DRUCKEN

Logopädie für Kinder

Logopädie für KinderSprechen zu lernen ist eine unglaubliche Leistung des menschlichen Gehirns. Und Kinder scheinen diese Herausforderung scheinbar mühelos und spielerisch zu meistern. Doch manchmal ist gezielte Hilfe und Unterstützung notwendig, um die Sprachentwicklung richtig zu fördern.

Die Sprachentwicklung beginnt bei der Geburt und sie entwickelt sich im Laufe des Lebens immer weiter. Störungen und Entwicklungsverzögerungen können dabei in jedem Abschnitt und in jedem Alter auftreten. Bei Kindern finden sich große individuelle Unterschiede in Bezug auf Ausmaß und Art der Störung. Sprachprobleme können oft nicht isoliert gesehen werden – die allgemeine körperliche, geistige und soziale Entwicklung der Kinder spielt eine wichtige Rolle.

Sprachentwicklung beobachten

Die Sprache entwickelt sich relativ rasch. Ein 18 Monate bis zwei Jahre altes Kind beherrscht rund 50, ein vierjähriges circa 2.000 Wörter. Im Alter von sechs bis acht Monaten probieren Babys Laute und versuchen nachahmendes Lallen. Nach dem zwölften Lebensmonat beherrschen Kinder einzelne Worte, mit 18 bis 24 Monaten Zwei-Wort-Sätze. Bis zum dritten Lebensjahr wird der Wortschatz weiter vergrößert. „Bleiben diese Entwicklungsschritte aus, sollte ein Facharzt (Phoniater) befragt werden, der gegebenenfalls einen Logopäden hinzuzieht, unter Umständen aber zuvor operative Maßnahmen veranlasst“, erklärt Prof. DDr. Ulrich Eysholdt, Leiter der Phoniatrischen und Pädaudiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Jedes Kind hat jedoch sein individuelles Tempo. Ohne das Kind zu überfordern und andauernd mit Gleichaltrigen zu messen, sollte die Sprachentwicklung beobachtet und bei bestimmten Warnsignalen Hilfe in Anspruch genommen werden.

Grundvoraussetzung Hören

Eine Grundvoraussetzung für das Erlernen einer Sprache ist ein funktionierendes Gehör, weil ohne Gehör ein Erwerb der Lautsprache nicht möglich ist. Schon in den ersten Tagen nach der Geburt wird bei jedem Neugeborenen ein Hörscreening durchgeführt, im siebten bis neunten Lebensmonat sollte eine allgemeine HNO-Untersuchung gemacht werden. Durch einen Hörtest können Innen- und Mittelohrschwerhörigkeit unterschieden werden. Bei Kindern mit Innenohr-Hörschäden ist nach Anpassen eines Hörgerätes oder Implantation eines Cochlea-Implantates ein intensives logopädisches Training über viele Monate notwendig.

Ursache oft nicht bekannt

Sprachentwicklungsstörungen oder Verzögerungen können viele unterschiedliche Ursachen haben. Eine fehlende Eltern-Kind-Beziehung, soziale Hintergründe oder Zweisprachigkeit können den Spracherwerb erschweren. Es gibt jedoch auch völlig gesunde, körperlich und geistig normal entwickelte Kinder mit gutem sozialem Umfeld, die trotzdem Sprachprobleme haben. Sie zeigen einen verspäteten Worterwerb, verlangsamte Sprachentwicklung oder haben Schwierigkeiten, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden.

Spielerisch fördern

Eine logopädische Behandlung bei Kindern ist kein strenger Sprachunterricht. Sprechen, Sprachrhythmus und Sprachmelodie werden vielmehr spielerisch geübt und die Freude an der Sprache geweckt. Durch das gemeinsame Spielen wird die Kommunikation gefördert. Hörspiele verbessern die Hörwahrnehmung, ein eingeschränkter Wortschatz kann ausgebaut sowie Lese- und Schreibschwächen korrigiert werden.Kindern mit Sprachfehlern wie Lispeln oder Stottern (Sprechablaufstörung) kann gut geholfen werden, wenn die logopädische Therapie frühzeitig einsetzt.

Individuelle Förderung

Es gibt keine allgemein gültige Therapie, mit der allen geholfen werden kann. Wichtig ist, auf die betroffenen Kinder individuell einzugehen und eine auf sie persönlich abgestimmte Behandlung anzubieten. Manchmal ist es auch sinnvoll, im Team mit Psychologen, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und Ärzten zu arbeiten. Je früher die betroffenen Kinder erfasst werden, umso besser kann ihnen geholfen werden. Oft wirkt sich schon ein beratendes Elterngespräch positiv auf die Sprachentwicklung aus.

Auch Eltern können helfen

Nicht nur beim Logopäden, auch zu Hause kann und soll die Sprachentwicklung gefördert werden. Langsame und deutliche Sprechweise der Eltern hilft dem Kind seine eigene Sprache zu verbessern. Zuhören und Kinder ausreden lassen ist ebenso wichtig. Eine Reizüberflutung durch ständiges Radiohören oder Fernsehen ist hingegen nicht förderlich.


Dr. Ulli Stegbuchner

Jänner 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020