DRUCKEN

Diabetes: Lebensstil kann Risiko senken

Diabetes: Lebensstil kann Risiko senkenZu dick, zu hoher Zucker, Diabetes. Ein Leben mit dem Typ-2 Diabetes lässt sich in vielen Fällen mit einfachen Maßnahmen verhindern. Das oberste Ziel: Übergewicht vermeiden.

Diabetes Typ 2 ist eine Volkskrankheit, die in den meisten Fällen vermeidbar wäre. Denn sie entsteht in der Regel durch einen ungesunden Lebensstil. Zu viel Essen in Kombination mit zuwenig Bewegung führt zu Übergewicht und Übergewicht ist der Hauptrisikofaktor.

Eine Prävention in Sachen Diabetes 2 ist demnach einfach: Ein gesunder Lebensstil ist das Um und Auf. Dies ist auch wissenschaftlich längst untermauert, fraglich ist nur, wie stark das Risiko einer Erkrankung dadurch gesenkt werden kann. Studien sprechen von bis zu 80 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass zumindest jede zweite Erkrankung vermieden werden könnte. Tatsache ist, dass eine Änderung des Lebensstils jeder Medikamentation überlegen ist. Ein gesunder Lebensstil ist das Allerwichtigste, er ist wichtiger als alle Medikamente, die man einsetzen könnte“, sagt Prim. Dr. Bernhard Mayr, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am LKH Gmunden.
Bei Diabetes sind die Glukosewerte im Blut zeitweise oder dauerhaft erhöht. Der hohe Zuckergehalt schädigt die Blutgefäße und die Nerven. Wie wichtig Vorbeugung ist, zeigen die möglichen Folgeschäden, die bei längerfristig unbehandeltem oder schlecht eingestelltem Diabetes auftreten. So etwa Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Diabetischer Fuß, Diabetische Augenerkrankungen, Diabetische Nierenerkrankungen, Nervenstörungen.
Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 steigt das Risiko an Diabetes zu erkranken moderat, ab einem BMI von 30 steigt es deutlich. Der BMI errechnet sich folgendermaßen: Körpergewicht (in kg) dividiert durch die Körpergröße (Größe in Metern zum Quadrat).

Kalorien reduzieren

Meist besteht bei Diagnose des Typ-2-Diabetes Übergewicht. Übergewicht verhindert, dass das Insulin im Körper gut wirken kann. Eine Gewichtsabnahme führt wiederum zu einer besseren Insulinwirkung und ist daher das Ziel, das es zu verfolgen gilt. Das Prinzip hierfür ist denkbar einfach. Wer weniger Kalorien zu sich nimmt, der nimmt ab.
Prim. Mayr: „Das gelingt am Besten, wenn man viel Gemüse und auch Obst isst, und wenige tierische Fette zu sich nimmt. Wenn möglich selbst kochen und Fertigprodukte meiden, denn diese liefern kaum Nährstoffe, dafür jede Menge Kalorien, Zucker und Geschmacksverstärker. Es gibt Millionen Ernährungstipps, was man essen soll, wann und wie oft. All diese Details sind aber nicht entscheidend, wichtig ist vor allem, dass man die Kaloriemenge an sich reduziert. Und zwar nicht mit Diäten, sondern durch eine langfristige Umstellung der Ernährung. Das klingt einfach, ist es aber oft nicht, denn für viele Menschen ist reichliches Essen eine Art Lebensmittelpunkt. Manche nehmen lieber Tabletten, als sich beim Essen zurückzunehmen.“
Achtung auch bei Alkohol: Alkoholische Getränke haben viele Kalorien. Ein einziges Bier etwa beinhaltet bis zu 200 Kalorien.

Gefahr Bauchfett

Bei der Entstehung des Typ 2 Diabetes spielt das Körperfett eine große Rolle. Nach herrschender Studienlage erhöht vor allem das Bauchfett (viszerales Fett genannt) das Diabetesrisiko. Wichtig ist dabei die Verteilung von Fett. Es gilt daher den Bauchumfang im Blick zu haben und diesen auch zu messen. Männer ab 94 Zentimeter Bauchumfang tragen ein erhöhtes Risiko mit sich, ab 100 Zentimeter ein deutlich erhöhtes Risiko. Für Frauen gelten die Werte 80 (Risiko) und 88 (deutlich erhöhtes Risiko.) Gemessen wird mit einem Maßband an der umfangreichsten Stelle (diese ist in der Regel im Bereich des Bauchnabels).

