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Herzstillstand: Hand aufs Herz

Herzstillstand: Hand aufs HerzBei Herzstillstand entscheidet jede Minute über Leben oder Tod. „Hand aufs Herz" heißt das Motto für Retter in der Not. Nach aktuellem Kenntnisstand ist eine sofortige Herzdruckmassage wichtiger als eine Mund-zu-Mund-Beatmung.

Findet man eine scheinbar leblose Person, sollte man sofort den Notarzt oder einen Rettungsdienst alarmieren.

Helfen bis der Arzt kommt

Bis zum Eintreffen professioneller Hilfe kann und sollte man selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen. Durch lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an den Schultern lässt sich testen, ob die Person bei Bewusstsein ist. Ist sie nicht ansprechbar, stellt sich die Frage, ob es sich bloß um einen Kreislaufkollaps oder um einen Herzstillstand handelt. Bei einem Kreislaufkollaps atmet man noch, bei einem Herzstillstand nicht mehr. Durch Kontrolle von Puls, Atemgeräuschen und Brustkorbbewegungen lässt sich überprüfen, ob die Person atmet.
Diese Überprüfung sollte so rasch wie möglich und nur einige Sekunden lang durchgeführt werden. „Erkennt man einen Atemstillstand oder meint, einen solchen zu erkennen, sollte sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen werden“, sagt OA Dr. Rudolf Vikydal, Facharzt für Innere Medizin am LKH Steyr.

Herzdruckmassage hat Vorrang

Durch eine Herzdruckmassage kann der Blutfluss wieder hergestellt und ein ausreichender Blutdruck aufgebaut werden. In früheren Jahren wurde empfohlen, bei einer Reanimation mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen und dann mit einer Herzdruckmassage fortzufahren. Danach kam wieder eine Atemspende und dann wieder in raschem Wechsel eine Herzdruckmassage.
Die neue Empfehlung lautet: Leistet man einem bewusstlosen Menschen ohne Atmung und Puls Erste Hilfe, so sollte man sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen und die Atemspende zu Beginn weglassen. Der Grund: Da in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand in der Regel noch genügend Sauerstoff im Blut ist, ist eine Beatmung zunächst nicht nötig oder zumindest zweitrangig.
Gestützt auf neue medizinische Erkenntnisse gilt nun die 30 zu 2 Richtlinie: Nach 30 Kompressionen folgen zwei Atemspenden. Ist man als Helfer allein vor Ort, macht man aber auch nichts falsch, wenn man sich auf die Herzdruckmassage beschränkt und keine Atemspende gibt.

Kräftig und schnell drücken

Damit eine Herzdruckmassage sinnvoll ist, muss sie richtig ausgeführt werden. Der Betroffene sollte mit dem Rücken am Boden liegen. Der Helfer kniet seitlich neben dem Verletzten, macht die Atemwege frei (Kopf überstrecken, Kinn anheben), kontrolliert, dass sich keine Fremdkörper im Mund (Zahnprothesen) befinden, die die Atmung blockieren.
Falls die Person nicht atmet, beginnt die Kompression: Dabei legt man den Handballen auf die Mitte der Brust (auf die untere Hälfte des Brustbeins). Den anderen Handballen legt man darüber. Anders als bei vielen im Fernsehen dargestellten Rettungsszenen muss sehr kräftig gepresst werden. Mit gestreckten Armen sollte man fünf Zentimeter kräftig in Richtung Wirbelsäule drücken. Der Vorgang soll sehr rasch erfolgen. Die Empfehlung: Etwa 100 bis 120 Mal pro Minute drücken, das sind etwa zwei Kompressionen pro Sekunde. Drücken und loslassen erfolgen im gleichen Tempo. Der Vorgang soll sowenig wie möglich unterbrochen werden, es sei denn, man entschließt sich für jeweils zwei Atemspenden nach jeweils 30 Kompressionen.
„Eine versuchte Wiederbelebung ist durchaus auch eine Fitnessfrage. Ist der Helfer allein, fordert ihn das stark. Alleine hält man das nicht sehr lange durch, meist drei oder vier Minuten. Stehen mehrere Helfer zur Verfügung, kann man auch eine halbe Stunde drücken, so lange, bis professionelle Hilfe vor Ort ist“, erklärt Vikydal.

