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Trigeminusneuralgie: Blitzartige Schmerzen im Gesicht

Trigeminusneuralgie: Blitzartige Schmerzen im Gesicht„Wie ein Blitz schoss mir der Schmerz ins Gesicht – überfallsartig und vor allem unerträglich heftig. Genauso schnell wie er kam, ging er auch wieder vorbei!“ Mit diesen ungewöhnlichen Symptomen ging ein 64-jähriger Patient zum Arzt. Die Diagnose: Trigeminusneuralgie (TN) – eine Nervenkrankheit des Gesichtes, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Prim. Priv. Doz. Dr. Nenad Mitrovic, Leiter der Abteilung für Neurologie am Landes-Krankenhaus Vöcklabruck und am LKH Bad Ischl gibt Einblicke in das Krankheitsbild.

Blitzartig einschießende, heftigste Gesichtsschmerzen, die nur kurz anhalten (von wenigen Sekunden bis zu etwa zwei Minuten), kennzeichnen eine Trigeminusneuralgie. Von 100.000 Personen sind etwa 15 betroffen, wobei Frauen doppelt so häufig an diesem schmerzhaften Phänomen leiden wie Männer. „Die Schmerzen treten spontan auf oder können durch Reize wie Kauen, Trinken, einem Luftzug, Berühren oder Rasieren ausgelöst werden“, erklärt Prim. Nenad Mitrovic.

Klassische und symptomatische Form

Die Trigeminusneuralgie lässt sich in eine klassische und eine symptomatische Form unterscheiden: Der klassischen Form liegt ein „Gefäß-Nerv-Konflikt“ zu Grunde. Dabei drücken Blutgefäße, die nahe beim Trigeminusnerv liegen, auf diesen Nerv, beschädigen dadurch seine Isolierung und lösen heftige Schmerzen aus. Nachgewiesen werden kann dieser Gefäß-Nerv-Konflikt häufig durch eine Kernspintomografie.
Wesentlich seltener – laut Studien rund 15 Prozent der Fälle – ist die symptomatische Form der Trigeminusneuralgie. Deren Ursache ist in Vorerkrankungen zu suchen. So haben etwa Patienten, die etwa an einer Multiplen Sklerose leiden, ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Schmerzmittel helfen kaum

Weil herkömmliche Schmerzmittel bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie kaum helfen, wird meist zu sogenannten Antiepileptika gegriffen. Trotz des Früherfolgs dieser Medikamente, lässt die Wirksamkeit im Verlauf der Therapie nach. Versagt die medikamentöse Therapie, werden operative Verfahren empfohlen. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.

Operative Verfahren

„Die ‚mikrovaskuläre Dekompression‘ ist ein operatives Verfahren zur Entlastung des Trigeminusnerves. Durch einen Eingriff wird der Nerv vor Druck geschützt, indem zwischen Nerv und den nahen Gefäßen ein Pölsterchen eingebracht wird. Alternativ gibt es auch minimalinvasive Verfahren, bei denen die Schmerzfasern gezielt beschädigt werden“, so Mitrovic. „Dafür können radiologische Bestrahlungen beziehungsweise eine Hitzeeinwirkung mittels einer hochfrequenten Stromtherapie am Ganglion des Nervus trigeminus (Ganglion: Nervenknoten) verabreicht werden, die den Schmerz für viele Jahre beseitigen können“, erklärt Prim. Peter Pauly, Leiter des Institutes für Physikalische Medizin und Rehabilitation an den Landeskrankenhäusern Vöcklabruck und Bad Ischl.

Mag. Christian Boukal
Jänner 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020