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COPD: Raucherkrankheit weiter stark unterschätzt

Zigarette wird gerauchtEine Krankheit, die weiterhin in ihrer Bedeutung stark unterschätzt wird, ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Jeder vierte Österreicher über 40 Jahre zeigt Zeichen dieser klassischen Raucherkrankheit, berichtet die Austria Presse Agentur (APA) von der Fortbildungstagung 2014 der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming.

 

„Die COPD ist eine wichtige Erkrankung, die oft nicht rechtzeitig erkannt wird. In den nächsten Jahren wird sie zur dritthäufigsten Todesursache werden. 600 Millionen Menschen weltweit sind betroffen. Jeder vierte Patient über 40 Jahre hat laut einer Salzburger Studie Anzeichen einer obstruktiven Ventilationsstörung. Zehn Prozent wären behandlungsbedürftig“, sagte der Wiener Internist OA DR. Wolfgang Cozzarini (Wiener Donauspital) bei der Tagung in der Steiermark.

 

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Ignorierter „Raucherhusten“

 

Die Krankheit beginnt zumeist als von den Betroffenen lange ignorierter „Raucherhusten“. Es kommt zu chronisch-entzündlichen Prozessen in der Lunge mit einem schnellen Abbau der Atemkapazität, Schädigung der Lungenbläschen und zu einem Verlust der Elastizität des Lungengewebes. Am Ende kann die Lungenblähung (Emphysem) stehen. Durch mangelnde Atemkapazität drastisch eingeschränkte Lebensqualität und Invalidität sind die Folgen, so die APA.

 

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Im Frühstadium leicht zu erkennen

 

An sich ist die Krankheit auch im Frühstadium durch eine Lungenfunktionsprüfung leicht zu erkennen. Zeigt sich bei der nicht-invasiven und binnen kurzer Zeit durchführbaren Untersuchung, dass der Patient in einer Sekunde nur noch weniger als 70 Prozent des Atemvolumens ausatmen kann, liegt das Vorhandensein einer COPD nahe.

Da die meisten Betroffenen Raucher sind, wäre ein Rauchstopp das beste Mittel um die Verschlechterung zu bremsen. Cozzarini: „Die COPD wird leider bei den meisten Menschen immer schlechter.“ Man könne zwar den beschleunigten Abbau der Lungenfunktion verlangsamen, aber nicht stoppen oder den Schaden beheben.

 

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Rauchen und Luftverschmutzung

 

Obwohl die Krankheit zum überwiegenden Teil durch das Rauchen hervorgerufen wird, gibt es auch deutliche Hinweise, dass die in Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen vorhandene Luftverschmutzung ebenfalls eine Ursache sein kann. Der Experte hat allein schon aus der Berufserfahrung zwischen seiner ehemaligen Tätigkeit am Krankenhaus in Stockerau in Niederösterreich und am Schwerpunktkrankenhaus in Wien Unterschiede bemerkt: „Ich finde ganz selten normale Lungenfunktionswerte bei den Wiener Patienten.“

 

An COPD-Medikamenten stehen vor allem kurz und lang wirkende bronchienerweiternde Medikamente (Beta-Mimetika oder Anticholinergika) und entzündungshemmende Arzneimittel (Cortison) zur Verfügung. Sie werden zumeist inhaliert. Gefürchtet sind bei COPD-Patienten häufige „Exacerbationen“. Das ist eine akute und drastische Verschlechterung der Lungenfunktion mit Notwendigkeit einer Spitalsaufnahme, so die APA. Häufig sind die Betroffenen auch auf Sauerstoffversorgung angewiesen. Die Ursache sind zumeist virale oder bakterielle Infektionen der Lunge.

Cozzarini: „Solche Exacerbationen verschlechtern stark die Lebensqualität und führen zu einer erhöhten Mortalität der Patienten.“ Diese akuten Krisen bei COPD-Patienten führen oft auch zu einer noch größeren Abnahme der Lungenfunktion als beim stabilen Verlauf der Erkrankung.

Eine bedeutende Rolle im Langzeitmanagement der COPD spielt auch die Rehabilitation mit kontrollierter körperlicher Aktivität. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine künstliche Sauerstoffversorgung die einzige Maßnahme, welche die erhöhte Sterblichkeit der Patienten nachweislich reduziert.

 

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Rauchen aufhören

 

Am wichtigsten aber wäre die Bekämpfung des Rauchens. Hier ist Österreich bei weitem nicht unter jenen Staaten, in denen von Erfolgen berichtet werden kann. OA Dr. Helmut Brath vom Gesundheitszentrum-Süd der Wiener Gebietskrankenkasse: „In den letzten 22 Jahren (1980 bis 2012; Anm.) verminderte sich die weltweite Rauchprävalenz (Anteil der Raucher an der Bevölkerung zu einem gegebenen Zeitpunkt; Anm.) bei Männern um 25 Prozent, bei Frauen um 42 Prozent. Österreich hat nach wie vor eine der höchsten Rauchprävalenzen der Welt. Bei Frauen kam es im genannten Zeitraum sogar – völlig entgegen dem weltweiten Trend – zu einem Anstieg.“

 

Mag. Christian Boukal

März 2014

 

Foto: APA

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020