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Darmspiegelung: Zehn Minuten, die Leben retten

Darmspiegelung: Zehn Minuten, die Leben rettenVorstufen des Darmkrebses lassen sich durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) erkennen und zugleich entfernen.





Enormer Nutzen

In Österreich werden jährlich 5000 Fälle von Dickdarmkrebs diagnostiziert. „90 bis 95 Prozent davon ließen sich durch eine regelmäßige Darmspiegelung verhindern. Es gibt keine andere Vorsorgeuntersuchung, die derart effektiv ist wie die Koloskopie“, sagt OA Dr. Klaus König, Leiter der endoskopischen Ambulanz am Landes-Krankenhaus Freistadt.

Laut österreichischem Vorsorgeplan sollten sich alle Personen ab dem 50. Lebensjahr alle zehn Jahre einer Koloskopie unterziehen. Wenn bei Verwandten ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr ein Dickdarmkarzinom aufgetreten ist oder gehäufte Polypenvorkommen bekannt sind, sollte man laut König die erste Untersuchung bereits ab dem 40. Lebensjahr vornehmen lassen.

Männer und Frauen betroffen

Darmkrebs betrifft beiderlei Geschlecht. Männer wie Frauen sollten die Möglichkeit der Koloskopie gleichermaßen nützen. Männer haben hierzulande ein höheres Darmkrebsrisiko, weil sie die Vorsorgemöglichkeit der Darmspiegelung weniger nützen als Frauen. Männer sind zudem stärker von zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und Fettleibigkeit betroffen.

Krebsvorstufen finden und entfernen

Eine Darmspiegelung dient dazu, rechtzeitig Polypen zu finden und zu entfernen. Polypen bezeichnen Gewebsneubildungen an der Darminnenwand. Ein Polyp kann im Laufe der Zeit zu Krebs entarten. Dies dauert in den meisten Fällen mehr als zehn Jahre. „Man sollte sich zirka alle sieben Jahre untersuchen lassen“, empfiehlt der Mediziner. Werden bei einer Koloskopie Polypen gefunden und entfernt, wird eine neuerliche Untersuchung je nach Gewebebefund in einem kürzeren Intervall erfolgen. „Werden die Polypen rechtzeitig entfernt, gibt es fast 100 Prozent Sicherheit, dass sich kein Darmkrebs entwickelt“, erklärt König.

Durchführung dauert nur Minuten

Eine Darmspiegelung kann ambulant oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Der Dickdarm wird vom After bis zum Blinddarm mit einem schlauchartigen Instrument (Koloskop) - ein Spiegelgerät, das über eine Optik und eine Lichtquelle verfügt - untersucht. Dieses optische System erlaubt es, das Darminnere zu beleuchten und über einem Monitor zu betrachten. Über das Koloskop lassen sich zudem zangenähnliche Geräte einführen, um damit kleine Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmschleimhaut zu entnehmen oder kleine Polypen zu entfernen.

Die Prozedur dauert in der Regel nicht mehr als 10 bis 15 Minuten. Etwas länger dauert es, wenn mit der Zange kleine Polypen abgetragen werden. Werden größere Polypen gefunden, können diese ebenfalls mittels Koloskop entfernt werden, eine stationäre Aufnahme ist aber für eine Nachbeobachtungsphase nötig. Ist ein entfernter Polyp bereits zu Krebs entartet, ist in der Regel die operative Entfernung des betroffenen Darmabschnittes notwendig.

Darmreinigung unerlässlich

Voraussetzung für die genaue Beurteilung des Dickdarms ist die gründliche Reinigung des Darms. Ohne diese wichtige Vorbereitungsmaßnahme ist keine sinnvolle, weil aussagekräftige Spiegelung möglich. „Es gibt unterschiedliche Mittel zur Darmreinigung. Meist muss man 2 bis 4 Liter salzige Lösung trinken. Dabei stehen verschiedene Geschmacksrichtungen zur Auswahl. Eine andere Möglichkeit ist das Trinken von nur einem Viertelliter Lösung und zusätzlich viel Wasser und Tee. Es ist nur wichtig, dass insgesamt rund 4 Liter getrunken werden. Manche haben damit überhaupt kein Problem, für andere ist diese Vorbereitungsmaßnahme unangenehmer als die Spiegelung selbst“, erklärt König.

