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Schwindel: Die Welt dreht sich…

Schwindel: Die Welt dreht sich…Schwindel ist nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Gesundheitsproblem in den Hausarzt-Praxen. Die Auslöser für Schwindelanfälle sind äußerst vielfältig. Und auch die Art der auftretenden Schwindelprobleme variiert.

Die Auslöser für Schwindelanfälle sind so vielfältig wie sie sich äußern können. Bei einem Patienten scheint sich die Welt im Kreis zu drehen, ein anderer hat das Gefühl, der Boden schwankt unter seinen Füßen. Wieder andere haben das Gefühl zu sinken oder zu schweben und einige glauben zu taumeln. Die Gründe können in Herzrhythmusstörungen liegen. Ist das Gleichgewichtsorgan gestört oder der Blutdruck schwankt, leidet der Patient an Diabetes, kann das auch zu Schwindel führen. Schließlich kann Schwindel auch die Nebenwirkung von Medikamenten sein. Bei so vielen möglichen Ursachen ist der Arzt auf die genaue Mitarbeit der Patienten angewiesen, um den Grund der Krankheit zu ermitteln – und damit auch die richtige Behandlungsmöglichkeit zu finden.

Vestibularapparat

Schwindel entsteht immer dann, wenn das Orientierungssystem des Körpers gestört ist. An diesem System sind die Augen, der Gleichgewichtssinn und die so genannte Tiefenwahrnehmung beteiligt. Das Sehen und die Verarbeitung optischer Reize sind dabei ein wichtiger Faktor.
Der Gleichgewichtssinn wird im Wesentlichen durch ein bogenförmiges Gebilde im Ohr – dem Vestibularapparat – bestimmt. Er enthält eine Flüssigkeit und Sinneszellen, die Veränderungen der Lage von Kopf und Körper erfassen. Die Flüssigkeiten in den Bogengängen des Vestibularapparats bewegt sich relativ zu Bewegungen des Kopfes und Köpers langsamer und üben einen Reiz auf die Sinneszellen aus. Dieser Reiz wird in Signale an das Gehirn übersetzt, die Auskunft über die Lage des Körpers im Raum gibt. Die Tiefenwahrnehmung als dritter Faktor erfasst durch Rezeptoren im Inneren des Körpers, ähnlich wie beim Tastsinn, Informationen über die Muskelanspannungen oder die Gelenkstellungen. Dies hilft dem Gehirn, festzustellen, in welcher Lage sich bestimmte Körperteile befinden.

Widersprüchliche Sinneswahrnehmen

Werden von den einzelnen „Agenten“ des Orientierungssystems widersprüchliche Informationen übermittelt, kann Schwindel auftreten. Beispielsweise in einem Fahrstuhl, wenn die Augen zwar keine Ortsveränderung feststellen, die Tiefenwahrnehmung des Körpers jedoch eine Druckveränderung und damit Bewegung signalisiert. Schwindel kann häufig von einer Störung der Reizaufnahme im Gleichgewichtsorgan ausgehen – oder aber von fehlerhafter Übermittlung der Signale im Gehirn.
Sehstörungen können an Schwindel genauso beteiligt sein wie psychische Ursachen, die zu Veränderungen bei den Gehirnbotenstoffen führen. Durch Depression, Angststörung oder Phobien ausgelöste Schwindelerkrankungen sind nach Auffassung der Stuttgarter Psychotherapeutin Dr. Annegret Eckhardt-Henn in 30 bis 50 Prozent aller Fälle anzunehmen, wie sie gegenüber dem Mediendienst obx-medizindirket erklärt. Auch an körperliche Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Unterzuckerung bei Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen muss bei der Suche nach Auslösern von Schwindel gedacht werden. Und nicht zuletzt können Medikamente, wie sie etwa gegen Übelkeit, Bluthochdruck, Muskelverkrampfungen oder Depressionen verabreicht werden, Schwindel verursachen.

Tests helfen bei der Ursachen-Forschung

Eine besondere Form der Schwindelerkrankung ist der Drehschwindel, der bei der Menière-Krankheit auftritt. Diese wird durch vermehrte Bildung von Flüssigkeit im Innenohr ausgelöst. Durch den erhöhten Druck können Schwindel, Übelkeit, Verlust des Gehörs und Tinnitus auftreten. Schon die genaue Schilderung der Schwindelsymptome und den Begleiterscheinungen kann wichtige Hinweise auf die mögliche Ursache geben. Wenn dem Patient zum Beispiel schwarz vor Augen wird oder er „Sternchen sieht“, liegt der Verdacht auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung nahe. Zur Abklärung der Ursachen ist eine Anamnese und eine gründliche körperliche Untersuchung notwendig. Dazu gehören Geh- und Stehtests mit offenen und geschlossenen Augen. Auch das Ohr wird untersucht und oft sind Befunde von Hals-Nasen-Ohren- und Nervenspezialisten nötig.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei bestimmten Schwindelerkrankungen kann ein Schwindeltraining Abhilfe schaffen. Ungefähr 90 Prozent der Betroffenen können damit während weniger Wochen frei von Beschwerden werden. Bei den psychisch bedingten Schwindelkrankheiten werden Medikamente wie Antidepressiva oder Arzneimittel, die den Gehirnstoffwechsel regulieren, eingesetzt.

Training gegen Schwindel

Die Ärzte der Neurologischen Klinik der Universität Magdeburg empfehlen als Hausmittel zwei Übungen gegen Schwindelbeschwerden, die durch Störungen des Gleichgewichtssinnes bedingt sind. Dieses bewährte Gleichgewichtstraining könne die Beschwerden verringern oder sogar ganz verschwinden lassen.

  • Drehstuhltraining
    Bei dieser Übung sitzt der Patient auf einem Bürostuhl und fixiert mit den Augen einen bestimmten Punkt, der nicht weiter als 50 Zentimeter entfernt sein sollte – zum Beispiel eine Tasse. Nun wird die Tasse im Auge behalten und der Körper langsam um 90 Grad nach rechts und links gedreht. Die Übung regt das Gleichgewichtssystem an.
  • Tennisballtraining
    Dabei wird ein Tennisball an einer Schnur in Augenhöhe befestigt. Die Augen des Probanden sollen 30 bis 50 Zentimeter vom Ball entfernt sein. Dann wird der Ball zum Pendeln gebracht, während der Proband zehn Schwingungen lang den Ball mit den Augen verfolgt, ohne den Kopf zu bewegen. Nach einer kurzen Pause wird die Übung wiederholt, diesmal folgt aber auch der Kopf den Bewegungen des Balls, Diese Übung trainiert die vom Gleichgewichtssinn abhängige Fähigkeit, Blickzielen zu folgen.


Mag. Christian Boukal, obx-medizindirekt
Februar 2012


Foto: obx-medizindirekt

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020