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Mandelentfernung bei Kindern

Mandelentfernung bei KindernDie meisten Kinder haben nur gelegentlich eine Mandelentzündung. Eine Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillitis) ist zwar unangenehm, klingt aber nach einigen Tagen meist wieder ab, hält das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fest. Wenn jedoch über Jahre hinweg immer wieder Mandelentzündungen auftreten, kann sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.

Akute bakterielle Mandelentzündungen äußern sich durch Beschwerden wie Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Mattigkeit. Dazu können Atembeschwerden und Schnarchen den Schlaf stören. Entzünden sich die Mandeln in kurzen Abständen immer wieder, ist das für das Wohlbefinden sehr belastend. Auch eine Rachenentzündung, die durch Viren verursacht wird, können Halsschmerzen verursachen. Beide Formen sind auch für Ärzte oft nicht leicht voneinander zu unterscheiden, so das IQWiG.

Kinder häufiger betroffen

In jungen Jahren erkrankt man sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als im Erwachsenenalter. Manche Kinder haben etwa vier bis acht Krankheitsepisoden im Jahr, die ein bis zwei Wochen andauern können, stellt das IQWiG fest. Kinder fehlen dann in der Schule fehlen, die Eltern müssen zu Hause bleiben, um ihr krankes Kind zu betreuen.

Eine Mandelentzündung kann nur einmal auftreten oder über Jahre hinweg immer wieder. Sind die Mandeln dauerhaft entzündet, kann zum Beispiel die Atmung erschwert sein. Wenn Schmerzmittel und Antibiotika nicht ausreichend helfen, die wiederholte Einnahme Medikamenten nicht erwünscht sein oder gar Komplikationen wie eine Eiteransammlung um die Mandeln herum (Peritonsillarabszess) auftreten, wird oft über eine Operation nachgedacht.

Sich für oder gegen eine Entfernung der Gaumenmandeln zu entscheiden, kann schwierig sein. Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass die Entzündungen seltener oder gar nicht mehr auftreten. Auf der anderen Seite stehen die Risiken des Eingriffs und die Frage, ob er tatsächlich helfen kann.

Nutzen der Mandelentfernung

Eine Operation kann dazu beitragen, dass Halsentzündungen seltener auftreten. Wenn die Gaumenmandeln entfernt wurden, können sie sich nicht mehr entzünden – es kann aber sein, dass sich das Gewebe um die Mandeln herum weiterhin entzündet.

Bei Kindern mit stärkeren Beschwerden kann ein Eingriff am ehesten dazu beitragen, dass Halsentzündungen nachlassen. Von „stärkeren Beschwerden“ spricht man, wenn ein Kind häufig mehrere Tage lang Halsschmerzen und andere Beschwerden hat, die durch Mandelentzündungen verursacht werden:

  • im letzten Jahr mindestens siebenmal,
  • in den beiden letzten Jahren jeweils mindestens fünfmal oder
  • in jedem der letzten drei Jahre jeweils mindestens dreimal und die Halsschmerzen begleitet werden von
  • Fieber über 38,3°C,
  • einer Vergrößerung oder Verhärtung der Halslymphknoten,
  • eitrig belegten Mandeln oder
  • einem Nachweis bestimmter Bakterien.


Für Kinder mit stärkeren Beschwerden zeigte sich:

  • Nach einer Mandeloperation haben Kinder im ersten Jahr im Durchschnitt eine Halsentzündung.
  • Kinder, die nicht operiert werden, haben im selben Zeitraum durchschnittlich drei Halsentzündungen.


Somit könnten im ersten Jahr nach einer Operation durchschnittlich zwei Halsentzündungen verhindert werden. Auch Kinder mit leichteren Beschwerden können von einer Operation profitieren. Allerdings ist der Effekt hier kleiner: Sie haben im Jahr nach der Operation im Durchschnitt zwei statt drei Halsentzündungen.

Gründe gegen eine Operation

Bei vielen Kindern werden Mandelentzündungen mit den Jahren seltener oder treten gar nicht mehr auf. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, bei welchem Kind sich das Problem wiederkehrender Entzündungen einfach „auswachsen“ wird, so das IQWiG.

Eine Entfernung der Mandeln bringt Unannehmlichkeiten und Risiken mit sich: Nach der Operation kann die Wunde schmerzen und das Schlucken beschwerlich sein. Etwa 20 bis 50 von 100 Kindern berichten von starken Schmerzen nach der Operation. Vorübergehend können Übelkeit und Erbrechen, Schluckbeschwerden und Geschmacksstörungen auftreten. Zudem kann es zu Komplikationen wie Blutungen kommen. Die Wundschmerzen klingen meist nach ein paar Tagen ab.
Gegen eine Operation kann außerdem sprechen, dass ihr Nutzen begrenzt ist. Ob und wie sehr eine Operation hilft, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und ob die Entzündungen vorwiegend von den Mandeln ausgehen oder vom umliegenden Gewebe.

Komplikationen einer Operation

Es kann sein, dass die Wunde nach der Operation erneut zu bluten anfängt. Solche Blutungen treten vor allem in den ersten 24 Stunden nach der Operation auf (primäre Blutung) oder etwa fünf bis 28 Tage danach (sekundäre Blutung). Wenn ein Kind das Blut schluckt, fällt die Blutung zunächst nicht auf. Später kann es das Blut dann erbrechen. Eine Nachblutung gilt als Notfall und muss rasch behandelt werden.