Früh übt sich

Prävention ist der wichtigste Schlüssel zur Vermeidung von Diabetes und sollte so früh wie möglich einsetzen. In der Kindheit wird das Ernährungsverhalten geprägt. Dieses ist zwar ein Leben lang veränderbar, fällt aber als Erwachsener oft schwer und ist mit starken Verzichtsgefühlen verbunden. „Glücklich, wer schon als Kind eine positive Ernährung erfährt“, so Prim. Mayr.

Weitere Risikofaktoren

Neben Übergewicht erhöhen auch weitere Umstände das Risiko, an Diabetes 2 zu erkranken: Dazu zählen unveränderliche Faktoren wie Alter und Vererbung und veränderliche Faktoren wie Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker, Rauchen und Bewegungsmangel.

Diabetes in der Familie: Vererbung, also die Gene, spielen eine Rolle. Das Risiko ist erhöht, wenn leibliche Verwandte an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind oder waren. Leidet etwa der Vater oder die Mutter an Diabetes, haben auch die Kinder ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Neben den Genen trägt zusätzlich das familiäre Umfeld dazu bei, dass Diabetes 2 in Familien gehäuft auftritt. Denn: Ernähren sich die Eltern falsch, gilt das meist auch für die Kinder.

Das Alter: Das Diabetes-Risiko nimmt mit dem Alter zu. Diabetes mellitus Typ 2 tritt ab einem Alter von rund 40 Jahren auf (er wird daher auch Altersdiabetes genannt). Die Tendenz ist aber besorgniserregend: Immer mehr Menschen erkranken daran oder befinden sich in einer Vorstufe des Diabetes. Diese Tendenz wäre allerdings veränderbar, da sich der zunehmende Anteil an jungen Diabetikern durch den Lebensstil (Fastfood, keine Bewegung, Rauchen) erklären lässt.

Bewegung und Sport

Bewegung sorgt dafür, dass Insulin besser wirkt und der Zucker vom Blut in die Zellen gelangen kann. Dadurch sinkt der Blutzucker und die Zellen werden mit der notwendigen Energie versorgt. „Bewegung hilft nicht nur im Kampf gegen überschüssige Kilos, sie ist zur Vorbeugung auch an sich wichtig, weil durch die Bewegung in den Zellen Zucker verbrannt wird“, so Prim. Mayr. Wichtig ist dabei, dass man sich moderat und regelmäßig bewegt. Nicht Leistung ist wichtig, sondern die Hinwendung zu einem mobilen Lebensstil.
Stark Übergewichtige sollten anfangs nur gehen und walken, oder es mit Haus- und Gartenarbeit versuchen, später dann möglicherweise Joggen und Radfahren. „Wichtig ist es, dass man sich etwas sucht, das einem Spaß macht, sonst bleibt man nicht dabei“, so Mayr. Und dieses „Dabei bleiben“ ist entscheidend. „Wetterunabhängig und regelmäßig mindestens drei Mal pro Woche mehr als 30 Minuten“, empfiehlt der Internist. Die Intensität sollte so gewählt werden, dass man sich dabei mühelos unterhalten kann.
Nicht nur Ausdauersportarten beugen einem Diabetesrisiko vor, auch Kraftsport ist hilfreich. Denn bei körperlicher Aktivität werden viele Kalorien verbrannt und Energie verbraucht. Der Blutzucker sinkt und eine Gewichtsreduktion fällt leichter. Am Besten betreibt man Ausdauer- und auch (gemäßigten) Kraftsport, wichtig ist aber vor allem, dass man den Körper in Schwung bringt, die Muskeln betätigt, den Kreislauf anregt.

Auch Diabetiker profitieren

All diese Maßnahmen dienen nicht nur der Prävention, sondern auch Menschen, die bereits an Diabetes erkrankt sind, profitieren davon. „Denn die Risikominimierung ist entscheidend. Ein Diabetiker kann durch seinen Lebensstil entscheidend dazu beitragen, dass sich sein Gefäßrisiko minimiert, er also von schwerwiegenden Erkrankungen verschont bleibt“, so der Primarius.

Dr. Thomas Hartl
August 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020