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Röntgen & Co: In den Körper schauen

In den Körper schauenDie bildgebenden Verfahren können immer mehr. Dank Röntgen, Ultraschall, CT und MRT können die Mediziner Krankheiten immer besser erkennen und behandeln. Doch nicht in allen Fällen ist das gesamte Arsenal notwendig.

Dass ein Koch seiner Arbeit unter Lebensgefahr nachgeht, ist außergewöhnlich. Bei Andreas Berger war es allerdings tatsächlich so, dass ihn während des Hantierens am Herd jederzeit der Tod hätte ereilen können. Der 27-Jährige litt an einer gefährlichen Verengung eines Herzkranzgefäßes.

Dass etwas nicht stimmt, hatte der junge Salzburger nach starken Brustschmerzen bereits gemerkt. Doch EKG, Ergometrie oder Blutuntersuchungen lieferten keinerlei Hinweise auf eine gefährliche Erkrankung. Erst eine Computertomographie des Herzens brachte die Diagnose „hochgradige Einengung eines Herzkranzgefäßes“. Nachdem die Ärzte nun endlich Gewissheit hatten, wurde die erkrankte Schlagader mit einem sogenannten Stent gedehnt und damit die Lebensgefahr gebannt. „Hätte sich das Herzkranzgefäß gänzlich verschlossen, wäre Herr Berger mit Sicherheit gestorben“, erinnert sich der Radiologe Univ.-Prof. Dr. Klaus Hergan.

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CT der Nieren mit einem Tumor

Besser und sicherer

Der Vorstand des Universitätsinstituts für Radiologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität am Landeskrankenhaus Salzburg arbeitet ebenso wie seine Fachkollegen manchmal wie ein Detektiv, um den verborgenen Ursachen körperlicher Leiden auf die Spur zu kommen. Unterstützt werden die Mediziner dabei von immer besseren Möglichkeiten, die die Technik bietet, um in den Körper des Menschen zu blicken. Neben dem guten alten Röntgengerät und seiner leistungsstarken Variante, der Computertomographie (CT), gibt es heute auch die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Ultraschall-Technik. Die bildgebenden Verfahren können immer mehr. Hier wird viel geforscht – etwa wenn es darum geht, ein noch genaueres Bild des menschlichen Herzens zu erzielen oder sich ein Bild von Arthrose, Alzheimer und Demenz zu machen.

Technisch ist die Entwicklung bei der Magnetresonanztomographie besonders spannend. Die stärksten MRT schaffen bereits eine Leistung von sieben Tesla. Weltweit gibt es derzeit 20 dieser Super-MRT. Eines davon steht in der Medizinischen Universität Wien. Standard bei den MRTGeräten der neuen Generation ist eine magnetische Flussdichte von drei Tesla (3 T). Schon mit dieser Leistungsstärke ist der Blick in den Körper sehr exakt und es lassen sich beispielsweise Veränderungen im Gehirn gut nachweisen. Mit Hilfe der 3-TKernspin-Geräte finden die Radiologen heute etwa Ursachen für Epilepsie, die sie früher nicht aufspüren konnten. Die neuen Apparate, die derzeit in Wien, Graz und Salzburg im Einsatz sind, arbeiten zudem schneller. Das macht die Untersuchung für den Patienten, der sich während der MRT nicht bewegen darf, angenehmer.

Bei der Computertomographie geht der technische Trend in Richtung strahlungsärmere Geräte. Mit der sogenannten Low-Dose-Technik kann bei bestimmten Fragestellungen die Röntgendosis auf ein Zehntel reduziert werden. Diese Technik kann praktisch bei jedem modernen CTGerät angewendet werden und ist in Österreich Standard. Sie erlaubt die relativ schonende Untersuchung der Lunge auf erste, noch ganz winzige bösartige Veränderungen in einem Stadium, in dem die Heilungschancen noch sehr gut sind. Damit wird sie vielleicht in Zukunft eine effektive Lungenkrebs-Vorsorgeuntersuchung ermöglichen. Auch beim Nachweis von Nierensteinen sowie Untersuchung von Kindern wird diese Low-Dose-Technik routinemäßig eingesetzt. Beim konventionellen Röntgen geht der Trend in Richtung Digitalisierung – der Computer unterstützt dabei das Röntgen und macht es strahlungsärmer. Bilder können zudem ganz einfach gespeichert und elektronisch weitergeleitet werden.

