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Operationen: Keine Angst

Keine AngstEin engmaschiges Sicherheitsnetz minimiert Operationsrisiken. Eine Operation ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gesundheit. Wer sich gründlich informiert, kann mit den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten besser umgehen.

Was wir nicht kennen, macht uns Angst. Das gilt besonders dann, wenn es um das Thema „Operation” geht. Nicht wenige Patienten schieben notwendige Eingriffe wegen unbestimmter Befürchtungen immer wieder hinaus. „Eine hundertprozentige Garantie, dass eine Operation gelingt, kann niemand geben, doch die Eingriffe sind heute so sicher, dass das Hinausschieben in jedem Fall die schlechtere Alternative ist”, erklärt der erfahrene Chirurg Prim. Prof. Dr. Klaus Schwamberger, Vorstand der Chirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Ist der Eingriff medizinisch notwendig, sollte man daher nicht zu lange zaudern und rechtzeitig einen Termin für die OP vereinbaren. Was sollte man bei der Festsetzung des Operationstermins beachten? Immer wieder lehnen Patienten Eingriffe an Vollmondtagen ab, weil einschlägige „Mond-Ratgeber” davor warnen. Dr. Michael Schardtmüller vom Landeskrankenhaus Kirchdorf wollte der Sache auf den Grund gehen und schaute sich je nach Mondphase und Sternzeichenphase den Verlauf von mehr als 200 Operationen an.

 

Das Ergebnis:

Der Mond hatte keinerlei Einfluss auf den Verlauf der Operation! Es macht aus wissenschaftlicher Sicht also keinen Sinn, beim Festlegen des OP-Termins darauf zu achten. Während man sich um den Mond nicht zu kümmern braucht, macht die Festlegung bestimmter Operationen nach Jahreszeit durchaus Sinn. So werden Venenoperationen meist im Winter gemacht. Damit erleichtert man den Patienten das Tragen der dicken Stützstrümpfe nach dem Eingriff und auch Schwellungen sind im Winter weniger stark. Für Operationen im Fußbereich eignet sich hingegen eher der Sommer, wo in dieser Jahreszeit man mit Verbänden und offenem Schuhwerk besser zurechtkommt. Auch die Orientierung am weiblichen Zyklus macht aus medizinischer Sicht durchaus Sinn. So sollten außer bei Noteingriffen Frauen nicht während der Menstruation und auch nicht knapp davor operiert werden.

 

Vorsicht bei Medikamenten

Mindestens einen Monat vor und zwei Monate nach einer größeren Operation sollte die Antibabypille abgesetzt werden. Vorsicht ist bei allen blutverdünnenden Medikamenten angesagt. „Achten Sie auch auf rezeptfreie Präparate”, warnt Prof. Schwamberger, „wenn diese zum Beispiel Ginko-Extrakte enthalten, können sie ebenfalls blutverdünnend wirken.”

 

Eine Reihe von medizinischen Untersuchungen gibt Hinweise auf den Zustand des Körpers und seine Belastbarkeit bei einer Operation. Dabei werden unter anderem die Blutsenkungsgeschwindigkeit, der Blutzucker, das rote und das weiße Blutbild, die Cholesterin-, Nieren- und Leberwerte und die Leistungsfähigkeit des Immunsystems untersucht. Ebenso die Blutgruppe inklusive Rhesusfaktor, der Harn und die Leberwerte. Wer bei der OP eine Vollnarkose bekommt, muss auch ein Lungenröntgen machen. So sieht man, ob die Lunge gesund genug ist für die künstliche Beatmung. Bei Bedarf werden auch die Blutgefäße mittels Röntgen untersucht.

Eine ganze Reihe von Checks wird mittels Ultraschall gemacht — so kann man zum Beispiel Leber- und Milzvergrößerungen aufspüren. Ein Elektrokardiogramm beziehungsweise die Ergometrie zeigen dem Arzt den Herzrhythmus und die Pulsfrequenz. Alle bisherigen Erkrankungen, Unfälle und Operationen müssen vor dem Eingriff erfasst werden. Es werden Blutdruck und Puls gemessen, der Kopf, der Hals, die Lunge, das Herz, der Bauch, die Nieren und die Beine werden untersucht. All diese Untersuchungen dürfen am Tag des Eingriffs nicht länger als zwei Wochen zurückliegen und zeigen, ob ein Patient operationsfähig ist.

