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Pädiatrische HNO: Weil Kinder keine kleinen Erwachsenen sind

Pädiatrische HNO: Weil Kinder keine kleinen Erwachsenen sindErwachsene und Kinder unterscheidet einiges, auch was den Hals-Nasen-Ohren-Bereich betrifft. Krankheiten haben bei Kindern oft nicht nur andere Auswirkungen, sondern bedürfen auch einer anderen Behandlung. So verwundert es nicht, dass sich die so genannte pädiatrische HNO speziell den kindlichen HNO-Problemen widmet.

Was unterscheidet kindliche HNO-Probleme von denen eines Erwachsenen? „Die banale Antwort ‚Kinder sind keine kleinen Erwachsenen’ stimmt. Denn Kinder haben eine andere Anatomie als Erwachsene. Sie haben oft ein anderes Keimspektrum, das andere Erkrankungen bedingt und bekommen deshalb oft andere Medikamente“, antwortet Universitätsprofessor Dr. Andreas Temmel von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der Medizinischen Universität Wien.

„Ein Kindergartenkind ist am Anfang der Karriere häufiger krank“

Nicht nur die Erkrankungen und deren Begleitsymptome, sondern auch die Häufigkeit von Krankheiten unterscheidet sich wesentlich von Kindern und Erwachsenen. Ein möglicher Grund dafür sind die unterschiedlichen anatomischen Begebenheiten. So treten beispielsweise Mittelohrentzündungen bei Kindern häufiger auf, weil die Tube (Ohrtrompete) noch sehr kurz ist und Keime deshalb leichter vom Nasen-Rachenraum ins Mittelohr gelangen können. „Aber auch die ‚Immunisierungslage’ von Kindern ist anders: Ein kleines Kind reagiert bei einer Mittelohrentzündung fast immer mit einer Allgemeinsymptomatik wie Fieber, während dies beim Erwachsenen eine Ausnahme darstellt. Und während Erwachsene bereits Antikörper gegen viele Erreger gebildet haben, fehlen diese den Kindern noch. Daher verwundert es nicht, dass ein Kindergartenkind am Anfang seiner Karriere häufiger krank ist“, weiß der Facharzt für HNO-Krankheiten.

Viele Erkrankungen gibt es nur im Kindesalter

Hinzu kommt, dass viele Krankheiten nur bei Kindern auftreten. Ein Beispiel dafür ist der Pseudokrupp, eine akute Kehlkopfentzündung. Aber auch die Bewertung einzelner Symptome ist anders: „Bei der Schlafapnoe etwa, also beim Aussetzen der Atmung während des Schlafes, werden bei Erwachsenen bis zu fünf Apnoen, die mindestens zehn Sekunden dauern, als normal bezeichnet. Bei Kindern hingegen ist jede Apnoe pathologisch und hat einen Krankheitswert“, so Dr. Andreas Temmel.

Erkrankungen haben andere Auswirkungen

Nicht zuletzt sind häufig auch die Auswirkungen und Behandlungsmaßnahmen von Krankheiten anders, wie der Mediziner erklärt: „Eine Hörverminderung beim Kind bewirkt oft ein Problem in der Sprachentwicklung, während Erwachsene meist die Sprache schon entwickelt haben. Auch die Therapie unterscheidet sich deutlich, denn viele Arzneimittel sind nicht für Kinder unter dem 12. Lebensjahr zugelassen.“

„Die HNO im Kindesbereich hat zentrale Stellung“

Leiden Kinder an HNO-Krankheiten, ist die Interdisziplinarität, also die fächerübergreifende Zusammenarbeit der Ärzte, besonders wichtig. „Da im HNO-Bereich sehr viele Sinne wie Hören, Riechen, Schmecken usw. und sehr viele lebensnotwendige Funktionen wie Atmung und Schlucken lokalisiert sind, hat die HNO im Kindesbereich eine zentrale Stellung“, betont Dr. Andreas Temmel.

MMag. Birgit Koxeder

Juni 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020