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Paukenröhrchen im Ohr: Klein, aber fein

Paukenröhrchen im Ohr: Klein, aber feinSie sind klein und auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar: Paukenröhrchen sind jedoch insbesondere bei immer wiederkehrenden Mittelohrentzündungen eine große Hilfe. Wann sie eingesetzt werden und warum sie helfen, erklärt der HNO-Arzt Dr. Anton Buchacher.

Doch zunächst zur Anatomie: Das Mittelohr wird durch die Ohrtrompete (Eustachische Röhre oder Tube) – ein schmaler Gang, der zum Nasenrachen führt – belüftet. Dadurch kann das Trommelfell optimal schwingen und es herrscht ein stets gleicher Luftdruck. Durch verschiedene Ursachen wie Entzündungen (beispielsweise Mittelohrentzündungen), anatomische Veränderungen oder Tumoren kann dieser Gang blockiert werden und Flüssigkeit sammelt sich darin an. Die Folge ist ein Paukenerguss, der in der medizinischen Fachsprache als Seromukotympanon bezeichnet wird. „Das ist ein Folgezustand von nicht ausgeheilten Mittelohrentzündungen, wo sich eine zähe, schleimige Flüssigkeit hinter dem Trommelfell ansammelt, die vom Körper nicht mehr resorbiert werden kann. Der Patient hat durch einen solchen Erguss – eine ‚stille Mittelohrentzündung‘ – zwar keine Schmerzen, hört aber sehr schlecht“, erklärt Dr. Anton Buchacher, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am Krankenhaus in Bad Ischl. Sind kleine Kinder davon betroffen, kann dies Auswirkungen auf die Sprachentwicklung haben.

Schnitt ins Trommelfell

Paukenergüsse werden zunächst medikamentös oder konservativ behandelt. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann ein operativer Eingriff notwendig sind. Dabei wird ein Schnitt im Trommelfell gesetzt und die Flüssigkeit abgesaugt. Die Wunde heilt meist innerhalb von wenigen Tagen von selbst wieder zu. Treten Paukenergüsse immer wieder auf und liegt sehr zähflüssiges Sekret vor, reicht diese Behandlung nicht aus – sogenannte Paukenröhrchen kommen ins Spiel. „Paukenröhrchen sind kleine Kunststoffteile mit einer Größe zwischen zwei und drei Millimetern, deren Innendurchmesser zirka einen Millimeter beträgt. Das Material kann Fluoroplastik, Titan oder Gold sein. Es gibt auch T-förmige Röhrchen, die dann als Langzeitröhrchen mehrere Jahre im Ohr verbleiben“, so der Mediziner.

Sekret fließt ab

Die Röhrchen werden dann verwendet, wenn das Trommelfell länger offen gehalten werden muss, damit sich die Flüssigkeit nicht mehr ansammelt. Der Einsatz von Paukenröhrchen bzw. Paukendrainagen erfolgt bei Kindern meist in Vollnarkose. Bei Erwachsenen reicht eine örtliche Betäubung. „Oft wird der Eingriff mit der Entfernung der sogenannten Rachenmandeln – also der Polypen – kombiniert“, so der HNO-Arzt. Die Paukenröhrchen werden vom Körper nach rund sechs bis neun Monaten von selbst wieder abgestoßen. Ist das nicht der Fall, entfernt man sie in einer Kurznarkose.

Sofortige Hörverbesserung

Doch warum helfen die kleinen Röhrchen überhaupt? Paukenröhrchen führen dazu, dass das Mittelohr besser durchlüftet wird und die Schleimhaut dadurch ausheilen kann. „Der größte Vorteil aber ist die sofortige deutliche Hörverbesserung. Das Verhalten der Kinder verändert sich sehr positiv; sie werden aufmerksamer, sind wieder an allem interessiert und es verbessern sich naturgemäß die Leistungen der Schulkinder beziehungsweise die sprachliche und geistige Entwicklung bei Vorschulkindern“, sagt Buchacher.

Risikoarmer Eingriff

Der Eingriff birgt nur wenige Risiken. In seltenen Fällen können Blutungen aus dem Gehörgang oder Schmerzen auftreten. Sehr selten kann es zur Verletzung von Nerven kommen. In einigen Fällen können auch Entzündungen auftreten. Buchacher dazu: „Prinzipiell besteht aber nur das Risiko, dass sich das Trommelfell nach Abstoßung des Röhrchens nicht mehr verschließt. Das tritt aber in weniger als einem Prozent der Fälle auf. Das Loch kann dann durch eine sogenannte Myringo- oder Tympanoplastik operativ verschlossen werden – ein in erfahrenen Händen unkomplizierter Eingriff.“

Verhaltensregeln mit Paukenröhrchen

Sitzt das Paukenröhrchen im Trommelfell, gilt es einige Dinge zu beachten: Die Drainage stellt quasi eine offene Verbindung zwischen dem Gehörgang und dem Mittelohr dar. Aus diesem Grund muss der Eintritt von Wasser – beispielsweise beim Baden, Duschen oder Schwimmen – auf alle Fälle vermieden werden. Es ist daher das Tragen von individuell angepassten Ohrstöpseln notwendig. Diese sogenannte Schwimm- beziehungsweise Wasserschutz-Otoplastik fertigen Hörgeräteakustiker individuell an. „Wichtig ist, dass dieser Schutz jedes Mal beim Baden getragen werden muss“, erklärt der HNO-Arzt.

MMag. Birgit Koxeder
September 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020