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Durchfall auf Reisen

Durchfall auf ReisenAugust ist Hauptreisezeit. Reisen in ferne Länder bringen häufig Durchfallerkrankungen mit sich. Das Erkrankungsrisiko ist abhängig vom Reiseziel. Die überwiegende Anzahl der Durchfälle ist harmlos und nach drei bis fünf Tagen vorüber.

Allerdings sind auch harmlose Infektionen im Urlaub zumindest lästig. Hygiene und Vorsicht bei der Auswahl von Speisen und Getränken können die Gefahr einer Ansteckung vermindern.

Risikoländer

In Nord- und Zentraleuropa, Nordamerika, Australien und Neuseeland ist das Risiko einer Durchfallserkrankung eher gering. In den Urlaubsgebieten des europäischen Mittelmeerraums besteht ein geringes bis mittleres Risiko. Von einem hohen Risiko muss man in Afrika, Südostasien und in Mittel- und Südamerika ausgehen. „Vor allem in Ägypten und Mexiko besteht die Gefahr einer Infektion. Auch Türkei- und Tunesien-Urlauber klagen oft über eine solche Beschwerden. Relativ sicher sind dagegen Italien, Griechenland und Spanien“, stellt Dr. Gottfried Wimmer, Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin am LKH Freistadt, fest.

Übertragung

Reisedurchfälle können mehrere Ursachen haben. Zumeist erfolgt eine Ansteckung mit der Aufnahme von verunreinigten Speisen oder Getränken oder auch durch mangelnde Hygiene am stillen Ort.

Bakterien und Viren

Durchfälle werden meist durch Koli-Bakterien ausgelöst. Wurden diese etwa durch Konsum von verunreinigtem Wasser aufgenommen, versucht der Körper diese mittels verflüssigten Stuhl so schnell wie möglich wieder auszuscheiden.

Auch Norovieren sind in vielen Regionen der Erde für Magen-Darm-Infektionen verantwortlich. „Norovieren sind äußerst aggressiv und breiten sich sehr rasch aus“, so Wimmer. In einer Forschungsarbeit (Hoonmo Koo vom Baylor College of Medicine in den USA, deren Ergebnisse im Fachmagazin Journal of Clinical Microbiology veröffentlicht wurden) wurden die Stuhlproben von 571 Reisenden analysiert, die in Indien, Mexiko und Guatemala an Durchfall erkrankt waren. Bei 23 Prozent der Indien-Reisenden konnten Noroviren nachgewiesen werden, bei den Guatemala-Reisenden und Mexiko-Reisenden waren es 17 beziehungsweise 3,8 Prozent.

Risikogruppen

Besonders schützen sollten sich Kinder, Senioren ab 60 Jahren, Schwangere und chronisch Kranke. Kinder und alte Menschen besitzen häufig ein geringes Durstempfinden und trinken generell eher zu wenig. Bei ihnen wirkt sich ein Flüssigkeitsverlust infolge einer Durchfallserkrankung daher rascher und gravierender aus. „Kinder neigen eher zu Erbrechen, Senioren zu Durchfall. Schwangere sollten bei Ansteckung in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Auch chronisch Kranke stecken sich recht schnell mit einer Durchfallserkrankung an, da ihr Immunsystem zumeist geschwächt ist“, erklärt Wimmer.

Trinken und Elektrolyte

Reisedurchfälle dauern in der Regel drei bis fünf Tage. Die wichtigste Maßname besteht darin, den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust, der durch den Durchfall entsteht, auszugleichen. „Oberstes Gebot ist es daher, ausreichend zu trinken“, mahnt Wimmer. An der Farbe des Urins kann man erkennen, ob der Körper Flüssigkeitszufuhr benötigt. Der Urin sollte immer hellgelb gefärbt sein. Dunkler Urin ist ein Hinweis auf zuwenig Flüssigkeitsaufnahme.

Optimal zum Ausgleich von Mineralstoffverlust ist Elektrolytpulver, das mit Wasser angerührt wird. Das Wasser sollte aus einer verschlossenen Flasche stammen oder abgekocht sein. Verlorene Elektrolyte können auch durch die Einnahme von salz- und glucosehaltigen Lösungen ausgeglichen werden. „Stehen keine Fertigpräparate zur Verfügung, eignen sich auch Cola und salzhaltige Nahrungsmittel wie etwa Salzstangen. Sehr gut sind alle zuckerhaltigen Getränke. Man kann sich etwa Tee mit viel Zucker zubereiten“, so Wimmer.

Medikamente nicht vorschnell nehmen

Medikamente, die den Darm beruhigen und den Durchfall stoppen, sollte man nicht voreilig einnehmen. Denn dadurch werden die Krankheitserreger nicht ausgeschieden und bleiben im Darm. „Medikamente sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn der Durchfall nach zwei, drei Tagen nicht deutlich besser wird oder wenn man Fieber hat. Antibiotika kommen zum Einsatz, wenn Blut im Stuhl ist. Dann sollte man auch im Urlaub schnell einen Arzt aufsuchen“, rät der Internist. Durchfälle, die mit blutigem Stuhl und sehr hohem Fieber einhergehen, können Symptome einer schwerwiegenden Erkrankung wie Typhus oder Cholera sein. Eine rasche medizinische Abklärung und Hilfe ist nötig.

Vorbeugung

Mittels Hygienemaßnahmen kann man sich zu einem gewissen Grad vor Durchfallserkrankungen schützen, gleichgültig ob es sich bei den Erregern um Koli-Bakterien oder um Norovieren handelt. Verunreinigtes Trinkwasser und verunreinigte Nahrungsmittel sind in Ländern mit niedrigem Hygienestandard die Hauptinfektionsquellen. Um sich vor Reisedurchfällen zu schützen, sollten einige Grundregeln der Hygiene beachtet werden.

Hygienetipps

  • Vor dem Essen stets die Hände waschen. Achtung: Auf öffentlichen Toiletten sind häufig die Türgriffe mit Krankheitserregern behaftet. Man sollte diese also möglichst nicht anfassen.
  • Nur frisch zubereitete, erhitzte Speisen essen. Rohes Fleisch und rohen Fisch meiden. Auch Salate und Gemüse unbedingt frisch zubereiten und mit keimfreiem Wasser waschen. Obst sollte man direkt vor dem Essen schälen.
  • Kein Leitungswasser trinken! Wasser nur aus originalverpackten Flaschen trinken oder das Wasser abkochen (mindestens fünf Minuten). Das Wasser innerhalb von 24 Stunden aufbrauchen, da sich sonst neue Keime bilden. Auch zum Zähneputzen empfiehlt es sich, Mineralwasser oder abgekochtes Wasser zu verwenden.
  • Vermeiden Sie offene Getränke. Bedenkenlos sind Getränke aus verschlossenen Flaschen oder Dosen. Verzichten Sie auf Eiswürfel.


Dr. Thomas Hartl
August 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020