Wie hoch das Risiko für Nachblutungen ist, hängt von verschiedenen Dingen ab: Beispielsweise vom Operationsverfahren, dem Alter der Patienten und von Vorerkrankungen. Außerdem gibt es wie bei anderen Eingriffen Risiken, zum Beispiel durch die Narkose.

Operationsablauf

Der Eingriff wird stationär und in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Die Mandeln werden mit speziellen Instrumenten entfernt. Der Krankenhausaufenthalt dauert meist etwa eine Woche.

Welche Technik?

Alle Verfahren haben Vor- und Nachteile:

  • Bei der Diathermie mit starker Hitze kommt es im Vergleich zur Dissektion während der Operation seltener zu Blutungen. Nachblutungen sind ähnlich häufig.
  • Bei einer Diathermie mit weniger Hitze (Coblation) scheinen Nachblutungen hingegen häufiger zu sein als bei einer Dissektion. In Untersuchungen kam es bei etwa zwei von 100 Menschen nach einer Dissektion zu Nachblutungen – dagegen bei etwa fünf von 100 Menschen nach einer Diathermie mit weniger Hitze.
  • Studienergebnisse deuten darauf hin, dass nach einer Dissektion weniger Schmerzen auftreten.

Beschwerden nach der Operation

Meist klingen Schmerzen nach der Operation nach ein paar Tagen ab. In dieser Zeit können Tabletten, Zäpfchen, Tropfen oder Infusionen angewandt werden. Ob spezielle Sprays, Mundspülungen oder Mundwässer die Beschwerden lindern können, wurde bislang nicht ausreichend untersucht. Bekannt ist lediglich, dass Lidocain-Spray in den ersten drei Tagen schmerzlindernd wirkt, erklärt das IQWiG. Auch gegen Übelkeit und Erbrechen stehen Medikamente zur Verfügung.

Bestimmte Verhaltensweisen sollen für schnellere Erholung erholt sorgen und das Risiko für Nachblutungen senken: In den ersten Tagen postoperativen Tagen wird zu körperlicher Schonung geraten. Sport ist erst nach einigen Wochen wieder ratsam. Zur Wundschonung ist auch weiches Essen sinnvoll. Scharfe Zutaten und Säuren, also auch Fruchtsäfte und Zitrusfrüchte, können die Wundfläche reizen. Dies gilt auch für das Gurgeln von Mundwasser.

Für Kinder, die manchmal nur schlecht damit zurechtkommen, dass ihnen Sprechen und Essen nach der Operation schwerfällt, ist es wichtig, dass ihre Eltern oder andere Bezugspersonen für sie da sind, um sie durch Gespräche, gemeinsames Lesen oder Fernsehen abzulenken. Dadurch können sie leichter zur Ruhe kommen. Wichtig ist, Kindern vor der Operation zu erklären, welche Beschwerden danach auftreten und wie man damit umgehen kann, so das deutsche Institut.

Wie die Mandeln funktionieren

Mandelentfernung bei Kindern (400px)

 

Die Mandeln (Tonsillen) gehören zum Abwehrsystem des Körpers. Durch ihre Lage an Rachen und Gaumen üben sie eine Art Wächterfunktion aus. Sie kommen besonders früh mit Krankheitserregern, die über Mund oder Nase eindringen, in Kontakt und können so das Immunsystem frühzeitig aktivieren.

Es gibt insgesamt vier Mandeln:

  • Zwei Gaumenmandeln (Tonsilla palatina)
  • Eine Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis)
  • Eine Zungenmandel (Tonsilla lingualis)


Die beiden Gaumenmandeln liegen rechts und links in der Schleimhautfalte der Gaumenbögen und sind die einzigen, die bei geöffnetem Mund ohne Hilfsmittel sichtbar sind. Die Rachenmandel liegt am Gaumendach und ist nur bei einer Nasenspiegelung sichtbar. Die Zungenmandel befindet sich weit hinten am Zungengrund an der hinteren Fläche der Zunge.

Die vier Mandeln umgeben ringförmig die Ausgänge des Mund- und Nasenraums in den Rachen. Sie werden daher zusammen auch als Rachenring bezeichnet. So können sie Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien abfangen, die über den Mund oder die Nase in den Körper gelangen könnten. Zusätzlich zum Rachenring befinden sich hinten an der seitlichen Rachenwand weitere Abwehrzellen. Diese Zellen werden auch „Seitenstrang“ genannt und können nach der Entfernung der Rachenmandel deren Aufgabe übernehmen.

Bei häufigen Mandelentzündungen können sich vor allem die Gaumenmandeln dauerhaft vergrößern. Bei Kindern kann die Rachenmandel, im Volksmund auch Polypen genannt, sehr groß werden, die Atmung behindern und einen Dauerschnupfen verursachen. Dann kann es manchmal erforderlich werden, die Mandeln durch eine Operation zu entfernen, so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Mag. Christian Boukal
April 2013


Foto: Bilderbox, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020