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Narbenbruch

NarbenbruchGefahr bei Operationen im Bauchbereich. Beim ersten Aufrichten nach einer Operation im Bauchraum verspürte Markus P. einen heftigen Schmerz im Bereich der Narbe. Darmteile haben sich bei geschlossener Bauchdecke nach außen ausgestülpt.

Markus P. ist bei weitem kein Einzelfall. Bei zehn bis 15 Prozent der Patienten kommt es nach Operationen im Bauchbereich zu Narbenbrüchen. Nachdem die Bauchdecke mit ihren verschiedenen Muskel- und Bindegewebschichten mit Nähten verschlossen wurde, kommt es dabei zu einem Auseinanderweichen der zunächst festen Narbe. In der Folge können sich Darmteile oder Fettgewebe aus dem Bauchraum hindurchdrängen und eine sogenannte Vorwölbung verursachen, was sich für den Betroffenen insbesondere beim Pressen, Husten oder Aufrichten in Form von Schmerzen bemerkbar macht. Die Narbe ist gebrochen. Markus P. hatte dennoch Glück, denn in Extremfällen können Narbenbrüche sogar Einklemmungen von Darmteilen und Organen verursachen, die den Tod des Patienten verursachen können.

Vielzahl an Risiken

Für Primarius Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer, Vorstand der Chirurgischen Abteilung im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, besteht prinzipiell bei jeder chirurgischen Öffnung der Bauchdecke das Risiko eines Narbenbruches. Als besonders gefährdet gelten aber Männer, übergewichtige Menschen und Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Aber auch Transplantationen oder Operationen an der Bauchschlagader sowie mehrmalige Eingriffe im Bauchraum sind nachgewiesene Risikofaktoren. Wundinfektionen oder die vorzeitige Aufnahme einer schweren körperlichen Belastung nach einer Operation können ebenfalls Narbenbrüche verursachen. Nicht immer ist eine Operation dieser Brüche notwendig. Nicht mehr zu verhindern ist der chirurgische Eingriff, wenn sich der sogenannte Bruchsackinhalt eingeklemmt hat und nicht mehr in den Bauchraum zurückgedrängt werden kann. Das halten Betroffene ohne medizinische Hilfe aber ohnehin nicht aus, weil sich arge Schmerzen und Anzeichen einer Bauchfellentzündung einstellen. Zu einer Einklemmung neigen vor allem Narbenbrüche mit einer relativ kleinen Bruchlücke. Nicht an einem neuerlichen operativen Eingriff kommen betroffene Menschen außerdem vorbei, wenn sich die Haut im Bruchbereich verändert, dünner wird oder sich sogar entzündet. Auch eine Vergrößerung des Bruchs ist ein sicheres Indiz dafür, dass eine Operation nötig ist. Dabei werden bei kleinen Brüchen (unter vier Zentimeter) die auseinandergewichenen Bruchränder Stoß an Stoß oder überlappend wieder aneinander genäht. Bei größeren Brüchen muss die Bruchlücke dagegen vom Chirurgen mit einem Kunststoffnetz (Mesh) überdeckt werden, das beim Verschluss einer Narbenhernie meist die besten Ergebnisse bringt. Dieses Netz wird als Verstärkung der Bauchdecke in die Schicht zwischen Bauchfell und Bauchmuskulatur eingepflanzt. Laut Prim. Függer gibt es auch Forschungen auf molekularbiologischer Basis, um die Wundheilung und Narbenfestigkeit mit Medikamenten zu stärken. Allerdings sind die Mediziner von einem praktischen Einsatz noch einigermaßen weit entfernt. „Die beste Methode, um das Risiko eines Narbenbruches zu vermeiden, ist das fortlaufende Nähen mit einem langsam resorbierenden Material", ist Függer überzeugt.

Mag. Kornelia Wernitznig
Mai 2010


Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild von Primarius Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer zum Printartikel „Bei Narbenbrüchen gibt es keine Prävention mit Garantie. Die Art des Bauchdeckenverschlusses bei Operationen ist aber ein wesentlicher Faktor in der Entstehungsgeschichte einer Narbenhernie. Fortlaufende Nähte zu setzen und ein langsam resorbierbares Material zu verwenden, ist aus derzeitiger Sicht die beste Maßnahme.“
Primarius Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer
Vorstand der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus der Elisabethinen Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020