzt, die zu einer verminderten Schleimhauthöhe führen und somit die Schmerzhaftigkeit stark reduzieren.

Sekundäre Dysmenorrhoe

Unter sekundärer Dysmenorrhoe werden Schmerzen bei der Periode verstanden, die auftreten, ohne dass man je zuvor Schmerzen verspürt hat. Das Schmerzspektrum reicht von Rückenschmerzen und einem Schweregefühl im Leib bis zu kolikartigen Unterleibsschmerzen. Neben Myomen (gutartige Tumore) oder Entzündungen der Gebärmutter können auch mechanische Verhütungsmittel wie die Spirale oder eine Endometriose Ursache für sekundäre Menstruationsbeschwerden sein. „Im Gegensatz zur primären Dysmenorrhoe ist diese Erkrankung ausgesprochen schwierig zu diagnostizieren und verlangt oft nach Zusatzabklärungen. Oft ist diese Problematik auch mit Kinderlosigkeit vergesellschaftet“, so der Primar. Die Therapie der sekundären Dysmenorrhoe richtet sich folglich nach der Ursache der Beschwerden.

Zu starke Blutungen

Manche Frauen leiden darüber hinaus unter sehr starken Blutungen, die jedoch regelmäßig sind. Tews erklärt: „Diese Form der Blutungsstörung ist relativ häufig. Auf der einen Seite ist dies wohl eine behandlungsbedürftige Variante der Natur und kann sowohl hormonell als auch chirurgisch auf verschiedene Arten angegangen werden. Auf der anderen Seite gibt es hier seitens der Gonaden (Eierstöcke) Formen der Hormonüberproduktion, insbesondere auf dem Gebiet der Östrogene. Auch kann hier eine Hormonspirale relativ leicht eine ausgeprägte Linderung der Beschwerden bringen.“

Unregelmäßige Blutungen

Weiters gibt es noch viele Frauen, die unregelmäßige Blutungen haben. „Diese Form der Blutungsstörung ist ausgesprochen häufig. Tritt sie in Kombination mit Kinderwunsch auf, ist eine intensive Hormonabklärung an einer Spezialambulanz erforderlich.“ Die Therapiemöglichkeiten richten sich nach dem Beschwerdebild bzw. dem Wunsch der Patientin. Gelegentlich kommt es auch vor, dass Frauen nach dem Absetzen der Pille keine Blutungen mehr haben. „Bei der ‚post pill’-Amenorrhoe ist nach einem Besuch des Facharztes das Abwarten die beste Therapie, bevor an entsprechende Hormonanalysen gedacht wird“, stellt der Mediziner fest.

Endometriose als mögliche Ursache

Gerade bei der sekundären Dysmenorrhoe kann Endometriose eine mögliche Ursache sein. „Bei Endometriose handelt es sich um eine Verschleppung der Endometriumschleimhaut, also jene Schleimhaut, die die Gebärmutter auskleidet. Durch die Regel wandert sie auch in den Bauchraum hinein. Sie nistet sich dort ein und kann nicht mehr abbluten“, erklärt der Primar. Sie setzt sich dort in so genannten Endometriose-Herden fest.

Die Folge sind starke Schmerzen vor und während der Regelblutung. Der Grund liegt darin, dass die Herde wie die normale Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation zu bluten beginnen. Da sie sich aber im Bauchraum befinden, kann das Blut nicht abrinnen und es bilden sich Zysten, die mit dem Blut gefüllt sind. „Diese werden auch Schokoladenzysten genannt“, so Tews. Die Behandlung kann einerseits medikamentös mit Hormonen oder durch eine operative Entfernung der Herde erfolgen. Im frühen Stadium der Erkrankung hat die operative Methode Vorteile. Die Behandlung mit Hormonen ist dann notwendig, wenn die Patientin noch immer unter Beschwerden leidet. „Im schlimmsten Fall erfolgt die Entfernung beider Eierstöcke oder eine Hormonersatztherapie“, erklärt der Frauenarzt.

Nähere Informationen zum Thema erhalten Sie bei der Hormon- und Kinderwunschambulanz (Dienstag und Donnerstag jeweils von 8 bis 13 Uhr) unter der Telefonnummer 05 05 54 63/24 630 oder in der Endometrioseambulanz (Donnerstag von 8 bis 14 Uhr) unter der Telefonnummer 05 05 54 63/23 730 der Frauen- und Kinderklinik Linz.


Mag. Birgit Koxeder

Jänner 2009

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020