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Durchfall: Viel trinken

Durchfall: Viel trinkenEin Durchfall kann viele Ursachen haben. Wer hat das nicht schon einmal erlebt: stechende Bauchschmerzen und das drängende Bedürfnis, sich nicht allzu weit vom WC zu entfernen. Schuld an solchen Durchfallerkrankungen können Viren, Bakterien oder Parasiten sein.

Infektiöse Durchfallerkrankungen sind weltweit die vierthäufigste Todesursache“, sagt Dr. Harald Wimmer, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am LKH Villach.

So dramatisch muss eine Diarrhöe aber nicht immer enden. Im Gegenteil: „In den Industrieländern verläuft ein Durchfall in 50 Prozent der Fälle selbstlimitierend“, erklärt der Internist. Das heißt, er hört von selbst auf, ohne dass man ihn großartig behandelt. Hat es einen erwischt, ist kein hohes Fieber dabei und der Durchfall nicht blutig, kann man 24 Stunden lang abwarten. Wichtig ist, dass man viel trinkt, im Idealfall Elektrolytgetränke. Ein entsprechendes Pulver ist in Säckchen in der Apotheke erhältlich. Auch das „Hausmittel“ Coca-Cola und Soletti kann hilfreich sein.

„Kohlenhydratreiche Getränke halten die Flüssigkeit im Körper“, erklärt Primar Wimmer. „Bessern sich die Symptome nicht oder kann man aufgrund zu großer Übelkeit nicht ausreichend trinken, sollte so schnell wie möglich das nächste Krankenhaus aufgesucht werden“, rät der Arzt. Das gilt vor allem für Personen mit einem schwächeren Immunsystem, wie ältere Menschen oder Kleinkinder. Was bei anderen harmlos verläuft, kann bei ihnen aufgrund des raschen Wasser- und Elektrolytverlusts lebensbedrohend sein.

Hygiene als Prophylaxe

Mit Stopf-Mitteln sollte man in der Selbstbehandlung vorsichtig sein, erklärt Dr. Harald Wimmer. Sie verhindern, dass ausreichend Giftstoffe ausgeschieden werden. Keinesfalls sollten Antibiotika auf Verdacht genommen werden. Es sollte erst nach einer genauen Diagnose geklärt werden, welches Mittel angezeigt ist. Besonders ärgerlich und ein häufiger Begleiter ist eine Durchfallerkrankung auf Reisen in tropischen Ländern. Die beste Prophylaxe sei in jedem Fall Hygiene, empfiehlt Primar Wimmer. Lebensmittel sollte man entweder schälen oder kochen und Wasser nur aus der Flasche trinken. Der oft empfohlene Schluck Whiskey vor dem Frühstück ist für ihn eher eine „Glaubensfrage“. Wimmer: „Ich kenne keine wissenschaftliche Arbeit, die diese Wirkung belegt.“

Sind die Beschwerden nach 24 Stunden weg, war wahrscheinlich ein Virus die Ursache. Die häufigsten sind Noroviren, gefolgt von Rotaviren, die bei Kindern besonders oft vorkommen. Dramatischer kann eine bakterielle Durchfallerkrankung verlaufen. Ist Blut im Stuhl, dann sind in den meisten Fällen Bakterien beteiligt. Denn sie lösen einen entzündlichen Durchfall aus, der eine Darmepithel-Schädigung zur Folge hat. Die häufigsten Bakterien sind aus der Familie der Campylobacter, gefolgt von den Salmonellen. Gefährlich für Risikogruppen, zu denen ältere Menschen, Patienten nach Chemo- oder Radiotherapien sowie Aids-Erkrankte zählen, ist das Bakterium Clostridium difficile. Es ist der gefürchtetste Krankenhauskeim.

Durchfall kann man auch von einer sogenannten Lebensmittelvergiftung bekommen. „Etwa eine bis 16 Stunden nach Verzehr des verdorbenen Essens bilden Bakterien Toxine, die Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall auslösen. Nach ein bis zwei Tagen sollten die Symptome von selbst abklingen“, beschreibt der Arzt das Krankheitsbild. Auch Parasiten, wie Amöben, können Durchfall auslösen. Der Erreger wird durch eine Stuhluntersuchung festgestellt und mit bestimmten Formen von Antibiotika bekämpft.

Monika Unegg
Dezember 2013


Foto: shutterstock, privat

Kommentar

Durchfall: Viel trinken„Viele Durchfallerkrankungen hören von selbst wieder auf. Bei einem schweren Verlauf – das gilt vor allem für Risikogruppen, wie ältere Menschen, Kleinkinder, Schwangere – muss so schnell wie möglich das nächste Krankenhaus aufgesucht werden.“
Prim. Dr. Harald Wimmer
Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im LKH Villach

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020