Abklärungswut

Der immer besser werdende Blick in den menschlichen Körper hat auch Schattenseiten, weiß Primarius Hergan: „Wir Radiologen erleben heute eine regelrechte Abklärungswut.“ Die entsprechenden Bedürfnisse bei den Patienten seien enorm gestiegen und damit die Forderung, sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Beschwerden zu machen. Die klassischen Diagnosemöglichkeiten seien dadurch etwas ins Hintertreffen geraten. Dabei könnten, so Klaus Hergan, dem Arzt auch Abtasten oder Abhorchen sehr gute Hinweise darauf geben, was einem Patienten fehle. „Es kommt vor, dass man der Bildgebung zu viel Vertrauen schenkt“, weiß der Radiologe. Nicht bei jedem Leiden müssten gleich alle Register der bildgebenden Diagnostik gezogen werden.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit den bildgebenden Verfahren ist also gefragt. Verantwortungsvoll heißt in diesem Falle auch, dass nur dann geröntgt wird, wenn es wirklich nötig ist. Es gibt keine aktuellen Informationen darüber, wie häufig in Österreich die bildgebende Diagnostik eingesetzt wird. Eine Studie des Instituts für Biomedizinische Technik und Physik der Universität Wien aus dem Jahr 2000 zeigt, dass auf jeden Österreicher pro Jahr im Schnitt 1,8 Röntgenbilder kommen.


Die Verfahren im Überblick


Konventionelles Röntgen:

Röntgenstrahlen durchdringen unterschiedliches Gewebe unterschiedlich stark. Dichte Strukturen wie Knochen erscheinen weiß, weil hier fast keine Strahlung durchkommt. Die Organe sind hingegen viel durchlässiger. So wird etwa die Lunge schwarz dargestellt, weil durch die darin enthaltene Luft viel Röntgenstrahlung dringt. Das herkömmliche Röntgen eignet sich vor allem für Aufnahmen der Lunge, der Weichteile und des Skeletts. 


Angiographie:

Mit der Angiographie werden die Blutgefäße mittels Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie dargestellt. Zu diesem Zweck wird ein Kontrastmittel in das Gefäß gespritzt. Auf dem so gewonnenen Bild, auch Angiogramm genannt, sieht der Radiologe den Innenraum des Gefäßes.  


Computertomographie (CT):

Die Computertomographie, auch CT genannt, ist eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Röntgens. Dabei werden nicht nur eine oder zwei, sondern eine Fülle von Röntgenaufnahmen gemacht. Daraus entsteht ein dreidimensionales Bild. Um so genau in den menschlichen Körper zu blicken, ist allerdings eine relativ hohe Strahlendosis nötig. Daher soll die CT nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich absolut notwendig ist. Besondere Vorsicht ist etwa beim Röntgen der Augenhöhle angebracht, da die Augenlinse sehr strahlenempfindlich ist. Vor allem bei der Untersuchung der Lunge und des Bauchs ist die Computertomographie oft unentbehrlich. Ebenso bei der Kontrolle des Erfolgs einer Krebs-Therapie oder bei der Vorbereitung der Operation eines Tumors. Auch als therapeutisches Werkzeug spielt die CT eine wichtige Rolle. Zum Beispiel dann, wenn bei einer Biopsie eine Gewebeprobe entnommen wird.


Magnetresonanztomographie (MRT):

Die Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet bei ihrem Blick in den menschlichen Körper keine Röntgenstrahlen, sondern Magnetfelder und hochfrequente elektromagnetische Wellen. Das Verfahren wird auch als Kernspintomographie bezeichnet. Die meisten MRTScanner sind Röhren, in die der Patient auf einer Liege hineingefahren wird. Falls er sich während des rund 20 Minuten dauernden Scans unwohl fühlt, kann er die Untersuchung jederzeit mit einer Klingel abbrechen. Die MRT stellt die Strukturen des Herzens und anderer Organe, des Gehirns und des Rückenmarks, aber auch der Gelenke, der Bandscheiben und der Gefäße dar. MRT ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, um sehr kleine anatomische Strukturen – vor allem Gefäße – abzubilden. Da die MRT sehr gute Bilder liefert und ohne Strahlenbelastung arbeitet, wird sie in der Radiologie immer wichtiger. Die Aufnahmen sind im Gegensatz zu Röntgen und CT so kontrastreich, dass sogar Details von weniger als einem Millimeter Größe erkennbar sind. Bei diesen Geräten gibt es einen Aufholbedarf. Laut den Angaben des Verbands für Bildgebende Diagnostik Österreich ist hierzulande die Zahl der Magnetresonanztomographen nicht einmal halb so hoch wie die Zahl der Computertomographen. Benötigt würden deutlich mehr. Auch Primar Hergan vom Landeskrankenhaus Salzburg wünscht sich dringend ein weiteres MRT für seine Patienten.

