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Mit Hypnose gegen Angst und Schmerz

Mit Hypnose gegen Angst und SchmerzHypnose ist in Medizin und Psychologie eine wertvolle Zusatzbehandlung zur schulmedizinischen Behandlung. Vor allem zur Behandlung von Angst und Schmerz wird diese Methode angewandt.


In der Psychotherapie wird sie zum Beispiel bei verdrängten traumatischen Erlebnissen und bei körperlichen Beschwerden, für die sich keine organische Ursache finden lässt, eingesetzt. Die Nachfrage seitens der Patienten nach hypnotischer Behandlung ist groß.


„Der Großteil der Patienten, welche die hypnotherapeutische Praxis aufsuchen, sind Schmerz- und Angstpatienten. Sie haben Phobien aller Art, häufig in Kombination mit einer Depression. Diese Patienten haben einen jahrelangen Leidensweg hinter sich und sind von der Schulmedizin oft enttäuscht“, sagt Dr. Andrea Marek, Fachärztin der Schmerzambulanz in der Landes Nervenklinik Linz. Die Schmerzexpertin mit eigener Praxis nutzt klinische Hypnose ergänzend zu chronischer Schmerztherapie.

 

Die Ärztin ist von der Wirksamkeit der Hypnose überzeugt. Körperliche Schmerzen etwa nach Bandscheibenvorfällen, bei Nervenschäden, bei Arthrosen, Migräne und psychosomatischen Beschwerden bis hin zu Phantomschmerzen sind gut zu behandeln.

Neugierde und Vertrauen als Voraussetzung

Hypnose ist die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Situationen oder Gefühle. Das funktioniert allerdings nicht bei allen Patienten auf Anhieb. „Geeignet ist diese Methode für jene Patienten, die ein gewisses Maß an Suggestibilität, Kreativität und Vertrauen mitbringen. Aktive Mitarbeit des Patienten ist förderlich, Angst vor Kontrollverlust wirkt hemmend“, sagt die Hypnoseexpertin. Am besten eignen sich Menschen, die gut innere Bilder entwickeln können und Vertrauen in die Kraft des eigenen Unbewussten haben.

 

Bei der Hypnose wird der Patient in Trance versetzt.Trance hat nichts mit Magie oder faulem Zauber zu tun. Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand. Ein Zustand, den man auch in alltäglichen Situationen erfahren kann, eine Art Tagtraum oder ein Zustand, den man etwa beim Lesen eines spannenden Buches oder bei einer konzentrierten Arbeit erlebt.

Selbstverantwortung fördern

Die moderne Hypnosetherapie will die Selbstverantwortung des Patienten fördern, damit er eigene Lösungsmodelle finden kann. Durch eine meist bildhafte Sprache wird Kontakt zum Unbewussten hergestellt und ein neuer Zugang zu Verhaltensmustern und Gefühlen gesucht. „Die Patienten bekommen auch Hausaufgaben, um mit einer Art Selbsthypnose mit ihrem Schmerz oder ihrer Angst zu arbeiten“, sagt Marek.

So läuft Hypnose ab

Fixbestandteile der Hypnose sind Einleitung, Vertiefung, Aufrechterhaltung, posthypnotischer Auftrag und Amnesie für die Hypnosesitzung sowie Dehypnose. Eine Sitzung dauert 20 bis 90 Minuten plus Vorbereitung und Nachgespräch.

 

Unter Anleitung des Hypnotiseurs richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache nach innen, die Vorstellungskraft wird erhöht und die Außenwelt tritt in den Hintergrund. Musik und beruhigende Worte helfen dabei, in einen entspannten Zustand zu gelangen, während sich die Patienten zurückliegende Erlebnisse intensiv vorstellen. Oft wird man in einen kindlichen Zustand zurückversetzt. Unter Hypnose kann man sich deutlich besser erinnern als im Wachzustand. Und häufig werden Gefühle intensiver erlebt. In diesem Zustand lassen sich Wege finden, unbewältigte Probleme zu lösen und Krankheiten zu mildern.

Patient ist wach und ansprechbar

In eine Trance zu gehen und wieder aus ihr heraus zu kommen, ist ein vollkommen freiwilliger Vorgang, bei dem der eigene Wille, etwas zu tun oder zu unterlassen, in keiner Weise eingeschränkt wird. „Keiner ist mir ausgeliefert, der Klient weiß genau, was in der Trance passiert", sagt Marek.

 

Die Hypnose funktioniert nur, wenn der Patient es selbst möchte. Niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert werden. Der Patient ist während der Hypnose wach, ansprechbar und kann aktiv in die Behandlung einbezogen werden. Außerdem ist er jederzeit in der Lage, seine Augen aufzuschlagen und die Trance abzubrechen.

So erlebt man Hypnose

Äußerlich ist am Patienten eine deutliche Muskelentspannung erkennbar. Die Falten im Gesicht glätten sich und die Schultern sinken tiefer. Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung wird ruhiger, das vegetative Nervensystem wird gedämpft. Sichtbar sind auch Zuckungen der Augenlider sowie unwillkürliche Bewegungen etwa mit den Armen oder den Fingern. Auffallend ist auch eine Sprech- und Bewegungsträgheit.

 

Subjektiv spürt der Patient eine tiefe Entspannung. Nach vorheriger Fokussierung auf den Augenblick erlebt er ein Loslösen vom momentanen Zustand, ein Gefühl der Körperlosigkeit.

Vertrauen in den Arzt

Ärzte oder Psychologen mit der entsprechenden Zusatzausbildung verfügen über ein großes Repertoire an Techniken, die sie individuell auf das Problem des jeweiligen Patienten abstimmen können. Grundsätzlich sollten sich Hypnose-Patienten während der Hypnose wohl und sicher fühlen. Wichtig für den Erfolg einer Hypnosetherapie ist vor allem auch das Vertrauen in den Arzt. Die Auswahl unter den Ärzten ist freilich gering. „Das hypnotherapeutische Angebot bei niedergelassenen Ärzten ist spärlich und im Spital nur in Ausnahmefällen möglich, sagt Marek, die einzige Ärztin der Landes Nervenklinik, welche die Hypnotherapie anbietet.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020