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Gute Nachricht für Gräserpollen-Allergiker

Gute Nachricht für Gräserpollen-Allergiker - Frau mit TaschentuchEine „Gräsertablette“ soll noch heuer Gräserpollen-Allergikern das Leben erleichtern. Das Medikament kann die regelmäßigen Injektionen unter die Haut ersetzen. An der landläufig als „Heuschnupfen“ bekannten Pollenallergie leidet etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung. Der häufigste Auslöser dafür ist der Blütenstaub der heimischen Gräser.

Pollensaison

Besonders diesen Winter muss der Allergie-Kalender neu geschrieben werden: Die Hasel blüht schon seit Dezember, die Birke wird heuer schon im März – statt wie sonst im April – ihre Pollen freisetzen, sagt Elke Zach-Heuer von der Biologischen Station im deutschen Ennepetal im Ruhrkreis.

Gräser blühen früher

Die Gräser werden schon im Mai folgen, statt wie bisher im Juni oder Juli. Dieser Trend sei zwar schon seit einigen Jahren feststellbar, aber besonders dieses Jahr wird die Auswirkung voll zu spüren sein.

Dennoch gibt es Entwarnung. Die belastenden Phasen dauern nicht länger als früher, sie beginnen nur früher: "Wenn die Pflanzen ausgeblüht sind und ausgestreut haben, ist Schluss", so Zach-Heuer. Auch eine verstärkte Belastung durch die Verschiebung sei nicht zu erwarten:"Pollen und Gräser blühen trotzdem zu unterschiedlichen Zeiten, und nicht jeder Allergiker reagiert sowohl auf Pollen als auch auf Gräser."

Medikamente als Abhilfe

Für die Bekämpfung der Heuschnupfen-Symptome gibt es beispielsweise Antihistaminika oder Cortison-Sprays. Die Behandlung, die die Ursachen bekämpft, ist allerdings nur eine Immuntherapie. Bisher wurden die Medikamente dafür entweder regelmäßig in steigender Dosierung unter die Haut gespritzt oder als Tropfen verabreicht. Eine Immuntherapie bei Heuschnupfen soll auch die spätere Entwicklung von Asthma verhindern helfen.

Erleichterte Einnahme

Die neuen Tabletten bieten nun eine komfortablere Form der Verabreichung. Die Toleranz des Immunsystems wird über die Einnahme von Allergenen trainiert. Dazu werden die Tabletten unter die Zunge gelegt, wo sie langsam zergehen. Im Gegensatz zu Injektionen oder Tropfen müssen die Tabletten nicht gekühlt werden. Die Therapie dauert drei Jahre.

Studienergebnisse viel versprechend

Die Auswertungen von Doppelblindstudien (eine Gruppe erhält das „echte“ Medikament, eine andere ein Placebo) aus 51 Behandlungszentren in ganz Europa waren Erfolg versprechend. Bei 82 Prozent jener Pollenallergiker, die das reale Medikament erhielten, stellte sich eine subjektive Besserung der Beschwerden ein, hingegen nur bei 49 Prozent der Placebo-Gruppe.

Zudem kamen die Studien zu dem Ergebnis, dass die „Gräsertablette“ schon in der ersten Pollensaison die Symptome des Heuschnupfens über den Placeboeffekt hinaus um 30 Prozent senkte.

Darüber hinaus zeigte sich, dass die „Gräsertablette“ bereits während der ersten Pollensaison die allergischen Symptome (rinnende Nase, Niesen, juckende Augen, Husten) über den Placeboeffekt hinaus um 30 Prozent reduziert.

In der zweiten Pollensaison verringerten sich die Symptome um weitere sechs Prozent. Gleichzeitig verringerte sich der Bedarf an symptomdämpfenden Medikamenten (Antihistaminpräparate, Cortisonsprays) um fast die Hälfte.

Derzeit noch in der 'Roten Box'

Dr. Waltraud Emminger, ärztliche Leiterin des Wiener Allergie-Ambulatoriums am Rennweg: "Die Patienten sollten zumindest zwei, besser aber drei bis vier Monate vor der erwarteten Gräserpollensaison mit der täglichen Einnahme beginnen."

Derzeit muss die Behandlung vom Chefarzt bewilligt werden. Die „Gräsertablette“ ist für Gräserpollen-Allergiker ohne schweres Asthma ab dem 18. Lebensjahr geeignet.


Mag. Christian Boukal

Jänner 2007


Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020