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Gewichtsverlust: Mögliches Anzeichen einer Krebserkrankung

Gewichtsverlust: Mögliches Anzeichen einer KrebserkrankungDer Weltkrebstag am 4. Februar 2012 stand international ganz im Zeichen der Vorsorge. In diesem Zusammenhang sollte jedoch nicht nur an Vorsorgeuntersuchungen gedacht werden, sondern auch an die achtsame Wahrnehmung von Veränderungen am eigenen Körper, hält das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz in einer Presseaussendung fest. Bei bis zu 70 Prozent aller Krebspatienten macht sich eine Tumorerkrankung bereits Monate vor der Diagnose durch einen – zum Teil sehr deutlichen – Gewichtsverlust bemerkbar.

Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs aber auch Lungenkrebs, sind typische Beispiele für Tumorerkrankungen, bei denen Betroffene mehrere Kilogramm Körpergewicht verlieren. Bei etwa einem Drittel der Patienten beträgt der Verlust sogar mehr als zehn Prozent ihres ursprünglichen Gewichts, noch bevor die Erkrankung überhaupt diagnostiziert wird. Brust-, Prostata- oder Dickdarmkrebs bedingen, dass jeder fünfte Patient innerhalb weniger Monate im Schnitt fünf Kilogramm ungewollt abnimmt.

Ungewollter Gewichtsverlust

Dem unerwarteten Gewichtsverlust wird vorerst häufig keine besondere Beachtung geschenkt. Ein paar Kilogramm weniger auf der Waage sind anfänglich für viele Menschen ja eher Anlass zur Freude als zur Besorgnis. „Eine genaue Unterscheidung, ob der Gewichtsverlust bewusst, zum Beispiel durch eine Diät herbeigeführt wurde, ob psychisch belastende Situationen wie eine Trennung beziehungsweise der Tod eines Angehörigen den Appetit hemmen oder ob jemand ohne erkennbaren Grund Gewicht verliert, ist hier besonders wichtig“, sagt OA Dr. Wolfgang Sieber, Leiter des Ernährungsteams am Kh der Barmherzigen Schwestern Linz. „Nur die unbeabsichtigte Gewichtsabnahme über einen Zeitraum von mehreren Monaten kann ein Warnzeichen für eine bösartige Erkrankung sein.“ In diesem Fall ist es ratsam, rasch den Hausarzt aufzusuchen.

Muskel- statt Fettverlust

Während der Körper im Zuge einer Diät Fettgewebe abbaut, kommt es beim krebsbedingten Gewichtsverlust vor allem zum Abbau von Muskelgewebe. „Dies erklärt, warum sich Betroffene trotz Gewichtsabnahme nicht gesünder und vitaler, sondern eher schwächer und zum Teil müde fühlen“, betont der Intensivmediziner Sieber. Der „Substanzverlust“ kostet dem Körper Kraft: Patienten sprechen schlechter auf Therapien an, sind anfälliger für Nebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapie und Heilungschancen verringern sich.

Ernährungstherapie hilft

„Die gute Nachricht ist, dass für diese Patienten mit einer gezielten Ernährungstherapie viel getan werden kann“, hält Sieber fest. Studien belegen, dass spezielle medizinische Kostformen nicht nur eine weitere, tumorbedingte Gewichtsabnahme verhindern, sondern dass Patienten auch besser auf Therapien ansprechen sowie weniger Nebenwirkungen zeigen, die Lebenserwartung steigt und die Lebensqualität deutlich zunimmt. Außerdem verringert sich die Anfälligkeit für Begleiterkrankungen, insbesondere Infektionen.
Im Kh der Barmherzigen Schwestern werden die Patienten mittlerweile auf fast allen Bettenstationen am Aufnahmetag auf eine mögliche Mangelernährung untersucht und wöchentliche Verlaufskontrollen durchgeführt. Falls erforderlich, wird eine spezielle Ernährungstherapie eingeleitet, zusätzlich erfolgt einmal wöchentlich gezielt eine Ernährungsvisite, um den Patienten individuell in Ernährungsfragen zu beraten und zu behandeln.
„Seit wir dieses systematische ,Ernährungs-Screening‘ durchführen, beobachten wir eine deutliche Zunahme der Sensibilität aller Mitarbeiter das Thema Mangelernährung betreffend, wovon natürlich in erster Linie unsere Patienten profitieren“, erklärt OA Dr. Wolfgang Sieber.

Mangelernährung auch bei Übergewichtigen

Das Heimtückische an der Mangelernährung ist, dass sie von außen oft nicht erkennbar ist, denn auch übergewichtige Menschen können mangelernährt und somit vom Abbau der Muskelmasse betroffen sein. Daher wird die Mangelernährung auch in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen nach wie vor häufig übersehen.

Mag. Christian Boukal

Februar 2012

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020