Mund-zu-Mund-Beatmung ist kein Muss

Die Atemspende stellt für Laienhelfer häufig eine psychologische Hürde dar, eine Reanimation überhaupt zu versuchen. Es kostet meist große Überwindung, so engen Körperkontakt mit einem Fremden aufzunehmen. Hygienische Gründe, Unsicherheit oder Angst vor Ansteckung mit möglichen Krankheiten veranlassen viele Menschen, erst gar nicht mit einer Wiederbelebungsmaßnahme zu beginnen. Das Wissen, dass eine Herzdruckmassage Vorrang hat und eine Mund-zu-Mund-Beatmung meist gar nicht nötig und hilfreich ist, sollte mehr potentielle Helfer psychologisch dazu befähigen, doch Erste Hilfe leisten zu können.
Wer sich dennoch auch zur Atemspenden entschließt, sollte jeweils nach 30 Mal Drücken zwei Mal Luft zuführen, indem man mit Daumen und Zeigefinger die Nase des Betroffenen verschließt. Setzen Sie Ihren Mund auf den leicht geöffneten Mund der Person. Langsam ausatmen. Sinnvoll ist eine Atemspende vor allem, wenn sich das Eintreffen professioneller Hilfe verzögert. Dieser Rhythmus (30 zu 2) sollte bis zum Wiedereinsetzen der Atmung oder dem Eintreffen eines Notarztes beibehalten werden.

Die häufigsten Fehler

  • Hilfe wird gänzlich unterlassen.
  • Die Person wird in Seitenlage gebracht, anstatt ihn zu reanimieren.
  • Die Herzdruckmassage wird zu langsam und/oder zu sanft angewandt. Um nicht Gefahr zu laufen, dem Bewusstlosen die Rippen zu brechen, wird häufig nur leicht gedrückt. Je fester gedrückt wird, desto mehr Blut kann durch den Körper strömen. „Man sollte sich richtig auf den Brustkorb lehnen. Dass dabei Rippen zu Bruch gehen können, kommt häufig vor und das darf man in dieser Situation auch in Kauf nehmen“, so Vikydal.

Rasches Handeln entscheidend

Je früher bei Herzstillstand die Herzdruckmassage beginnt, desto größer sind die Erfolgschancen der Reanimation. „Schon nach drei Minuten Unterversorgung mit Sauerstoff sterben die ersten Gehirnzellen ab“, erklärt Vikydal.
Die Erfolgschancen einer Reanimation sind jedoch geringer als üblicherweise erwartet. Während in den meisten TV-Szenen eine Reanimation glückt, ist dies in der Realität nicht so. Nur einem kleinen Teil der Betroffenen kann bei Wiederbelebungsversuchen außerhalb eines Spitals das Leben gerettet werden. Zudem tragen viele Überlebende – vor allem wenn die Reanimation spät einsetzt – Gehirnschäden oder Behinderungen davon. „Das soll freilich niemand von einer Hilfeleistung abhalten. Immerhin kann bis zu einem Fünftel der Betroffenen wirkungsvoll geholfen werden“, so der Kardiologe.

Defibrillator

Der Einsatz von Defibrillatoren durch Laien ist erlaubt, das Eintreffen des Rettungsdienstes muss nicht abgewartet werden. Ein vom Defibrillator abgegebener Elektroschock bringt das Herz wieder zum Schlagen und stellt damit den Blutkreislauf wieder her. Das Gehirn und andere wichtige Organe bekommen wieder den lebensnotwendigen Sauerstoff, neurologische Schäden können verhindert werden.
„Ein solches Gerät ist einfach zu bedienen, es spricht mit einem und sagt, was zu tun ist“, erklärt Vikydal. Die simple Gebrauchsanweisung: Gerät einschalten - Klebeelektroden am Patienten anbringen - Herzrhythmus vom Gerät auswerten lassen - Elektroschock auslösen (falls vom Gerät verlangt). Die Geräte entscheiden selbstständig über die Abgabe eines Elektroschocks. Eine ungewollte Fehlbedienung ist damit ausgeschlossen. Defibrillatoren findet man häufig in öffentlichen Gebäuden: Eine Plakette in grün und weiß gehalten und mit einem Kreuz und einem Herz samt Blitz, zeigt den Standort eines Geräts an.

Dr. Thomas Hartl

Februar 2012

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020