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Kampf dem Krampf

Kampf dem Krampf_pixelioWer häufig vom „Krampus“ geplagt wird, sollte zum Arzt gehen. Nicht umsonst umschreibt der umgangssprachliche Ausdruck „so ein Krampf“ eine verworrene Lage oder widrige Umstände, die einen quälen. Und der medizinische Begriff für Muskelkrampf - „Krampus“ - sagt eigentlich auch schon alles … Muskelkrämpfe, die einen an sich gesunden Menschen heimsuchen, tun zwar höllisch weh, sind aber in den meisten Fällen „harmlos wie ein Schnupfen“.


Ein Muskel setzt sich aus vielen Fasern zusammen, die von Nerven versorgt sind. Diese veranlassen das Zusammenziehen der Muskeln - sie spannen und entspannen sich. Kommt es allerdings zu einem unwillkürlichen Nervenreiz, kann sich der Muskel nicht entspannen, und ein Muskelkrampf entsteht.

 

„Im Gegensatz zu Krämpfen, die als Folge von Rückenmarks- oder Gehirnerkrankungen auftreten, sind etwa Waden- oder Zehenkrämpfe harmlos wie ein Schnupfen“, erklärt Primar Univ.-Prof. Dr. Gerhard Ransmayr, Vorstand der Abteilung Neurologie und Psychiatrie des Allgemeinen Krankenhauses in Linz. Hat jedoch jemand sehr häufig Krämpfe, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dasselbe gilt, wenn sie von Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen begleitet werden. Denn dann können Krämpfe Ausdruck einer ernsthaften Erkrankung wie Dystonie, Spastik, Epilepsie oder Parkinson sein“, so der Primar. „Auch bei älteren Menschen, die keinen großen Belastungen mehr ausgesetzt sind, sollte auf jeden Fall die Ursache der Krämpfe abgeklärt werden.“

 

Krämpfe in der Hand etwa können Zeichen für eine Störung der zuleitenden Nerven sein – Stichwort Karpaltunnelsyndrom. Diese Krankheit entsteht meistens durch eine Überbelastung des Handgelenks und führt zu einer Wucherung des Bindegewebes. Dadurch wird der Medianus-Nerv eingeengt. „Behandelt wird das Syndrom durch ein Ruhigstellen des Handgelenks oder mit Medikamenten. Um den Nerv von Bindegewebe zu befreien, kann auch eine Operation vorgenommen werden“, erläutert Ransmayr. Zu den Ursachen der banalen Muskelkrämpfe zählen Erschöpfung infolge von Flüssigkeitsverlust, wenig trainierte Muskeln sowie Fehl- und Überbelastungen. „Auch ein Mineralstoffmangel, hervorgerufen durch Medikamente, kann Krämpfe auslösen. Meist handelt es sich um blutdrucksenkende, wassertreibende und cholesterinsenkende Substanzen“, so Ransmayr.

 

Nicht nur Magnesiummangel kann zu Krämpfen führen. „Die Ursache für Krämpfe, die nicht sportlich bedingt sind, kann auch ein Kalziummangel sein“, erklärt der Mediziner. „Und der wiederum kann Tetanie verursachen. Dabei handelt es sich um eine Krankheit mit anfallartigen Krämpfen vor allem im Gesicht, in den Beinen und Armen. „Schuld an einem Kalziummangel kann beispielsweise eine Hormonstörung aufgrund einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse oder ein Mangel an Vitamin D sein. Eine ärztliche Untersuchung ist notwendig, um die Ursache abzuklären.“

 

Um Krämpfen vorzubeugen, sollte genug Flüssigkeit - eventuell elektrolytische Getränke - zugeführt, während eines Trainings ausreichend Pausen eingelegt und Über- sowie Fehlbelastungen vermieden werden. Ist der „Krampus“ dennoch einmal da, kann er wegmassiert oder durch Lockern der betroffenen Stellen verscheucht werden.

 

Cornelia Schobesberger

Oktober 2008


Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Ransmayr zum Printartikel „Grundsätzlich sind Muskelkrämpfe banale Angelegenheiten. Treten sie jedoch gehäuft auf, können sie Zeichen ernsthafter Erkrankungen sein. Vor allem dann, wenn Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen dazukommen.“
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Ransmayr
Primar der Abteilung Neurologie und Psychiatrie, AKh Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020