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Wurzelspitzenresektion

WurzelspitzenresektionDie Wurzelspitzenresektion ist viel weniger dramatisch als Zähneziehen und oft die letzte Chance für einen „guten Biss“.

Das Übel an der Wurzel packen: Diese Redensart zeigt, worauf es bei der Wurzelspitzenresektion ankommt. Bei diesem Verfahren werden die Spitzen entzündeter Zahnwurzeln gekappt. Oft ist die Resektion der letzte Rettungsanker für einen sonst todgeweihten Zahn.

 

Meist sind es missglückte Wurzelbehandlungen, die den Wurzelspitzen zusetzen. Werden die Zahnwurzeln mit einer Füllung des Wurzelkanals versehen, kann es passieren, dass dieses Füllmaterial nicht ganz bis in die kleinen Kanäle der Wurzelspitze gelangt. Um die Wurzelspitze kommt es zu einer Entzündung, manchmal bildet sich auch ein Abszess. Bei der Resektion werden das entzündete Gewebe und etwa die untersten drei Millimeter der infizierten Wurzelspitze entfernt.

 

Wurzelspitzenresektion 2

Die Erfolgsrate für diesen Eingriff ist hoch, so Dr. Johann Beck-Mannagetta von der Salzburger Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. In rund 97 Prozent aller Fälle kann der Zahn damit gerettet werden. Früher kamen nur die gut zugänglichen Schneidezähne für eine Wurzelspitzenresektion in Frage. Heute kann man dank verbesserter Operationstechniken auch Backenzähne behandeln. Grundsätzlich beherrscht jeder Zahnarzt das Verfahren. Bei den Mahlzähnen ist man allerdings bei einem ausgebildeten Kieferchirurgen besser aufgehoben, zumal hier jeweils zwei oder drei Wurzeln behandelt werden müssen. In der Mund- und Kieferklinik werden gelegentlich mehrere Zähne in einem Aufwaschen in Narkose behandelt – etwa wenn nach einer Kieferverletzung Zähne absterben und sich Eiterherde bilden. Kommt nur ein Zahn dran, ist der Eingriff in rund einer halben Stunde erledigt – vorausgesetzt es geht um einen Vorderzahn mit nur einer Wurzel. „Eine Wurzelspitzenresektion tut kaum weh und ist ein wesentlich harmloserer Eingriff als das Ziehen eines Zahns“, beruhigt Dr. Beck-Mannagetta. Nach dem Eingriff gebe es in den meisten Fällen kaum Beschwerden.

 

Der Patient soll mitarbeiten!

Vor dem Eingriff sollte man alle anderen Zähne so gut es geht in Ordnung bringen. Ein paar Tage vor der Operation und bis zum Ausheilen der Wunde darf nicht geraucht werden. Die Zähne sollten regelmäßig geputzt, Zahnstein entfernt und Zahnfleischentzündungen ausgeheilt sein. Vorsicht ist bei Medikamenten angesagt, die die Blutgerinnung verhindern. Für Patienten, die an schweren Allgemeinerkrankungen leiden, ist der Eingriff tabu.

 

Die Wurzelspitzenresektion kann einen Zahn sozusagen in letzter Minute retten, sie hat aber auch Nachteile: Die Zahnwurzel wird durch den Eingriff kürzer, der Zahn damit instabiler. Als einzelner Pfeilerzahn für eine Brücke ist er nicht mehr geeignet. Der Eingriff birgt zudem alle Risken, die bei Operationen auftreten, wie etwa Beschädigung von Nerven, Blutgefäßen oder Nachbarzähnen. Ein erhöhtes Risiko für Herzpatienten besteht bei einer Wurzelspitzenresektion kaum. Früher hatte man das als sicher angenommen und so manchen Zahn umsonst geopfert. Eine Vorsorge mit Antibiotika kann aber durchaus sinnvoll sein.

 

Dr. Regina Sailer

August 2008


Foto: deSign of Life, privat

Kommentar:


Kommentarbild von Univ.-Doz. Dr. Johann Beck-Mannagetta zum Printartikel „Eine Wurzelspitzenresektion macht dann Sinn, wenn der Zahn nach der Behandlung gut gepflegt wird. Dann kann er noch Jahre bis Jahrzehnte gute Dienste leisten. Bei mangelhafter Pflege wird aber auch ein resezierter Zahn nicht lange überleben. In diesem Fall ist es oft besser, ihn gleich zu ziehen und einen Zahnersatz zu verwenden.“
Univ.-Doz. Dr. Johann Beck-Mannagetta
Oberarzt an der Salzburger Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020