 

Die Vorbereitungen

Eine Stunde vor dem Eingriff erhält der Patient ein Beruhigungsmittel. Das beugt akutem Stress vor und senkt den Medikamentenverbrauch während der Narkose. Uhren, Schmuck und Prothesen werden jetzt abgelegt, Nagellack und Make-up entfernt. Anschließend geht es bereits auf einem fahrbaren OP-Tisch liegend in den Operationsraum. Dort wartet schon das Team aus Anästhesisten, Chirurgen, Assistenzärzten, OP-Schwestern und OP-Gehilfen. Alle tragen sterile Kleidung und Gesichtsmasken, um Krankheitserreger fern zu halten. Jetzt wird der Bereich des Körpers, der operiert wird, großzügig enthaart und desinfiziert. Sterile Tücher decken jene Bereiche ab, die nicht von der OP betroffen sind. Der Narkosearzt hat schon vor der Operation mit dem Patienten gesprochen und dabei frühere Erkrankungen, Allergien oder Medikamente sowie das Gewicht und die Größe erfragt. So hat er beim Eingriff selbst schon die richtige Dosierung des Narkosemittels parat. Per Injektion erhält der Patient genau die Menge, die notwendig ist, um müde zu werden und tief und fest zu schlafen. Der Anästhesist sorgt dafür, dass der Eingriff schmerzfrei vor sich geht. Er überwacht bei jeder Voll- oder Teilnarkose die Kreislauffunktionen. Auf einem großen Monitor sieht er Blutdruck, Puls, Sauerstoffgehalt des Blutes, Atemfrequenz und Tiefe der Atmung. Er verfolgt die Narkosetiefe und sorgt dafür, dass der Patient während der Operation nicht unvorhergesehen wach wird. Dank der modernen Technik ist das Narkoserisiko heute äußerst gering und damit auch die Wahrscheinlichkeit, nach dem Eingriff nicht mehr aufzuwachen. Auch Erbrechen und Übelkeit treten dank moderner Medikamente heute deutlich seltener auf als früher.

Der Eingriff selbst

Es gibt heute mehrere Arten des Operierens: Bei der klassischen Methode kommt der Arzt durch einen mehr oder weniger großen Hautschnitt zum kranken Organ oder Körperteil. Nach dem Eingriff werden das Organgewebe, die Muskulatur, das Unterhautgewebe und die Haut vorsichtig und schichtweise mit Fäden oder Klammern wieder verschlossen. Bei der endoskopischen Chirurgie, auch Knopflochchirurgie genannt, genügt ein bis zwei Zentimeter langer Schnitt. Durch diesen Eingang wird mit mehreren dünnen Rohren das erkrankte Gebiet erreicht, wo dann über diese Sonden operiert wird. Allerdings eignen sich nicht alle Operationen für diese schonende Methode. Die Laserchirurgie erledigt Schnitte mit stark gebündeltem, energiereichem Licht und hat sich vor allem in der Augen- und Hautchirurgie bewährt. Die Neurochirurgie setzt das sogenannte Gamma-Knife ein. Dabei wird durch Gammastrahlen krankhaftes Gewebe entfernt. So kann man auch im Inneren des Gehirns Tumore zerstören, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen.

Nach dem Eingriff

Nach der OP geht es in den sogenannten Aufwachraum. Hier gibt es Überwachungsgeräte, die die Körperfunktionen weiter kontrollieren. Und hier kann nach Möglichkeit auch eine nahe Bezugsperson auf den Frischoperierten warten und ihm oder ihr das Aufwachen erleichtern. Nach der Rückkehr auf die Bettenstation darf der Patient dann schon wieder flüssige Nahrung zu sich nehmen. In den Tagen nach der Operation ist leichte, vitaminreiche Kost ideal. Dabei sollte man stets in kleinen Mengen viel trinken, damit das Blut nicht eindickt. Am Tag nach der OP wird der Verband zum ersten Mal gewechselt und die Operationsnaht kontrolliert. Oft bleibt ein bis mehrere Tage ein kleiner Drainage-Schlauch in der Operationswunde, um Nachblutungen abzusaugen. Nach einem Eingriff ist Erholung angesagt! Eine Operation strengt nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche an und kann sich bis zu einem Jahr lang in anhaltender Erschöpfung und Energiemangel bemerkbar machen. Unterstützend wirkt eine Ausleitung der Narkose- und Schmerzmittel mit Basenpulver. Das hilft dem Körper beim Neutralisieren überschüssiger Säure und fördert die Erholung.

 

Dr. Regina Sailer

Juli 2008


Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild von Prim. Prof. Dr. Klaus Schwamberger zum Printartikel "Ich arbeite seit fast vierzig Jahren in der Chirurgie und in dieser Zeit hat es hier wie auch in der Narkosemedizin enorme Fortschritte gegeben. Gerade Standardoperationen sind heute eine sehr sichere Sache und ein Erlebnis, das ein Erwachsener gut bewältigen kann. Für Kinder ist es besonders beim Aufwachen nach der OP wichtig, dass Mutter oder Vater dabei sind.”
Prim. Prof. Dr. Klaus Schwamberger
Vorstand der chirurgischen Abteilung am KH der Barmherzigen Brüder, Salzburg

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020