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Palliativmedizin: Wenn die Lebenszeit zu Ende geht

PalliativmedizinDiagnose: Unheilbar krank. Wenn Patienten erfahren, dass das eigene Leben am Scheideweg steht, tauchen Fragen nach dem Sinn des Lebens auf. Wozu lebe ich überhaupt noch? Was bin ich noch wert? Die Pallitativmedizin rückt deshalb nicht nur die Linderung der körperlichen Beschwerden, sondern auch der seelischen in den Vordergrund. Im Mittelpunkt steht der Mensch und nicht seine Erkrankung.


In Österreich war bis in die 1980er Jahre das Wort „Hospiz“ in der Öffentlichkeit noch großteils unbekannt. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch viel getan. Mittlerweile gibt es in jedem Bundesland mobile und stationäre Hospiz- bzw. Palliativdienste.

Wandel in der medizinischen Betreuung

„Die Palliativmedizin wird immer mehr bekannt, auch wenn sie ein Großteil der Bevölkerung noch immer nicht kennt“, erklärt Oberarzt Dr. Bernhard Reitervon der Palliativstation des Krankenhauses der Elisabethinen in Linz. Doch nicht nur in der Öffentlichkeit, auch in der Medizin spielte die Begleitung und Betreuung unheilbar Erkrankter lange Zeit eine untergeordnete Rolle. In den vergangenen Jahren hat jedoch ein Wandel eingesetzt. Aus dem Wissen, dass auch beziehungsweise gerade Sterbende alle Hilfestellung und Unterstützung verdienen, ist die Pallitativmedizin entstanden.

Hospiz-Idee

Doch was ist der Unterschied zwischen Hospiz und Pallitativmedizin? Die Pallitativmedizin ist laut dem Dachverband der österreichischen Palliativ- und Hospizeinrichtungen „Hospiz Österreich“ das „Werkzeug“, um die Hospiz-Idee zu verwirklichen. Dabei steht nicht die technisierte Medizin im Vordergrund, sondern der einzelne Mensch, der durch medizinische Hilfe und psychosoziale Unterstützung in den letzten Lebenstagen betreut wird.

Hinhören und Hinschauen

Im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz gibt es seit zwei Jahren die Station „Palliative Care“. Dort werden jährlich 100 Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen versorgt. Weitere Pallitativstationen gibt es unter anderem im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Brüder in Linz. Das Ziel der Pallitiavmedizin ist die Betreuung von schwerstkranken Personen, deren Lebenserwartung aufgrund einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung begrenzt ist. Es spielt jedoch nicht nur die Behandlung der körperlichen Leiden eine wichtige Rolle, sondern auch die psychische und soziale Betreuung der Patienten. In erster Linie geht es um eine Linderung des Leidens und die Erhaltung der Lebensqualität. „Es ist wichtig zu hören, was die Menschen jetzt brauchen, also das Hinhören und Hinschauen und das Zeit haben für die Bedürfnisse des Patienten. Sie brauchen die Möglichkeit des Rückzuges auf eine ruhige Abteilung“, so Reiter.

Palliativ heißt schmerzlindernd

Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, ist es wichtig, auf die Symptome einzugehen. Durch die Anwendung moderner Therapien lassen sich vielfältige körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schmerzen oder Müdigkeit beseitigen. Auf psychischer Ebene spielen die Angst vor Einsamkeit und Isolierung eine wichtige Rolle, die durch psychologische Betreuung gelindert werden soll. „Die Menschen spüren, wo sie stehen und wissen, dass ihre Lebensdauer knapp ist. Es geht also nicht nur um den körperlichen Schmerz, sondern vielmehr um das Psychische“, erklärt Reiter.

Angehörige mitbetreuen

Neben dem Patienten werden zudem die Angehörigen umfassend betreut. „Auch auf das soziale Umfeld wird eingegangen, denn die Angehörigen sind vom Abschied in gleicher Weise betroffen. Es geht also nicht nur um den Einzelnen, sondern das Individuum im Kreis seiner Familie und Freunde. Wenn der Schwerkranke das spürt, fällt ihm das Leiden leichter“, erklärt Reiter. Auf die Bedürfnisse der Familie wird nicht nur vor, sondern auch nach dem Tod des Angehörigen durch nachsorgende Trauerbegleitungsangebote eingegangen. Einen Ratgeber für Angehörige von schwerkranken Menschen finden Sie auf der rechten Seite unter "Mehr zum Thema".

Verschiedene Arten der Betreuung

Je nach Erkrankungsstadium und Situation des Betroffenen können unterschiedliche Formen der Betreuung in Frage kommen. So kann zwischen eigenständigen, im Krankenhaus integrierten Palliativstationen und stationären Hospizen, in denen Patienten betreut werden, für die eine Behandlung im Akutkrankenhaus nicht erforderlich ist, unterschieden werden. Daneben gibt es noch Tageshospize für Patienten, die in ihrer gewohnten Umgebung übernachten, mobile Palliativteams für eine spezielle fachliche Beratung und Hospizteams, die Patienten und Angehörige auf allen Ebenen begleiten und beraten. Auf der Homepage unter http://www.hospiz.at/ kann man sich informieren, welche Hospizeinrichtungen in den jeweiligen Bundesländer zur Verfügung stehen.

Eigenes Fach erst seit 20 Jahren

Die Palliativmedizin wurde erst im Jahr 1987 vom „Royal College of Physicians in the United Kingdom and Ireland“ als eigenständige medizinische Fachdisziplin anerkannt. Die Gründung der europäischen Gesellschaft für Palliativmedizin (EAPC) erfolgte ein Jahr später in Mailand. Sie umfasst heute mehr als 30.000 Einzelmitglieder. 


Mag. Birgit Koxeder

Oktober 2007


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 29. April 2020