Bereits einige Tage vor der Darmspiegelung sollten keine körnerhaltigen Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, aber auch Kiwis oder Trauben gegessen werden. Zwei Tage vor der Untersuchung sollte man nur leichte Kost wie Fisch oder Suppen zu sich nehmen. Zusätzlich sollte man viel Wasser und Tee trinken. Am Tag vor der Spiegelung sollte man nur leicht frühstücken, zu Mittag klare Suppe essen und auf das Abendessen ganz verzichten.

Keine falsche Scham

Viele Patienten meiden oder verschieben ihre Unersuchungstermine, weil sie sich vor Schmerzen fürchten oder weil ihnen der Eingriff peinlich ist. Beide Befürchtungen erweisen sich in der Regel als unbegründet. Scham ist fehl am Platz. Erstens muss sich niemand nackt präsentieren, ein Tuch sorgt für den Schutz der Intimsphäre und zweitens ist diese Prozedur für die durchführenden Ärzte ein alltäglicher Routinevorgang. „Für manche Patienten bedeutet die Untersuchung zwar eine gewisse Hemmschwelle, diese Angst legt sich aber und die Patienten akzeptieren die Situation sehr schnell“, weiß König.

Beruhigungsspritze

Für die Untersuchung besteht auch die Möglichkeit einer Sedierung (Beruhigungsspritze, „Wurstigkeitsspritze“). Je nach Wirkstoff wirkt sie beruhigend und/oder schmerzstillend. „60 Prozent der Patienten nutzen diese Möglichkeit“, sagt König. Manche Patienten verzichten darauf, weil sie die Kontrolle über das Geschehen behalten möchten. Manche meinen auch, sie würden unter dem Einfluss einer Beruhigungsspritze einen möglichen Durchstich der Darmwand nicht bemerken. Eine Angst, die der Fachmann entkräftet. „Es gibt keine Häufung von Darmverletzungen bei Sedierungen.“ 

Vor- und Nachteile einer Sedierung

Vorteile: Der Patient wird schläfrig, er bekommt von der Untersuchung kaum etwas mit, die Schmerzwahrnehmung wird gesenkt oder ganz ausgeschaltet. Er macht sich durch das Wissen der Schmerzlosigkeit im Vorfeld weniger Sorgen.

Dass der Patient von der Untersuchung nichts mitbekommt, ist auch ein Nachteil. Er kann dem Bild der Kamera am Monitor nicht folgen und sieht dadurch nicht, was der Arzt sieht. Die Sedierung bewirkt, dass der Patient den Vorgang und die Erklärungen des Arztes vergisst. „Es ist ähnlich wie bei einem Betrunkenen, dem man nach der Ernüchterung alles noch einmal erklären muss“, so König. Ohne Sedierung kann man nach der Durchführung der Darmspiegelung sofort wieder nach Hause gehen. Mit Spritze sollte man sich erst ausschlafen oder zumindest muss dafür gesorgt sein, dass der Patient abgeholt wird. Denn nach einer Beruhigungsspritze darf der Patient 24 Stunden lang nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.

Beruhigungsspritze ist ein Kann, aber kein Muss

„Die Untersuchung ohne Sedierung durchzuführen, ist durchaus anzustreben, weil das Fehlen oder Auftreten von Beschwerden für den Patienten erst während der Koloskopie zu beantworten ist“, sagt König. Zudem besteht die Möglichkeit, im Verlauf der Untersuchung - falls doch Schmerzen auftreten sollten - sich die Spritze verabreichen zu lassen.

Dr. Thomas Hartl
Jänner 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020