DRUCKEN

Vasektomie: Einbahnstraße

Vasektomie-Einbahnstraße_ EinbahnschilderVasektomie ist eine effiziente Verhütung für den Mann. Die Männlichkeit bleibt dran, die Spermien drin. Die Vasektomie ist die effektivste Form der Empfängnisverhütung für den Mann. Gerade deshalb sollte sie wohl überlegt sein.


Es gibt zwei Lager: diejenigen Männer, die es nie machen lassen würden, weil sie glauben, dann nur mehr ein halber Mann zu sein. Und die, die wissen, dass es kein Problem ist. Sonja K. und ihr Mann Hubert sind sich einig, wenn es um „Es“ geht: die Vasektomie. Er hat es machen lassen — im Alter von 30 Jahren — und damit einen Schlussstrich gezogen. Die Vasektomie ist die Sterilisation des Mannes. In einem technisch unkomplizierten, ambulanten Eingriff werden die beiden Samenleiter durchtrennt und vernäht. Gegenwärtig ist die Vasektomie neben dem Kondom die einzige Möglichkeit für den Mann, aktiv zur Verhütung beizutragen. Nach dem Eingriff ist der Mann zeugungsunfähig — und zwar zu annähernd 100 Prozent. Das ist die gute Nachricht, gleichzeitig aber auch die schlechte. Denn ein Zurück ist kaum möglich. Hubert hatte keine Zweifel. „Wir haben bereits zwei Töchter und wollen sicher keinen Nachzügler.“

Beratung erforderlich

Der Linzer Sexualmediziner Dr. Georg Pfau pflichtet bei: „Die Vasektomie ist eine gute Sache, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist und man seiner Sache sicher ist.“ Was nicht immer der Fall ist. Pfau empfängt regelmäßig Männer in seinen Sprechstunden, „die schon einen Termin für die Vasektomie haben und sagen, dass sie die eingehende Beratung vermisst haben.“ Prinzipiell ist der durchführende Arzt zu einem Beratungsgespräch verpflichtet, darf auch keine Männer operieren, die jünger als 25 Jahre sind. „Die Beratung muss nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen Aspekte beinhalten. Was ist, wenn die Beziehung schiefgeht?“, fragt Pfau. „Selbst dann will ich sicher keine Kinder mehr.“ Hubert K. hat seine endgültige Antwort gefunden. Das ist nicht in jedem Fall so. Fünf bis sieben Prozent wollen den Eingriff später wieder rückgängig machen lassen. Dabei werden die durchtrennten Samenleiter neu verbunden. Doch diese Operation ist wesentlich schwieriger, teurer und ohne Erfolgsgarantie. Auch nach einer gelungenen Rückoperation gibt es eine verringerte Zeugungsfähigkeit. Forscher der Queen’s University in Belfast stellten bei vasektomierten Männern eine dreimal geringere Spermienanzahl im Hodengewebe fest. Es gibt weitere offene Fragen: „Man nimmt an, dass der Verbrauch von Samenzellen beim Sex einer der Stimuli für die Hormonproduktion im Hoden ist und dass die Unterbindung dieses Vorganges daher kontraproduktiv sein könnte“, sagt der Sexualmediziner Dr. Georg Pfau. Ein Zusammenhang, der gegenwärtig auch an der Uni Freiburg untersucht wird. Noch liegen dazu aber keine Ergebnisse vor. Eine Vasektomie lässt Erektionsfähigkeit, sexuelle Lust und Orgasmusfähigkeit grundsätzlich unbeeinträchtigt. „Im Gegenteil“, ist Hubert K. begeistert, „man ist beim Sex viel befreiter, wenn man nicht fürchten muss, dass etwas passiert.“ Der Wirt aus Kirchberg an der Pielach ist mit seiner sexuellen Identität im Reinen. Ein Privileg, das nicht alle Männer teilen. „Manche Männer fühlen sich nach einer Vasektomie sexuell nicht mehr vollwertig. Einer meiner Patienten musste sich deswegen sogar einer Psychotherapie unterziehen“, sagt Dr. Pfau. Aber: Diese Fälle sind sehr selten, betreffen weniger als ein Prozent der Patienten.

Die Vasektomie ist eine einfache und mit etwa 500 Euro relativ preiswerte und endgültige Art der Empfängnisverhütung. Deshalb wird sie immer beliebter. Wirt Hubert kommt „bei nächtlichen Stammtischgesprächen immer öfter drauf, dass viele Bekannte es auch haben machen lassen“. Man kann also über „Es“ heute offen reden. Das ist gut so. Mann sollte auch darüber reden. Und zwar bevor das Skalpell angesetzt wird.

 

Fritz Kalteis

August 2008


Foto: Bilderbox, privat


Kommentar

Kommentarbild von Dr. Georg Pfau zum Printartikel „Ich halte die Vasektomie für eine gute Empfängnisverhütung bei stabiler Partnerschaft. Männer müssen bedenken, dass unvorhergesehene Ereignisse den Wunsch nach Kindern neu beleben können. Ein eingehendes Beratungsgespräch ist unbedingt anzuraten.“
Dr. Georg Pfau
Sexualmediziner aus Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020