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Schielen: Neue Software bei Operationen

OP-ÄrztinEin neues Computerprogramm ermöglicht Ärzten die exakte Planung von Operationen, mit denen das Schielen korrigiert wird. Entwickelt wurde das Softwaresystem „SEE-KID“ von einer Hagenberger Forschergruppe in der RISC Software GmbH der Universität Linz.

Schielen kann permanent bestehen oder auch nur zeitweilig auftreten. Vor allem bei Kindern ab dem ersten Lebensjahr ist Schielen ein häufiges Krankheitsbild. Unbehandelt kann es im Laufe der weiteren Entwicklung des Sehvermögens zu bleibenden Sehstörungen führen, warnen die Forscher.

Angeborene Weitsichtigkeit

Im Verlauf der ersten Lebensjahre entwickeln sich jene Strukturen im Gehirn, die am Sehvorgang beteiligt sind. Etwa vier bis sechs Prozent aller Kinder leiden an Schielen aufgrund meist angeborener Weitsichtigkeit. Tritt im Erwachsenenalter plötzlich ein Schielen auf, kann eine Augenmuskellähmung dafür verantwortlich sein. Deshalb sollte plötzlich auftretendes Doppeltsehen sofort vom Augenarzt abgeklärt werden, so die Experten. Hält das Schielen über längere Zeit an, kann in vielen Fällen eine Schieloperation durchgeführt werden. Diese ermöglicht - zumeist beim Blick geradeaus und bei leichtem Seitwärtsblick - wieder ein doppelbildfreies Sehen.

Korrektur durch Operation

Bei solchen Operationen werden einer oder mehrere der sechs Augenmuskeln eines Auges vom Augapfel abgetrennt und an anderer Stelle wieder angebracht. Dadurch erreicht der Chirurg eine Veränderung der Richtung in der ein Augenmuskel das Auge dreht und kann bei sorgfältiger Planung ein bestehendes Schielen korrigieren. Schieloperationen sind heute sichere Routineeingriffe. Oft sind aber, bedingt durch das komplexe Krankheitsbild, mehrfache Operationen notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. „Anhand von Untersuchungsergebnissen kann der Augenarzt die Augenfehlstellung seines Patienten virtuell darstellen“, erläutern Dipl. Ing. Dr. Michael Buchberger und Dipl. Ing. Thomas Kaltofen, die „SEE-KID“ unter medizinischer Leitung von Prof. Dr. Siegfried Priglinger vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz entwickeln. An diesem Modell können anschließend alle in der Praxis möglichen Eingriffe simuliert und somit für den Patienten der optimale Eingriff sowie das operative Vorgehen bestimmt werden.

Neue Software

Das Softwaresystem „SEE-KID“ bietet Augenchirurgen die Möglichkeit, eine am Patienten gemessene Augenfehlstellung am Computer nachzustellen und chirurgische Eingriffe an den Augenmuskeln interaktiv zu simulieren. „SEE-KID” (Software Engineering Environment for Knowledge-based Interactive Eye Motility Diagnostics) ist eine Forschungsinitiative, die vom Land Oberösterreich, dem Gesundheitsministerium und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz gefördert wird.

Optimale Planung vor Operation

Vor allem komplizierte Operationen müssen detailliert geplant, geeignete Operationsschritte sorgfältig ausgewählt werden. Diese Planung wird durch „SEE-KID“ optimiert. Der Chirurg kann die Messergebnisse vom Patienten auf den Computer übertragen und wichtige Parameter wie Messpunkte, Drehmomentlinien, Ursprungs- und Ansatzverhältnisse auf der Augenoberfläche darstellen. Anhand dieser Informationen kann er Fehlfunktionen als Abweichungen von idealen Ansatz-, Ursprungs- und Streckenänderungen interpretieren. Er kann Eingriffe simulieren, die dreidimensional grafisch und in Messskalen zum Vergleich mit klinischen Parametern dargestellt und auf Plausibilität geprüft werden. Diese optimierte Operationsplanung hilft, Mehrfachoperationen zu verhindern.

Verbesserung für Patienten

Seit 2008 wird das System in Kliniken und Ausbildungsinstitutionen etwa in Linz, Salzburg, Wien, Graz, Klagenfurt und Wiener Neustadt eingesetzt. Die weiteren Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Verbesserung von Augenbewegungsmessung, Dokumentation und automatischer Operationsplanung. „An oberster Stelle der Arbeiten steht die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung, um eine Verbesserung für die Patienten zu erreichen“, betont das Forschungsteam. Weitere Informationen können unter der Homepage „www.see-kid.at“ abgerufen werden.

Cornelia Schobesberger

April 2009

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020