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Schwaches Herz: Bewegung statt schonen

Schwaches Herz - Bewegen statt schonenPatienten mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) riet man in der Vergangenheit, sich zu schonen, körperliche Anstrengungen zu vermeiden und sich sportlich nicht zu betätigen. Neue medizinische Erkenntnisse führen zu einem Paradigmenwechsel. Für bestimmte Herzpatienten heißt nun das Motto: Bewegen statt schonen ist gut für das Herz. Regelmäßige Bewegung erleichtert die Durchblutung und entlastet das Herz.

Bewegen sollten sich allerdings nur jene Patienten, deren Herzschwäche stabil ist. Also Menschen, die nicht akut von Herzschwäche betroffen sind und zudem medizinisch betreut und auf ihre Erkrankung gut eingestellt sind. Akute Patienten müssen sich nach wie vor schonen. „Wer schon bei leichten Anstrengungen des täglichen Lebens Atemnot bekommt, der darf sich nicht belasten“, warnt Primar Dr. Anton Ebner vom Krankenhaus Rohrbach.
 

Belastungstest vor dem ersten Training

Hat ein Facharzt überprüft, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung optimal zum Patienten passt, kann der nächste Schritt erfolgen. Nun ist die individuelle Belastbarkeit des Patienten abzuklären. „Die Pulsfrequenz und die Belastungsstufen sollten mithilfe eines Belastungs-EKG festgelegt werden“, sagt Ebner.

Dabei werden die aktuelle Belastbarkeit und der maximale Puls bei körperlicher Anstrengung bestimmt. Diese Werte bestimmen die Intensität des Trainings. Der Belastungstest sollte bei einem Facharzt, in einem Krankenhaus oder einem Herzzentrum durchgeführt werden. Er sollte dagegen nicht in einem Fitnesscenter ohne ärztliche Aufsicht erfolgen.

„Am besten startet man sein Training im Rahmen einer Reha. Da ist man unter ärztlicher Kontrolle und hat ein sicheres Gefühl“, sagt Ebner. Für die Zeit danach empfiehlt er ein gemeinsames Training in einer der zahlreichen Selbsthilfegruppen des österreichischen Herzverbandes.
Wer lieber allein geht, läuft oder radelt, sollte das mit einer Pulsuhr machen. Nicht um stets ängstlich auf die Uhr zu blicken, sondern um die Sicherheit zu haben, mit der richtigen Intensität unterwegs zu sein.

Ebner warnt Patienten mit chronischer Herzschwäche eindringlich, ohne ärztliche Untersuchung und ohne Belastungs-EKG auf eigene Faust mit einem Training zu beginnen. „Wer einfach so zum Walken beginnt, der könnte dabei auch sterben.“ Wem trotz ärztlicher Untersuchung die Bewegung nicht gut tut, sollte diese stoppen und seinen Arzt kontaktieren.

Ausdauer verbessern

Gut geeignet sind Bewegungsarten wie Spazieren gehen, Nordic Walken, Joggen und Radfahren. Nicht geeignet sind Sportarten mit hoher Muskelanspannung wie etwa der alpine Skilauf. Gegen Ski-Langlauf dagegen ist nichts einzuwenden, wenn das Training nicht zu intensiv betrieben wird.

Zu vermeiden gilt es jede intensive Muskelbelastung wie Krafttraining mit Hanteln. Durch Pressatmung kann sich die Pumpleistung des Herzens verschlechtern. Auch Schwimmen sollte man meiden, es kann den Blutdruck steigern.

Dauer und Ausmaß der Bewegung

Häufigkeit und Intensität der optimalen Bewegung ist individuell zu bestimmen und mit einem Arzt abzuklären. Die Empfehlung wird sich an Alter, Erkrankung und aktuellen Zustand des Patienten orientieren. Im Allgemeinen wird empfohlen, drei bis fünf Mal pro Woche je 30 bis 60 Minuten zu trainieren.

Das Training darf keinesfalls zu intensiv ausfallen. „Man muss dabei plaudern können, ohne dass einem die Luft ausgeht“, sagt Ebner. Anders als beim gesunden Menschen handelt es sich nicht um ein Ausdauertraining mit Steigerungsabsichten. „Es wird auf einem gleich bleibenden Level trainiert. Ziel ist es, die Gesundheit zu erhalten und nicht die Kondition zu steigern“, sagt der Kardiologe.

Bewegung fürs Wohlbefinden

Bewegung ist bei chronischer Herzschwäche eine begleitende Maßnahme. Keinesfalls kann es medizinische Betreuung ersetzten. Auch stabilen Patienten wird empfohlen, ihre Trainingsaktivitäten einmal im Quartal mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Bewegungstherapie verhilft den Patienten zu mehr Wohlbefinden. „Zudem vermindert es die Zahl der Krankenhausaufenthalte, weil sich die Zahl der Phasen der Verschlechterung der Krankheit vermindern und weil die Begleitkrankheiten weniger werden“, sagt der Kardiologe. Ob Bewegung das Leben von Herzinsuffizienz-Patienten verlängern kann, ist medizinisch noch nicht bewiesen. „Manche Studien deuten darauf hin“, sagt Ebner.

Nachkontrollen nicht vergessen

Auch gut eingestellte Patienten, die sich ohne Beschwerden regelmäßig bewegen, sollten regelmäßig, mindestens aber zweimal jährlich zur Nachkontrolle. „Das ist nötig, weil sich die Erkrankung verändern kann. Oft geht es einem Monate, ja Jahre gut und dann kann wieder eine Phase folgen, in der die Krankheit wieder akut aufflammt“, sagt Ebner.

Aufpassen beim Trinken

Wer sich viel bewegt, soll viel trinken. So lautet der Ratschlag an gesunde Menschen. Ganz anders verhält es sich bei Menschen mit chronischer Herzschwäche. Sie sollten trotz Bewegung nicht übermäßig viel trinken, denn das erhöht das Blutvolumen. „Je mehr Flüssigkeit man trinkt, desto mehr belastet man das Herz“, erklärt Ebner. Und eben dies gilt es zu vermeiden.
Im Allgemeinen wird geraten, nicht mehr als 1,5 Liter pro Tag zu trinken, doch dieser Wert ist nur ein Anhaltspunkt. „Bei manchen Menschen ist ein halber Liter pro Tag das Maximum. Das muss man individuell abklären“, so der Arzt.

Dr. Thomas Hartl

September 2009

Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020