 

Sonographie:

Bei dieser Methode erzeugt Ultraschall die Bilder vom Inneren des Körpers. Die Methode wird daher oft kurz als Ultraschall bezeichnet. Sie kommt ebenso wie die MRT ohne Röntgenstrahlung aus und ist besonders schonend. Ultraschall eignet sich vor allem zur Darstellung der inneren Organe, des Bauchs, des Beckens, der Schilddrüse, der Weichteile und der Gefäße. Besonders wichtig ist die Sonographie in der Geburtshilfe und in der Gynäkologie. Bei Kindern ist sie laut einer Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein eine Alternative zum Röntgen, um Knochenbrüche festzustellen. Ultraschall hat aber Grenzen: Er kann Luft und Knochen nicht durchdringen. Für die Untersuchung von Darm oder Lunge eignet er sich nicht. Außerdem kommt es bei dieser Methode besonders auf die Erfahrung des Radiologen an.  


Mammographie:

Die Mammographie untersucht mittels Röntgenstrahlen die weibliche Brust. Ziel ist die Früherkennung von Brustkrebs (Mammakarzinom). Dank technologischer Fortschritte ist die Untersuchung angenehmer geworden. Moderne Röntgengeräte messen die Dichte der Brust und berechnen daraus, wie stark sie zusammengepresst werden muss. Dadurch muss heute weniger gedrückt werden.

Stichwort Strahlenbelastung

Zwei Bilder pro Kopf und Nase klingt relativ viel, allerdings sind darin auch die Aufnahmen beim Zahnarzt enthalten, die etwa die Hälfte aller röntgendiagnostischen Untersuchungen ausmachen. Der geringste Teil der medizinischen Strahlenbelastung, die ein Österreicher im Schnitt pro Jahr aufnimmt, kommt vom Zahnarztröntgen mit nur einem Prozent der Gesamtdosis. Deutlich höher, aber immer noch sehr gering ist die Belastung bei Standardröntgenaufnahmen der Lunge sowie von Armen und Beinen. Durchleuchtungsuntersuchungen und nuklearmedizinische Untersuchungen sind mit einer mittleren Belastung verbunden. Am stärksten ist die Strahlungsbelastung bei CT-Untersuchungen: Sie machen nur rund vier Prozent aller Untersuchungen aus, ergeben aber einen Anteil an der Gesamtdosis von rund 40 Prozent. „Dieses Risiko wird aber vom medizinischen Nutzen für die Patienten bei weitem aufgewogen“, erklärt Primar Hergan. Eine Aufstellung über die gesamte Strahlenbelastung, der ein Patient im Laufe der Zeit bei verschiedenen Untersuchungen ausgesetzt ist, gibt es in Österreich nicht. Der sogenannte Röntgenpass, der vor einigen Jahren zu diesem Zweck getestet wurde, hat sich in der Praxis leider noch nicht durchgesetzt.

Dr. Regina Sailer

Jänner 2009

Foto: Shutterstock, LKH Salzburg, privat

Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Klaus Hergan zum Printartikel „Österreich hat bei den bildgebenden Verfahren eine wirklich gute Qualität. Hier wird sehr viel investiert. Das gilt nicht nur für die Spitäler, sondern auch für die niedergelassenen Ärzte. Auch die Sicherheitsstandards sind hoch. Das österreichische Strahlenschutzgesetz ist noch strenger als das europäische Gesetz.“
Univ.-Prof. Dr. Klaus Hergan
Vorstand des Universitätsinstituts für Radiologie am LKH Salzburg

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020